Aktienexperten im Doppel-Interview „Turbulenzen? Ja! - Finanzkrise? Nein!“

Der Börsen-Absturz zu Jahresbeginn hat die Diskussion um die richtige Aktienquote in Portfolios neu entfacht. Wie so oft gilt: Eine Königsstrategie gibt es nicht. Oder etwa doch? Multiasset.com fragte nach bei Christian Hille, Head of Multi Asset EMEA bei der Deutschen Asset Management, und Eugene Philalithis, Fondsmanager bei Fidelity. Die Aktien-Experten im Doppel-Interview:

19.02.2016, aktualisiert 23.02.2016 - 15:3423.02.16 - 15:34
|
Von: 
|
|
Eugene Philalithis, Fondsmanager bei Fidelity (li.), und Christian Hille, Head of Multi Asset EMEA bei der Deutschen Asset Management, erklären ihre Investitionsstrategien
Eugene Philalithis, Fondsmanager bei Fidelity (li.), und Christian Hille, Head of Multi Asset EMEA bei der Deutschen Asset Management, erklären ihre Investitionsstrategien

der fonds: Das Börsenjahr hat schlecht angefangen. War das vorhersehbar?

Eugene Philalithis: Die Stimmung an den Märkten hat sich verändert. Die negativen Leitzinsen haben dazu geführt, dass Bankaktien neu bewertet wurden und der einheitliche Aufsichtsmechanismus für Banken innerhalb der Eurozone zeigt Wirkung. Außerdem machen sich viele Investoren angesichts des sinkenden Ölpreises Sorgen um das globale Wachstum. Man darf nicht vergessen, dass die Staatsfonds vieler ölproduzierender Länder zum Verkaufsdruck beigetragen haben, indem sie versuchen, Defizite zu stopfen, die durch den niedrigen Ölpreis und die schwachen Ertragserwartungen entstanden sind.

Christian Hille: Für den sehr schwachen Börsenstart 2016 gibt es mehrere Gründe. Viele Marktteilnehmer hatten zum Jahresbeginn auf ein sich global beschleunigendes Wirtschaftswachstum gesetzt. Diese Hoffnung wich, insbesondere durch die lahmende Wirtschaft in China und die Sorge, dass sich die Weltwirtschaft merklich eintrüben könnte. Immer mehr Investoren zweifeln zudem an der Wirksamkeit der lockeren Geldpolitik der Notenbanken. Hinzu kam ein stark fallender Ölpreis, der die Angst der Marktteilnehmer vor einer weiteren konjunkturellen Abschwächung verstärkte.

Aufgrund der vorherrschenden globalen Unsicherheiten senkte beispielsweise der Internationale Währungsfonds die Erwartungen für das globale Wirtschaftswachstum im Januar weiter ab und führte hierfür insbesondere die Schwäche der Schwellenländer, den fallenden Ölpreis und den Ausstieg der USA aus der ultra-lockeren Geldpolitik an.

Die Verlangsamung der Weltwirtschaft veranlasste die Analysten zudem, ihre Gewinnschätzungen für die Unternehmen nach unten zu revidieren. Dies führte zu weiterem Verkaufsdruck an den globalen Aktienmärkten. Man muss aber festhalten: Die Stimmung an den globalen Finanzmärkten ist schlechter als die fundamentale Situation. Wir sehen weder das Risiko einer Rezession noch eine sich anbahnende Finanzkrise.