Investmentausblick Aktien, Anleihen, Kryptos: So geht’s an den Märkten weiter

Das Anlagejahr begann mit einem Paukenschlag: An den Aktienmärkten ging es ebenso bergab wie bei Kryptowährungen. Investmentprofis zeigen sich für 2022 aber grundsätzlich optimistisch.

31.01.2022 - 17:0031.01.22 - 17:59
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Pfeil nach unten: Nicht nur an der US-Börse ging es mit den Kursen zuletzt abwärts. Investmentexpert:innen zeigen sich für die Aktienmärkte 2022 aber grundsätzlich optimistisch © Imago Images / Future Image

Der Jahresauftakt an den Kapitalmärkten war turbulent – und es bleibt spannend. Für 2022 erwarten die Experten der Fondsgesellschaft Blackrock eine neue Kapitalmarktdynamik, „die es in dieser Form seit 50 Jahren nicht mehr gab“. Grund dafür ist vor allem die weltweit gestiegene Inflation. Die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve werde in diesem Jahr beginnen, die Zinsen anzuheben, „allerdings eher behutsam“. Die Europäische Zentralbank (EZB) hingegen dürfte ihre sehr lockere Geldpolitik noch einige Jahre fortsetzen.

Daher raten die Blackrock-Expert:innen in ihrem globalen Anlageausblick zu einer Mischung aus inflationssensitiven Aktien, alternativen Anlagen und inflationsgeschützten Anleihen. Sie selbst fahren in diesem Jahr das Risiko zurück und bevorzugen mit Blick auf den grünen Wandel nachhaltige Lösungen in allen Anlageklassen.

Für Aktien als Assetklasse sieht es in diesem Jahr grundsätzlich gut aus. „Aktien sind zwar für sich genommen teurer als in früheren Phasen“, schreibt Fabiana Fedeli, Chefanlagestrategin für Aktien bei M&G Investments, im Investmentausblick der Fondsgesellschaft. „Doch im Vergleich zu anderen Anlageklassen sind sie sogar relativ günstig.“ Berücksichtige man die weiterhin hohe Liquidität, sei das ein positives Zeichen für die Aktienmärkte. Gegenwind könnte von den Kreditmärkten kommen und von der weltweit grassierenden Inflation.

Japanische Aktien im Blick behalten

Speziell Aktien aus dem Bereich erneuerbare Energien traut sie eine gute Entwicklung zu. Auch japanische Aktien hat die Expertin auf dem Schirm. „Das Land hat sich klar unterdurchschnittlich entwickelt: Nicht nur gegenüber den USA, sondern auch im Vergleich zu anderen Märkten.“ Es gebe aber zahlreiche japanische Unternehmen mit steigenden Gewinnen und viele Fusionen und Übernahmen. Allerdings gelte das nicht für alle Firmen des Inselstaats. Man sollte also, wie immer, genauer hinschauen.

James Ashley, Leiter Market Strategy Team, Strategic Advisory Solutions bei Goldman Sachs Asset Management geht auch davon aus, dass die Aktienmärkte in den Industrieländern 2022 wieder zulegen werden. Das liege unter anderem an den negativen Realzinsen und den anhaltenden Kapitalzuflüssen. Längerfristig erwartet er einen Markt mit niedrigeren Gesamtrenditen, mehr Schwankungen und weniger regionalen Abweichungen. Er schätzt, dass an den Märkten außerhalb der USA die Gewinn- und Renditeunterschiede zurückgehen.

In den Schwellenländern dürfte die verbesserte makroökonomische Entwicklung dazu beitragen, dass Anleger:innen größere Beträge in bisher unterrepräsentierte Schwellenländeraktien investieren. Ashley rechnet hier aber mit großen regionalen Renditeunterschieden. Diese kommen unter anderem durch die unterschiedlichen Reaktionen auf das Covid-19-Infektionsgeschehen zustande.

Aktien von Unterhaltungselektronik- und Tourismusunternehmen könnten profitieren

Auch die Expert:innen der Deutschen Bank sind für die globalen Aktienmärkte im Jahr 2022 insgesamt positiv gestimmt, sollte sich die Konjunktur weiter erholen. Sie rechnen mit steigenden Gewinnen von Unternehmen, die deren Aktienkurse nach oben treiben. Allerdings fallen diese weniger dynamisch aus als im Vorjahr.

Vom Nachholbedarf der Konsumenten könnten aus Sicht der Deutsche-Bank-Analyst:innen zum Beispiel Unternehmen aus der Unterhaltungselektronik oder dem Tourismus profitieren. Die Autoproduktion in Europa und in den USA wiederum sollte sich wegen eines sich stabilisierenden Angebots an Halbleitern aus Asien in absehbarer Zeit ebenfalls erholen. Insgesamt gehen die Experten davon aus, dass die globale Automobilproduktion in diesem Jahr um 12 Prozent steigen könnte. In der zweiten Jahreshälfte empfehlen sie unter anderem einen Blick auf Tech-Aktien.

Aktien aus Schwellenländern könnten im Laufe dieses Jahres von einem dynamischen globalen Wachstum profitieren und davon, dass die Coronavirus-Beschränkungen zunehmend gelockert werden. Am chinesischen Aktienmarkt sollten sich Anleger:innen der Deutschen Bank zufolge Firmen aus den Bereichen Solartechnologie, Elektromobilität, Automatisierung und Halbleiter genauer anschauen, da diese weniger stark von möglichen staatlichen Regulierungsmaßnahmen betroffen sein dürften. Nach dem Abflauen der Coronavirus-Pandemie könnten auch die Aktienmärkte in Taiwan, Südkorea und Indien hohe Renditen liefern.

