Anleihen, Devisen, Konjunktur 2021 könnte ersten Wirtschaftsboom bringen

Das zu Ende gehende Jahr stellte Portfoliomanager und Anleger gleichermaßen vor große Herausforderungen. Umso spannender ist die Frage: Was erwartet uns 2021? Adam Choragwicki, Leiter Rentenfondsmanagement bei StarCapital, blickt in das neue Jahr.

10.12.2020 - 10:0010.12.20 - 08:02
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Containerschiff auf dem Weg in den Hamburger Hafen
Containerschiff auf dem Weg in den Hamburger Hafen: „Wir sind davon überzeugt, dass es zu keinem starken Einbruch der Wirtschaft kommen wird wie im Frühjahr – wir rechnen mit einer starken Aufschwungsphase“, erklärt Adam Choragwicki © imago images / Chris Emil Janßen

In den vergangenen Wochen war die Impfstoffhoffnung der treibende Faktor für die Börsen. Belastend wirkte allerdings vor allem im Dienstleistungssektor der Teil-Lockdown. Dies spiegelt sich auch in den Frühindikatoren wider, die bereits im Oktober in mehreren europäischen Ländern unter die Marke von 50 Punkten eingebrochen und auf das Niveau von Mai/Juni zurückgefallen sind.

Im Unterschied zum ersten Lockdown in Deutschland hat sich jedoch das verarbeitende Gewerbe deutlich erholt. Dies wird sich mittelfristig positiv auf die weitere Entwicklung an den Märkten und auch auf den Konjunkturverlauf auswirken.

„Wir sind davon überzeugt, dass es zu keinem so starken Einbruch der Wirtschaft kommen wird wie im Frühjahr. Das signalisiert auch die StarCapital Zyklusuhr, nach der sich die Konjunktur sowohl in den USA als auch in der Eurozone in einer starken Aufschwungsphase befindet. Danach könnte eine Expansionsphase und möglicherweise – belgeitet von einem Corona-Impfstoff – ein kleiner Boom im zweiten oder dritten Quartal des kommenden Jahres folgen“, erklärt Adam Choragwicki.

Positives Sentiment dürfte nur kurzfristig belasten

Mittelfristig positiv für Risiko-Assets ist neben dem positiven konjunkturellen Umfeld auch die expansive Ausrichtung der Geldpolitik. Die Märkte erwarten eine Ausweitung der Notfallmaßnahmen der Zentralbanken – kombiniert mit expansiven unterstützenden Fiskalprogrammen, vor allem in den USA. Allerdings signalisieren die hauseigenen Risikoindikatoren, dass die überreizte positive Stimmung kurzfristig gegen eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung spricht.

„Viel Wertpotenzial sehen wir nach wie vor bei Unternehmensanleihen, zumal sich in diesem Markt einige Ineffizienzen nutzen lassen. Die Attraktivität dieses Bereichs ist noch nicht abgeschöpft. Die aussichtsreichen risikoadjustierten Erträge bieten neben dem Crossover-Segment der BB und BBB-Anleihen auch Fallen Angels, die infolge einer Ratingabstufung von Investment Grade in das High-Yield-Segment absteigen. Im Verhältnis zu BBB bietet insbesondere das BB-Ratingsegment noch Aufholpotential“, so Choragwicki weiter.

Default-Wahrscheinlichkeit deutlich geringer als im Frühjahr erwartet

Während die Bewertung bei Investment-Grade-Anleihen fast wieder auf Vorkrisenniveau angekommen ist, bleiben High-Yield-Anleihen sowie Schwellenländer-Anleihen trotz ihrer Erholung der vergangenen Monate erfolgversprechend bewertet. Unterstützend wirkt, dass die Kreditausfallraten globaler High-Yield-Emittenten deutlich niedriger sind, als im Frühjahr erwartet.

Wurde damals kurzzeitig eine Ausfallwahrscheinlichkeit von 45 Prozent für den gesamten High-Yield-Markt eingepreist, prognostiziert die Ratingagentur Moody’s aktuell auf Jahressicht eine Ausfallrate von etwa 8,1 Prozent des globalen High-Yield Marktes im April 2021. Betroffen sind derzeit vor allem die Sektoren Energie, Einzelhandel und Dienstleistungen, in den USA deutlich stärker als in Europa.