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Börsenplatz in Hongkong

Überbewertete Märkte? Alles ist relativ – auch die Aktienbewertungen

Die Aktienbewertungen liegen weltweit deutlich über dem historischen Durchschnitt. Dafür sieht Thomas Romig, Head of Multi Asset Portfoliomanagement bei Assenagon, jedoch gute Gründe. Er verweist vor allem auf die niedrigen Zinsen, die Unternehmensbeteiligungen im Vergleich zu Anleihen interessanter machen.

17.02.2021 - 12:45 Uhr | in News

Die Aktienkurse in zahlreichen Ländern verzeichneten in den vergangenen Wochen immer wieder neue Höchststände. Die absoluten Bewertungen bewegen sich aufgrund der Kursrallye im historischen Vergleich am oberen Ende. „Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), ein beliebter Maßstab zur Beurteilung der Märkte, lag beim deutschen Aktienindex Dax Ende vergangenen Jahres bei 20 und damit deutlich über dem Durchschnitt“, sagt Thomas Romig, Head of Multi Asset Portfoliomanagement beim Vermögensverwalter Assenagon.

Das vom Nobelpreisträger Robert J. Shiller für den US-amerikanischen Markt entwickelte „Shiller-KGV“, das als Grundlage die durchschnittlichen Unternehmensgewinne der vergangenen zehn Jahre verwendet, steht aktuell sogar bei 33. „Nur in den Jahren 1929 und 2000 – also jeweils kurz vor heftigen Kurskorrekturen – lag es höher als heute“, sagt Romig. Das trübt die Freude der Anleger und weckt Ängste vor einer Überbewertung am Aktienmarkt. Doch sind diese Sorgen berechtigt?

Absolute Bewertung vs. relative Bewertung

„Prinzipiell kann eine Beurteilung der Aktienbewertungen absolut, aber auch relativ zu anderen Anlageklassen wie beispielsweise Anleihen erfolgen“, gibt Romig zu bedenken. Die Betrachtung des KGVs zielt dabei auf die absolute Bewertung der Märkte im historischen Kontext ab. Aktuelle Aktienpreise werden ins Verhältnis zu den erwarteten Unternehmensgewinnen gesetzt. Ein im Vergleich überdurchschnittlicher Wert ist dabei gleichbedeutend mit einer erhöhten Aktienbewertung. „Momentan weisen die Märkte sowohl in den entwickelten Staaten als auch in den Schwellenländern KGVs auf, die teils deutlich über dem historischen Durchschnitt liegen“, so Romig (siehe Grafik). Betrachtet man nur die absoluten KGVs, erscheinen Aktien also teuer.

Quelle: Bloomberg. Stand: 31. Dezember 2020

Positiver Konjunkturausblick, niedrige Zinsen

Für die hohen absoluten Bewertungen gibt es Romig zufolge jedoch gute Gründe: „Die Weltwirtschaft befindet sich in der Frühphase eines möglichen Konjunkturaufschwungs.“ Die zügige Erholung der Wirtschaft im dritten Quartal 2020 habe gezeigt, dass die fiskalpolitischen Stützungsmaßnahmen ihren Zweck erfüllen und ein rasches Anspringen der Konjunktur auch nach dem Ende des zweiten Corona-bedingten Lockdowns möglich sein sollte.

Darüber hinaus hätten die Entwicklung von Corona-Impfstoffen, die Wahl Joe Bidens zum US-amerikanischen Präsidenten und das Ende der Brexit-Saga zu einer erheblichen Verringerung der politischen und wirtschaftlichen Risiken beigetragen. Das sollte die Investitionstätigkeit der Unternehmen sowie den Konsum der Haushalte anfachen.

Denn der Nachholbedarf ist groß: „Alleine die US-amerikanischen Haushalte haben – auch aufgrund der hohen staatlichen Transferzahlungen – im vergangenen Jahr zusätzliche Ersparnisse im Umfang von 1,4 Billionen US-Dollar angehäuft“, erläutert Romig. All das dürfte zu einer deutlichen Erholung der Unternehmensgewinne beitragen und die Märkte stützen.