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Karen Watkin, Portfolio Managerin, All Market Income beim Asset Manager AllianceBernstein (AB): „Die Märkte haben es sich mit der von der Zentralbank bereitgestellten Liquidität bequem gemacht.“

Abgeschwächte Ertragsaussichten für Multi-Asset „Die Beruhigungspillen der EZB sind nahezu aufgebraucht“

Für die kommenden zehn Jahre wird erwartet, dass traditionelle Aktien- und Anleiheportfolios weniger als die Hälfte des Ertrages der vergangenen fünf Jahre erzielen. Ein erweitertes Spektrum an Vermögenswerten sowie eine aktivere Depotverwaltung sind erforderlich, um mit den sich rapide verändernden Märkten Schritt zu halten. Karen Watkin von AllianceBernstein erklärt, worauf Multi-Asset-Anleger achten sollten.

27.06.2018 - 12:11 Uhr | Von:  in Märkte

Prognosen zeigen, dass ein Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen in den nächsten 10 Jahren nur 4 Prozent verdienen wird, verglichen mit einem Ertrag von 8,4 Prozent in den letzten fünf Jahren. Ein konservativeres Portfolio mit 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Anleihen dürfte nur um 2,8 Prozent wachsen, was lediglich der Hälfte des Ertrags von 5,6 Prozent der letzten fünf Jahre entspricht.

Warum solch ein dramatischer Rückgang? Weil die „Beruhigungspillen“ der EZB nahezu aufgebraucht sind. Anleiheaufkäufe sollen Ende des Jahres beendet werden und aller Voraussicht nach steht die erste Zinserhöhung seit 2011 ab Mitte 2019 bevor. Die Märkte haben es sich mit der von der Zentralbank bereitgestellten Liquidität bequem gemacht. Nun allerdings werden sie sicherlich erheblich volatiler werden, wie bereits Anfang 2018, als sich Anleger mit Sorgen um mögliche Handelskriege, finanzpolitische Entscheidungen und geopolitische Risiken herumschlagen mussten.

Drei entscheidende Trends ändern die Richtung

Ein Ansteigen der Inflation könnte ebenfalls zu nervöseren Börsen und neuen Herausforderungen für Anleger führen, was angesichts eines Inflationsrückgangs jüngst im April zunächst überzogen klingen mag. Allerdings könnten drei strukturelle Trends, die bisher die Preise in Schach gehalten haben, nun genau das Gegenteil bewirken: Die globale Arbeitsbevölkerung schrumpft, die Globalisierung ist auf dem Rückzug, und die Schulden steigen wieder, weil die Austerität der Staaten nach der großen Krise vorbei ist, und die Konsolidierung des Privatsektors ebenso ausläuft. Einige Regierungen könnten sogar versucht sein, nun die Schulden per Inflation in den Griff zu bekommen.

Und eine letzte wichtige Herausforderung besteht: In einer Welt steigender Zinsen und Inflation bewegen sich einkommensorientierte Anleger weiterhin in einem relativ renditearmen Umfeld. Vor der globalen Finanzkrise erbrachten fast alle soliden Anleihen, sogar US-Treasuries, mehr als vier Prozent. Heute kann man solche Renditen nur noch in weitaus riskanteren Papieren finden, wie etwa in den Schwellenländern und in US-Anleihen niedrigerer Bonität. Hinzu kommt, dass der Kreditzyklus schon weit fortgeschritten ist. Keine komfortable Lage also.