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Bau einer Brücke in Florida

Inflation und Volatilität An den Märkten wird es gefährlicher

Fehlende Komponenten treiben die Produktionskosten in die Höhe. Auch die Inflationserwartungen steigen. Warum Anleger jetzt weniger Risiken eingehen sollten, erklärt Benjamin Melman, globaler Anlagechef bei Edmond de Rothschild Asset Management.

01.06.2021 - 15:00 Uhr | in Märkte

Trotz einiger auftretender Virus-Varianten halten die internationalen Impfkampagnen die Corona-Pandemie zunehmend in Schach. Lediglich die asiatischen Länder bilden eine Ausnahme, da die Impfrate hier deutlich hinterherhinkt. „Die Unternehmensergebnisse des ersten Quartals in Europa und den USA haben die Konsenserwartungen größtenteils und mit deutlichem Abstand übertroffen“, sagt Benjamin Melman, globaler Anlagechef bei Edmond de Rothschild Asset Management. Er ist überzeugt: „Die Wirtschaft erholt sich und die Unternehmen blicken einer starken Nachfrage entgegen.“

Phase steigender Volatilität voraus

„Wir hatte Risikoaktiva im November 2020 übergewichtet, nachdem Pfizer einen Impfstoff gegen Covid-19 angekündigt hatte. Doch im vergangenen Monat haben wir unsere Position verändert, da wir Bedenken haben, dass die Inflationserwartungen zu schnell ansteigen“, sagt Melman. „Wir denken, dass der Markt jetzt in eine neue und wesentlich ungünstigere Phase eintritt, die von steigender Volatilität gekennzeichnet ist.“

Zwar seien die Gewinnerwartungen angesichts des starken Aufschwungs durchaus konservativ. Sie könnten sogar noch weiter angehoben werden, da Analysten die Ergebnisdynamik von Unternehmen nach dem Ende einer Rezession oftmals unterschätzen. Das sollte jedoch nicht über akut bestehende Gefahren hinwegtäuschen. „Wir sollten uns nicht zu sehr darauf verlassen, von den Gewinnen positiv überrascht zu werden. Die Verknappung von Komponenten, vor allem von Mikrochips, könnte in Verbindung mit steigenden Produktionskosten die Margen der Unternehmen beeinträchtigen, bevor sich die Lieferketten wieder normalisieren“, erklärt Melman.

Inflationssorgen nehmen zu

Hinzu kommt: „Nach unserer Überzeugung sind alle Voraussetzungen dafür erfüllt, dass die Inflationssorgen der Marktteilnehmer in den kommenden Wochen zunehmen“, sagt Melman. So sei beispielsweise die 10-jährige Breakeven-Inflation in den USA, die sich in indexierten Anleihen widerspiegelt, auf historische Höchststände von circa 2,65 Prozent gestiegen.

Für diese Entwicklung gibt es folgende Gründe:

  • Wenn sich Volkswirtschaften wieder öffnen und Engpässe auftreten, können ihre Inflationsdaten erratisch, also unbeständig, werden. Dies beweist die Preisentwicklung in den Vereinigten Staaten im April. Auch wenn diese Inflation bei näherer Betrachtung als vorübergehend eingestuft werden kann, sollten inflationsbesorgte Anleger besser nicht zu sehr auf die Details blicken.
  • Die Regierung unter US-Präsident Joe Biden versucht, einen massiven Infrastrukturplan durchzusetzen. Er hebt den fiskalischen Stimulus auf ein noch nie dagewesenes Niveau an.
  • Die Federal Reserve ist keinen Millimeter von ihrer ultra-expansive Politik abgerückt – obwohl die Inflationserwartungen Niveaus erreicht haben, die in den vergangenen 20 Jahren nur selten gemessen wurden. Das jüngste Protokoll des Fed-Ausschusses enthält Informationen über eine Debatte, in der es um den Zeitpunkt der Ankündigung eines Tapering ging. Hierzu lieferte die Notenbank eine Art „Vorankündigung einer Vorankündigung“, indem sie Investoren aufforderte, sich auf eine Ankündigung des Tapering irgendwann in 2022 einzustellen.

Das bedeutet: Je klarer die Debatte über die geldpolitische Straffung der Fed wird, desto eher werden die Inflationserwartungen eine Obergrenze erreichen. „Aber das wäre keine gute Nachricht für Investoren. Liquidität hat seit 2018 eine zentrale Rolle an den Märkten gespielt und die Aussicht auf Tapering ist eine Erinnerung daran, dass eine einzigartige Phase zu Ende geht. Angesichts der aktuell hohen Bewertungen müssen wir unsere Risikobereitschaft zurückfahren“, erläutert Melman.