Logistikimmobilien könnten ein gutes Investment sein

Bei Immobilien komme es für Anleger:innen stark auf das jeweilige Segment an. Am Gewerbeimmobilienmarkt werden aus Sicht der Deutschen Bank die hohe Nachfrage und niedrige Finanzierungskosten bestehen bleiben. Zwar sind die Nettomieteinnahmen im Vergleich zum Kaufpreis von Immobilien in vielen Regionen nur noch gering. Anlagen am gewerblichen Immobilienmarkt könnten mit Renditen von durchschnittlich 3 bis knapp 4 Prozent je nach Segment aber nach wie vor interessant sein.

Für Logistikimmobilien sieht es im Großen und Ganzen weiter gut aus. Sie dürften laut den Analysen der Deutschen Bank weiter „vom Siegeszug des Online-Handels und einem dynamischen Wirtschaftswachstum profitieren“. Die Mieten sollten daher in diesem Segment tendenziell weiter steigen. Verlierer des Shoppingbooms im Internet sind Einzelhandelsimmobilien. Auch für Hotels sieht es wegen der andauernden Corona-Pandemie 2022 nicht gut aus. Die Mieten im Einzelhandelssegment dürften aus Sicht der Expert:innen der Deutschen Bank in den kommenden Quartalen jedoch zumindest stabil bleiben. An den seit Jahren steigenden Preisen von Wohnimmobilien werde sich auch 2022 nichts ändern. In Deutschland etwa verteuerten sich neue Häuser im Oktober 2021 laut Angaben der Deutschen Bank um 10,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Anleihen sind immer noch keine Renditebringer

Die Analyst:innen der Deutschen Bank gehen zwar davon aus, dass sich die Anleiherenditen 2022 etwas verbessern. Von einer Normalisierung am Rentenmarkt könne jedoch keine Rede sein. Also alles beim Alten. Auch risikoreichere Papiere bieten „nur selektiv interessantere Perspektiven“. Die Renditen zehnjähriger US-Papiere könnten 2022 bei 2 Prozent liegen und in diesem Bereich wegen schwächerer Aussichten für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2023 verharren. Die erhöhte Inflation könnte aber auch dazu führen, dass trotz des Renditeanstiegs die realen Zinserträge unter anderem von Bundesanleihen 2022 weiterhin negativ ausfallen.

Unternehmensanleihen kaum interessanter als Staatsanleihen

Etwas besser, aber auch nicht rosig, sieht es auf dem Markt für Unternehmensanleihen aus. Eine gute wirtschaftliche Entwicklung und sich weiter verbessernde Finanzkennzahlen der Unternehmen sollten den Markt für Unternehmensanleihen guter Bonität zwar weltweit stützen. Insgesamt erscheinen sie aus Sicht der Deutsche-Bank-Expert:innen wegen ihrer relativ starken Schwankungen jedoch kaum interessanter als Staatsanleihen.

Für den reinen Inflationsausgleich empfiehlt Jim Leaviss, Head of Fixed Interest von M&G Investments, inflationsgebundene Anleihen. Ansonsten hält er lediglich Schwellenländeranleihen im aktuellen Marktumfeld für attraktiv. „In den Schwellenländern kann man positive reale Renditen von 2 oder 3 Prozent erzielen“. Der Haken daran: Man braucht gute Nerven, denn Risiko und Volatilität sind vergleichsweise hoch.

Bitcoin-Preis könnte wieder ansteigen

Apropos Volatilität: Kryptowährungen bleiben im Trend. Johannes Schmitt, Co-CEO des Kryptodienstleisters Bloxxon, rechnet sogar damit, dass beim Bitcoin „möglicherweise die 100.000-US-Dollar-Marke geknackt wird“, wie er in einem Artikel für das Private Banking Magazin beschreibt.

Schmitt ist überzeugt, dass vor allem „die Inflation in den großen Volkswirtschaften des Westens neue Investoren in den Bitcoin treiben wird“. Er sieht aber auch Preisrisiken für die Assetklasse, unter anderem durch die Diskussionen um das so genannte Proof-of-Work-Mining in der EU, also das energieintensive Schürfen neuer digitaler Münzen.

Angeregt durch Chinas Verbot und die Verbreitung von Technologien wie Krypto-Dollars und nicht-fungibler Token (NFTs) erwartet Mike McGlone von Bloomberg, dass Kryptowährungen in den USA beliebter werden, „mit einer angemessenen Regulierung und damit verbundenen Preisanstiegen“. Er geht außerdem davon aus, dass im kommenden Jahr die größten Kryptowährungen, also Bitcoin und Ethereum, immer mehr akzeptiert werden. Sie bleiben aus Sicht vieler Expert:innen zwar spekulative Investments. Aber gerade Bitcoin und Ethereum könnten sich zu Wertaufbewahrungsmitteln entwickeln.

Auch der Markt für NFTs, Fan-Token und Gaming- sowie Metaverse-Anwendungen wird laut Schmitt im Jahr 2022 weiterwachsen. NFTs werden allerdings „anders als 2021 eine größere preisliche Differenzierung zwischen Ramschware und anspruchsvollen Editionen erleben“.

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