Aktienexperte im Interview„Es ist wieder Zeit für Stock Picking“

ANZEIGE

Der Ölpreisrückgang war und ist ein bestimmendes Thema für die Aktienmärkte. Besonders Kurse von Energieaktien büßten in der Folge mehr ein als der Marktdurchschnitt. Zu den momentanen Entwicklungen und zur Positionierung des Swisscanto (LU) Equity Fund Global Energy äußert sich Manager Paolo Zagaria im Interview.

23.03.2016 - 17:08 Uhr23.03.16 17:08
|
|
|
Paolo Zagaria, Portfoliomanager des Swisscanto (LU) Equity Fund Global Energy
Paolo Zagaria, Portfoliomanager des Swisscanto (LU) Equity Fund Global Energy

Wie entwickelten sich Energieaktien im Jahr 2016?

Paolo Zagaria: Die globalen Aktienmärkte erlebten einen der schwärzesten Jahresauftakte ihrer Geschichte. Die Abwertung des Renminbi, der weitere Fall des Ölpreises und damit einhergehend die steigenden Kreditausfallrisiken sowie allgemein schwächere Wirtschaftsindikatoren waren die Hauptursachen. Deflationsrisiken und eine erwartete Abschwächung der globalen Nachfrage drückten die Aktienpreise. Risikoreiche Anlagen wie Energieaktien waren von der Verkaufswelle am stärksten betroffen.

Ab Mitte Februar setzte dann eine Beruhigung an den Märkten ein, getrieben einerseits durch bessere US-Fundamentaldaten, abnehmende Ängste bezüglich der chinesischen Wirtschaftsentwicklung, der weiteren massiven Lockerung der Geldpolitik durch die EZB sowie durch die starke Erholung des Rohölpreises. Damit einhergehend stiegen vor allem die tiefbewerten Ressourcenaktien stark an. Seit Jahresanfang weisen die volatilen Energieaktien damit eine praktisch unveränderte Wertentwicklung auf.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Rohstoffpreise, insbesondere Öl und Gas, für dieses Jahr ein?

Zagaria: Der aktuelle Rohstoffzyklus ist durch Angebotskürzungen aufgrund zu tiefer Rohstoffpreise gekennzeichnet. Ohne einen größeren Nachfrageimpuls, von welchem wir nicht ausgehen, dürften die Rohstoffpreise mittelfristig auf die Produktionskosten steigen.

Die Schwierigkeit liegt darin, die Zeitspanne dieses volatilen Anpassungsprozesses der Angebotsseite abzuschätzen, da er von verschiedenen Faktoren abhängt. Dazu gehört die Fähigkeit der Unternehmen die Kosten weiter zu senken, die Refinanzierungsmöglichkeiten der Produzenten in Form von Aktien, Anleihen, Krediten oder Asset Sales sowie Wechselkursbewegungen. Wir gehen davon aus, dass der Anpassungsprozess bei Rohöl rund zwölf bis 24 Monate andauern könnte und mit einer Preiserholung auf das Niveau der marginalen Kosten der Rohölproduktion einhergeht.