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Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management

Aktienstrategie „Im Mai gibt es keinen Grund zur Panik“

Die alte Börsenweisheit „Sell in may and go away“ legt nahe, dass im Mai an den Aktienmärkten Vorsicht geboten ist. Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt, hält davon nicht viel. Warum, erklärt er im Kommentar.

06.05.2016 - 12:21 Uhr | in Aktien

Der Mai sollte eigentlich ein Monat voller frühlingshafter Dynamik und Optimismus sein. Eine viel zitierte Börsenweisheit legt jedoch nahe, dass Vorsicht geboten ist und am besten alles verkauft werden sollte. Auch wenn man versucht ist, diesen Spruch vollends zu ignorieren, ist die Angst auf den Märkten seit jeher eine treibende Kraft. Nach einem Blick in den Kalender und einer kurzen Analyse ihrer Stimmungslage könnten Anleger zu dem Schluss kommen, diesen Ratschlag zu beherzigen. Doch wir sehen mindestens fünf gute Gründe, dies nicht zu tun:

1. Der Zufall hat seine Finger im Spiel

Bei Betrachtung der Daten des Aktienindexes S&P-500 der letzten 40 Jahre wird deutlich, dass der durchschnittliche Ertrag von Monat zu Monat schwankt. So variierte er zwischen 1,9 Prozent im November und minus 0,4 Prozent im September. Letzterer ist übrigens der einzige Monat, der im Durchschnitt einen negativen Ertrag verzeichnet.

Diese Unterschiede zwischen den monatlichen Durchschnittswerten erscheinen jedoch verschwindend gering, wenn die normalen monatlichen Ertragsschwankungen berücksichtigt werden. Unter rein statistischen Gesichtspunkten bedeutet das, dass die Unterschiede zwischen den monatlichen Erträgen in der Regel nicht über Zufallsschwankungen hinausgehen.

2. Theoretische Basis fehlt

Es gibt keine überzeugende Theorie, die stichhaltige Gründe dafür liefert, weshalb der Markt in den Sommer¬monaten besonders schwach sein sollte. Nicht nur die Bullen verschwinden in den Sommerurlaub, sondern auch die Bären.

3. Wissen zerstört alte Regeln

Selbst wenn die Daten eine statistisch signifikante Regelmäßigkeit aufweisen würden: Eines der grundlegenden Konzepte der Finanzmarkttheorie besagt, dass das Wissen über diese Regelmäßigkeit diese bald untergraben dürfte. Wenn es so eine gute Idee wäre, im Mai zu verkaufen, müssten die Märkte im Mai regelmäßig nachgeben. Würde dies zutreffen, wäre es strategisch weitaus klüger, im April zu verkaufen, bevor im Mai die große Schwächephase beginnt. Und wenn die Anleger diesem Ratschlag massenweise folgen würden, würde die Marktschwäche im April beginnen, nicht im Mai.