Adrian Hull, Anleiheexperte bei Kames Capital„Populistische Wahlsieger sind für Besitzer von italienischen Staatspapieren ein Risiko“

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Anleger, die italienische Staatsanleihen halten, könnten unter den anstehenden Wahlen in Frankreich und den Niederlanden leiden. Zumindest, wenn die Mehrheit der Wahlberechtigten populistische Neigungen hat. Die Gründe.

10.02.2017 - 10:32 Uhr10.02.17 10:32
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Flugzeuge der Luftwaffen-Einheit „Frecce Tricolori“ bei einer Show in Rom im Juni 2016: Der italienische Staat kämpft mit einer Schuldenkrise
Flugzeuge der Luftwaffen-Einheit „Frecce Tricolori“ bei einer Show in Rom im Juni 2016: Der italienische Staat kämpft mit einer Schuldenkrise© Getty Images

Votieren die Niederländer und Franzosen in den anstehenden Wahlen für eine populistische Regierung, haben Anleger mit italienischen Staatsanleihen schlechte Karten. Während sich die Renditen italienischer Staatsanleihen seit dem richtungweisenden Verfassungsreferendum im vergangenen Dezember überraschend stabil entwickelt haben, könnten ausländische Wahlen im laufenden Jahr die bestehenden wirtschaftlichen Probleme Italiens verstärken, wenn sich die jeweiligen Wählerinnen und Wähler gegen eine Konsenspolitik entscheiden.

„2016 war mit Blick auf die wirtschaftlichen Fundamentaldaten und Bonitätsratings Italiens kein gutes Jahr“, sagt Adrian Hull, Senior Fixed Income Investment Specialist bei Kames Capital. „In den Augen von Analysten und Rating-Agenturen fehlt es den Strukturreformen nach dem gescheiterten Referendum im Dezember an jeglicher Dynamik. Italien hat seit dem Jahr 2000 kein reales Wirtschaftswachstum mehr erzielt.

Schätzungen zufolge soll das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Italien bis 2018 unter einem Prozent verharren. Folglich werden die Aussichten Italiens ungeachtet der soliden Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse auch weiterhin durch ein schwaches Wachstum getrübt, das mit dem Anstieg der nominalen Schuldenlast nicht Schritt halten kann“, so der Anleiheexperte weiter.

Schuldenkrise hat Italien fest im Griff

Obwohl die „langsame, aber solide“ Rekapitalisierung der Banken in Hulls Augen ermutigend ist, weist er darauf hin, dass diese Refinanzierung die Staatsverschuldung des Landes um weitere 20 Milliarden Euro steigen lässt. „Das ist nicht viel mit Blick auf Italiens Schuldenberg von etwa 1,5 Billionen Euro, stellt aber in einem Umfeld ohne beziehungsweise niedriger Inflation und angesichts eines Haushaltsdefizits von ungefähr 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts eine zusätzliche Belastung dar“, sagt der Experte.