10. private banking kongress in München Joschka Fischer: „Europa ist unser Schicksal“

Brexit, Russland und eine schwache Preisentwicklung in der Eurozone – auch beim Spitzentreffen der Finanzbranche stand das Schicksal der Europäischen Union im Fokus. Top-Referenten aus Politik und Wirtschaft überraschten auf dem 10. private banking kongress in München mit provokanten Thesen.

29.04.2016 - 16:5029.04.16 - 17:10
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Der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer spricht auf dem 10. private banking kongress in München.
Der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer spricht auf dem 10. private banking kongress in München. © Christian Scholtysik/Patrick Hipp

Ein unberechenbarer Notenbank-Kurs, wachsende Finanzmarkt-Regulierung, unaufhaltsame Digitalisierung, massive politische Risiken – nie gab es eine vergleichbare Dichte an Diskussionsthemen auf Deutschlands größtem Forum für Vermögensverwalter. So verzeichnete der 10. private banking kongress, der jetzt in München stattfand, erneut Rekordzuspruch: An beiden Tagen kamen insgesamt 367 Teilnehmer (Vorjahr: 304) ins Sofitel Munich Bayerpost. Darunter Top-Gäste wie die Polit-Legenden Wolfgang Ischinger und Joschka Fischer. Kernthese des früheren Bundesaußenministers: „Europa ist unser Schicksal. Und dieses sollten wir aktiv gestalten und nicht passiv erleiden.“

„Deutschland profitiert am meisten von einem vereinten Europa“

Den hochkarätigen Rahmen der Veranstaltung bildeten die Referate von Wolgang Ischinger (70) und Joschka Fischer (68). Beide Polit-Legenden waren erstmals zu Gast beim „private banking kongress“ und nutzten die Chance, ihre teils überraschenden Einschätzungen zur Wirtschaft und zur weltpolitischen Lage weiterzugeben.

Der Kongress endete am Freitag mit einem eindringlichen Appell. „Der Zusammenhalt der Union Europas ist die existenzielle Frage unserer Zukunft, insbesondere wirtschaftlich“, mahnte Joschka Fischer. Der frühere Bundesaußenminister (Grüne) begründete die zentrale These seiner Rede: „Kein anderes Land hängt so von der guten Nachbarschaft, der staatlichen Einigkeit Europas ab, wie Deutschland. Wir stehen im Zentrum Europas – und wären beim Scheitern der EU und der Gemeinschaftswährung der größte Leidtragende, der große Verlierer.“ Dennoch stellte der 68-Jährige der Gemeinschaft kein gutes Zeugnis aus: Die derzeitige Schwäche der EU-Institutionen sei „gnadenlos“. Zudem fehle der „Mut zum Handeln“.

„Durch die Großmachtpolitik-Bestrebungen von Putin wird die EU in ihrer Existenz bedroht werden. Nach der Abstimmung über einen möglichen Austritt Großbritanniens brauchen wir eine strategische Debatte darüber, wie die Zukunft der EU gestaltet werden kann angesichts der nationalistischen Bestrebungen Russlands. Dafür ist die EU nicht gebaut, sie muss aber dafür gebaut werden.“

Joschka Fischer, ehemaliger Bundesaußenminister