Kursrücksetzer Aktienkurse stürzen ab – bieten sich Einstiegschancen?

Vom Dax bis zur Nasdaq: Viele Aktienmärkte haben zuletzt deutlich an Wert verloren. Was ist los am Kapitalmarkt – und könnten sich durch die Kursrücksetzer interessante Kaufgelegenheiten ergeben?

25.01.2022 - 13:4726.01.22 - 12:28
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Es geht abwärts
Es geht abwärts: Der deutsche Aktienindex Dax hatte einen schwachen Wochenauftakt. Was sind die Gründe? © Montage: David Baldauf

Was für ein brisanter Wochenauftakt: Der deutsche Leitindex Dax verlor am Montag satte 3,8 Prozent an Wert und beendete den Handel mit 15.011 Punkten. Ähnlich schwach präsentierte sich der Eurozonenindex Euro Stoxx 50, der zu Handelsschluss bei 4.054 Punkten lag. Beide Indizes erlebten ihren größten Tagesverlust seit Ende November 2021, als die Omikron-Variante für Unruhe an den Finanzmärkten sorgte.

Aber nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt haben viele Aktienmärkte in den vergangenen zwei Wochen ordentlich Federn lassen müssen. Der marktbreite US-Index S&P 500 verlor seit Jahresbeginn 8 Prozent, die US-Technologiebörse Nasdaq gab sogar 12 Prozent nach. Dafür verantwortlich sind insbesondere drei Faktoren: Die Befürchtungen einer restriktiveren US-Geldpolitik, der Ukraine-Konflikt sowie vereinzelte Gewinnwarnungen der Unternehmen.

Aussicht auf US-Zinswende belastet Aktienkurse

Aufgrund der aktuell hohen Inflation steht die Geldpolitik im Fokus vieler Marktteilnehmer:innen. „Von der ursprünglich angestrebten Unterstützung des Wirtschaftswachstums der letzten Dekade hat sich die Priorität zuletzt hin zur Bekämpfung der Inflation verschoben. Die Kapitalmärkte preisen noch immer vier Zinserhöhungen und den Beginn der Bilanzverkürzung ein“, erklärt Daniel Kerbach, CEO von BayernInvest.

Das angezogene Tempo der US-Notenbank Fed belastet verschiedene Aktienmarktsegmente in unterschiedlichem Ausmaß. Insbesondere die zinsempfindlichen technologielastigen Indizes gerieten unter Druck. „Man sollte den Fokus auf die Geldpolitik aber nicht übertreiben“, mahnt Axel Cron, Chefanlagestratege HSBC Asset Management Deutschland. Das konjunkturelle Umfeld bleibe positiv.

Umfeld für Aktien bleibt solide

„2022 wird es auch gute Wachstumsraten geben und die Unternehmensgewinne werden sprudeln“, prognostiziert Cron. An den Aktienmärkten erwarten wir in den nächsten Wochen eine Seitwärtsbewegung. Im 2. Quartal könnte es jedoch spannender werden. Dann dürfte es mehr Klarheit zur Inflationsentwicklung und zur Geldpolitik geben – und auch zum chinesischen Kreditzyklus. Auch Kerbach sieht die Lage insgesamt optimistisch: „Die Berichtssaison steht vor der Tür und die Unternehmen entwickeln sich trotz einiger Gewinnwarnungen solide.“

Neben der Straffung der Geldpolitik sorgt der Ukraine-Konflikt für Unsicherheit an den Finanzmärkten. Mit Blick auf die Historie liegt aber der Schluss nahe, dass die geopolitischen Spannungen nur einen kurzfristigen Effekt auf die Kapitalmärkte haben werden – wenn es zu keinem bewaffneten Einsatz kommt. „Einzig die Energiemärkte – allen voran der Öl- und Gasmarkt – werden durch entstehende Engpässe reagieren“, sagt Kerbach.

Abverkauf an den Aktienmärkten – Einstiegschancen?

Während viele Marktteilnehmer:innen getreu dem Motto „Sell the Rally“ verkaufen, nutzen risikobereite, langfristig orientierte Anleger:innen die aktuellen Rücksetzer für Zukäufe. „Ein Engagement in hochwertige Growth-Aktien mit Preissetzungsmacht ist angesichts der schwächelnden Konjunktur und der hohen Inflationsrate durchaus sinnvoll“, sagt Frédéric Leroux, Mitglied des Strategic Investment Committee bei Carmignac. „Doch die anhaltende Teuerungsrate sowie die solide Verbraucherbilanz rechtfertigen auch ein gewisses Exposure gegenüber zyklischen Sektoren wie Energie und Banken – auch wenn die uns bevorstehende Phase eher ein defensives Aktienexposure nahelegt“, ergänzt Leroux.

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