Invesco-Studie 64 Prozent wollen ihre China-Position ausbauen

86 Prozent der institutionellen Anleger haben ihr Engagement im Reich der Mitte in den vergangenen zwölf Monaten ausgebaut oder stabil gehalten, knapp zwei Drittel wollen ihre China-Gewichtung auch in den kommenden zwölf Monaten ausbauen – trotz der aktuellen Schlagzeilen rund um die Regulierungsmaßnahmen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

06.10.2021 - 11:0007.10.21 - 09:21
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Roboter-Hund auf der World Robot Conference in Peking
Roboter-Hund auf der World Robot Conference in Peking: Für die Studienteilnehmer bleiben technologische Innovationen der wichtigste Anlagebereich in China© IMAGO / VCG

Economist Impact hat für Invesco Asset Management im Juni und Juli 200 institutionelle Anleger aus Nordamerika, Asien-Pazifik, Europa und dem Nahen Osten zu ihrem China-Engagement befragt. 86 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, ihr Engagement im Reich der Mitte in den vergangenen zwölf Monaten ausgebaut oder stabil gehalten zu haben. 64 Prozent planen, ihre Investments auch in den kommenden zwölf Monaten weiter auszubauen, 12 Prozent rechnen mit einem Rückgang.

„Die Umfrage zeigt, dass sich die Einstellung internationaler Investoren zu China-Anlagen in den vergangenen zwölf Monaten kaum verändert hat“, sagt Chin Ping Chia, der bei Invesco für chinesische A-Aktien zuständig ist. „Das Reich der Mitte ist die einzige der großen globalen Volkswirtschaften, die 2020 ein durchweg positives BIP-Wachstum verzeichnet hat. Trotz der anhaltenden geopolitischen Spannungen und der jüngsten Schlagzeilen über massive regulatorische Eingriffe sind die gesamtwirtschaftlichen Aussichten für das Land weiterhin sehr gut.“

Onshore-Titel am gefragtesten

Die Mehrheit der Studienteilnehmer ist der Meinung, dass sich Chinas Wirtschaft in den kommenden zwölf Monaten besser entwickeln wird als andere globale Volkswirtschaften. Zu den beliebtesten Anlageklassen gehören chinesische Onshore-Aktien (52 Prozent), gefolgt von Onshore-Anleihen (51 Prozent) und Offshore-Aktien einschließlich H-Aktien und in den USA notierten China-ADRs (Zertifikate, 50 Prozent). Immobilien (40 Prozent), Direktbeteiligungen an Unternehmen (39 Prozent) und andere alternative Investments (38 Prozent) gehören zu den drei wichtigsten Anlageklassen, in denen die Befragten ihr Engagement in den nächsten zwölf Monaten ausbauen wollen. Mehr als ein Drittel der Studienteilnehmer (37 Prozent) wollen ihre Allokation in chinesische Onshore-Aktien ausbauen.

Technologische Innovationen (49 Prozent) und Finanzdienstleistungen (44 Prozent) sind die gefragtesten Bereiche. Auch die Sektoren Gesundheit (27 Prozent) und inländischer Konsum (26 Prozent) erregen Interesse. Im Technologiesektor setzen Anleger vor allem auf Künstliche Intelligenz und digitale Automatisierung (39 Prozent), 5G (32 Prozent) sowie Online-Dienste für Verbraucher und den B2B-Markt (31 Prozent).

„China ist bereits eine der fortschrittlichsten digitalen Volkswirtschaften der Welt, und das Land hat seine Ambitionen, in diesem Bereich weiter voranzukommen, keineswegs aufgegeben“, sagt Chin Ping Chia. „Wir gehen davon aus, dass die jüngste Verschärfung des Regulierungsrahmens einen gesunden und vor allem im Internetsektor nachhaltigeren Wettbewerb fördern wird. Das sollte China auf den Weg bringen, eines der wichtigsten Ziele seines 14. Fünfjahresplans zu erreichen: die globale Innovationsführerschaft. Chinas Bedeutung für und sein Einfluss auf die Weltwirtschaft werden weiter zunehmen. Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont und einem angemessenen Engagement in China-Anlagen mit Bezug zur wirtschaftlichen Transformation des Landes sollten davon voll profitieren können.“

Probleme bei Transparenz und Berichterstattung

Für ein Engagement in China sprechen laut der Umfrageteilnehmer gleich mehrere Faktoren. Besonders relevant sind das Wachstum der chinesischen Wirtschaft und die zu erwartenden Gewinne bei Chinas börsennotierten Unternehmen (35 Prozent) sowie die bessere Qualität der Finanzintermediäre (35 Prozent).

Als größte Hürden in Bezug auf China-Anlagen werden Fragen der Unternehmensführung und Transparenz wie mangelndes Vertrauen in die Berichterstattung (38 Prozent), geringe regulatorische Transparenz (38 Prozent) und Undurchsichtigkeit des chinesischen Finanzsystems für ausländische Investoren (33 Prozent) genannt. Rund ein Drittel der Befragten ist der Meinung, dass es ihnen noch an Wissen fehlt, um in China zu investieren.

ESG stärkt China-Engagement

Immer mehr Investoren (62 Prozent) berücksichtigen bei ihren Investitionsentscheidungen und auch bei ihren China-Anlagen ESG-Faktoren. Nur 8 Prozent sagten, dass sie das selten oder nie tun. Zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten gab an, dass sich ihre China-Allokation durch ihre ESG-Ziele erhöht hat, da sowohl chinesische Unternehmen als auch die Regierung dem Thema immer mehr an Bedeutung beimessen.

Doch es stehen auch Bedenken im Raum: Zu wenige Aktien- oder Anleiheemittenten in China entsprechen den Standards in Bezug auf Umfang oder Qualität des ESG-Reportings (28 Prozent), ESG-Daten chinesischer Aktien- oder Anleiheemittenten sind nicht ohne weiteres verfügbar (25 Prozent) beziehungsweise schwer zu überprüfen (12 Prozent).

Fortschritte erkennbar

 „Auch wenn diese Entwicklung noch in den Kinderschuhen steckt, hat sich die ESG-Berichterstattung in China durch das gestiegene Bewusstsein für Nachhaltigkeit in den vergangenen fünf Jahren bereits verbessert. Außerdem zeigt sich das Land entschlossen, in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels zu spielen. Ein Beispiel ist die Verpflichtung zur Klimaneutralität. Wir glauben, dass Chinas ESG- und Klimaziele weitreichende Auswirkungen auf die chinesische Investmentlandschaft und die Unternehmen haben werden“, fasst Chin Ping Chia zusammen.

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