Acatis-Gründer Hendrik Leber über den Datini Valueflex„Ich tue, was ich für richtig halte – und das zahlt sich aus“

Kein Investmentprozess, keine Vorgaben, keine Rechenschaft – bei seinem Mischfonds Datini Valueflex hat Hendrik Leber freie Hand. Welche Vorteile das mit sich bringt, welche Positionen er besonders interessant findet und was Pokémon Go mit alle dem zu tun hat, verrät der Acatis-Gründer im Interview.

16.02.2017 - 14:21 Uhr16.02.17 14:21
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Hendrik Leber, Gründer der Investment-Boutique Acatis
Hendrik Leber, Gründer der Investment-Boutique Acatis© Nadine Rehmann

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der fonds: Herr Leber, Sie haben den Mischfonds Datini Valueflex einmal als Ihren persönlichen Wohlfühl-Fonds bezeichnet. Was macht ihn im Vergleich zu anderen Acatis-Fonds so besonders?

Hendrik Leber: Normalerweise folgen wir bei unseren Anlageentscheidungen einem sehr strukturierten Prozess mit Regeln, Abläufen und Takten. Das schränkt uns natürlich ein. Mir fiel dabei auf, dass durch diese Eingrenzung viele mögliche Investitionen nicht berücksichtigt werden können – ich kann sie nicht unterbringen.

Könnten Sie dazu ein Beispiel nennen?

Leber: 2016 tourten wir durch die USA. Bei einem Investmentgespräch fragte ich einen Ölproduzenten: „Wer hört als erstes mit der Ölproduktion auf, wenn offensichtlich wird, dass zu viel Öl produziert wird?“ „Niemand“, lautete seine Antwort.

Das bedeutet, dass dann der Ölpreis immer weiter fällt.

Leber: So ist es. Nun kann ich solche Informationen aufgrund der Vorgaben bei unseren Fonds nicht verwerten. Nicht-Kaufen ist schließlich weder eine Strategie noch ein Short-Selling. Dann fand ich jedoch ein Zertifikat, das den fallenden Ölpreis dreifach hebelt. Dieses habe ich in das Datini-Portfolio aufgenommen. Und die Position hat sich versechsfacht. Der Datini ist der einzige Fonds, in dem ich so etwas machen kann.

Hätten Sie noch weitere Beispiele?

Leber: Oder nehmen wir Juno Therapeutics, eine Firma mit Sitz in Kanada, die sich auf die Herstellung von Immuntherapien bei Krebs konzentriert. Wir schauen uns die Daten an und fallen vom Stuhl: Diese Firma entwickelt Behandlungsmethoden mit enormen Erfolgsaussichten. Es ist eine Mini-Firma ohne Umsätze, die aber zwei Milliarden Marktwert hat und ein unglaubliches Potenzial birgt, sollte sie aufgekauft werden oder ein Medikament auf den Markt bringen. Eine Bewertung ist für so eine Firma nicht aufzutreiben – aus diesem Grund ist es schwierig, sie in einen Fonds mit vielen Vorgaben aufzunehmen. Ganz im Gegensatz zum Datini, in den ich sie auch so aufnehmen kann.