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Multi-Asset-Stratege im Interview „Aktien vor weiterem Aufwärtspotenzial“

Obwohl derzeit schon viel in den Kursen eingepreist ist, haben Aktien, chinesische Anleihen sowie Industrie- und Edelmetalle noch Luft nach oben, berichtet Ulrich Urbahn, Leiter Multi Asset Strategy & Research bei Berenberg, im Interview.

01.04.2021 - 11:01 Uhr | in News

Herr Urbahn, die Indizes bewegen sich auf oder nahe ihrer Rekordhochs. Wie geht es jetzt weiter?

Ulrich Urbahn: Angesichts der weltweiten Konjunkturerholung und positiven Gewinnrevisionen gehen wir von weiterem Aufwärtspotenzial bei Aktien aus. Wir erwarten zwar eine erhöhte Volatilität über die nächsten Monate, sehen aber beispielsweise den Dax im Juni 2022 bei 15.800 Punkten. Insgesamt dürften wir am Anfang eines Konjunkturaufschwungs stehen, der mehrere Jahre andauern kann und deutliche Gewinnwachstumsraten bringen dürfte. Auch wenn für dieses Jahr schon vieles eingepreist ist, sehen wir mit Blick auf die kommenden Jahre weiteres Potenzial.

Die Aktienmärkte nehmen den zu erwartenden Konjunkturaufschwung nach der Pandemie vorweg und sind nach Einschätzung von Marktteilnehmern überbewertet. Wie sehen Sie die Lage?

Urbahn: Der Aktienmarkt ist im Vergleich zur eigenen Historie teuer bewertet. Das liegt zum einen am Niedrigzinsumfeld, zum anderen aber auch an der Zunahme bewertungssensitiver Marktteilnehmer – Stichworte sind passives Investieren und systematische Strategien. Zudem spielt die höhere Indexgewichtung von eher höher bewerteten Technologiefirmen eine Rolle. Die Unternehmensgewinne dürften jedoch in den kommenden zwei bis drei Jahren deutlich stärker steigen als die Aktienkurse. Damit dürfte es zu einer gewissen Normalisierung der Bewertungen kommen. Zumal auch die Anleiherenditen noch etwas steigen dürften, was die Bewertungen leicht drücken könnte.

Welche Alternativen zu Aktien sehen Sie?  

Urbahn: Aktien gehören ins Portfolio langfristig orientierter Anleger, keine Frage. Sichere Staatsanleihen bieten derzeit kaum eine Rendite, dürften unter tendenziell weiter steigenden Anleiherenditen leiden und bieten aufgrund veränderter Korrelationen derzeit wenig Schutz bei fallenden Aktienmärkten. Auf der Anleiheseite mögen wir daher neben unkorrelierten Nischenthemen chinesische Anleihen, die noch eine ordentliche Rendite abwerfen. Ansonsten finden wir Metalle noch attraktiv. In den nächsten Jahrzehnten dürfte die Nachfrage nach vielen Industriemetallen und einzelnen Edelmetallen nahezu unausweichlich steigen. Denn viele der Schlüsseltechnologien im Kampf gegen den Klimawandel bauen auf ihren Eigenschaften auf. Demgegenüber steht ein noch nicht darauf vorbereitetes und auf höhere Preise angewiesenes Angebot.

Welche Regionen und Sektoren haben Sie derzeit auf dem Zettel?

Urbahn: Wir verfolgen momentan ganz klar eine Barbell-Strategie: Wir setzen langfristig auf stark und nachhaltig wachsende Qualitätsunternehmen. Taktisch haben wir dieses Exposure in den vergangenen Monaten um zyklischere Elemente, zum Beispiel Small Caps und Schwellenländeraktien, erweitert. Wir sind zudem weiterhin optimistisch für britische Aktien, dank der nicht ausgeprägten Positionierung, positiven Gewinnrevisionen und des weit gediehenen Impffortschritts.

Letzte Frage: Worauf müssen sich Anleger im Zeitalter der Deglobalisierung einstellen?

Urbahn: Die Deglobalisierung dürfte aller Voraussicht nach zu einer leicht erhöhten Inflation führen, da effiziente Lieferketten auseinandergebrochen werden und wieder mehr vor Ort und damit teurer produziert wird. Je nach dem wie stark die Deglobalisierung ausfällt, könnten zudem die Korrelationen der verschiedenen Aktienregionen mittelfristig wieder etwas sinken. Paradoxerweise könnte dies bedeuten, dass sich die Globalisierung bei der Finanzanlage durch zunehmenden Diversifikationsnutzen mehr lohnt. Wenn die Unternehmen weniger global sind, sollten die Anleger dies umso mehr sein.