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Internationaler Frauentag Anlageirrtümer kommen Frauen teuer zu stehen

Die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist zwar heute in vielen Lebensbereichen auf einem guten Weg: Doch gerade rund um das Thema Finanzen gibt es weiterhin großen Nachholbedarf, erklärt Pia Bradtmöller, Leiterin Marketing & PR bei J.P. Morgan AM.

05.03.2021 - 14:00 Uhr | in News

Wenn am 8. März weltweit der Internationale Frauentag gefeiert wird, stehen bereits zum 110. Mal Frauenrechte und die Gleichberechtigung der Geschlechter im Mittelpunkt. Doch an diesem Tag werden nicht nur die Errungenschaften der Frauenrechtsbewegung gewürdigt, sondern auch weiterhin bestehende Ungleichheiten in den Fokus gerückt.

Denn auch wenn die Gleichberechtigung heute in vielen Lebensbereichen auf einem guten Weg ist: Rund um das Thema Finanzen gibt es weiterhin Nachholbedarf. Noch immer verdienen Frauen durchschnittlich 19 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Hinzu kommt, dass das Alterseinkommen von Frauen in Deutschland 46 Prozent unter dem der männlichen Rentner liegt. „Damit haben wir die höchste Geschlechter-Rentenlücke über alle OECD-Länder hinweg. Ein guter Grund, aktiv zu werden“, so Bradtmöller.

Vier Investmentirrtümer

Im Zuge der Pandemie ist die Sparquote der Deutschen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von 2020 auf ein Rekordhoch von 16,3 Prozent geklettert. Zwar stieg laut Bundesbank das Interesse an Aktien und Fonds gerade bei jüngeren Anlegern deutlich. Doch nach wie vor liegen mehr als zwei Billionen Euro in kaum verzinsten Bankeinlagen – Erträge in Milliardenhöhe gehen verloren.

Gerade den bei Frauen beliebten „sicheren Hafen“ wie Sparbuch und Tagesgeld sollte der Rücken gekehrt werden. Denn: „Die massiven Rettungspakete, die Staaten weltweit im Zuge der Corona-Krise aufgelegt haben, dürften dazu führen, dass die Zinsen noch auf Jahre tief bleiben“, erklärt Bradtmöller. Das führt langfristig zu einer schleichenden Enteignung, wenn die Zinsen niedriger als die Inflation sind.

Tatsächlich ist die Geldanlage kein Buch mit sieben Siegeln. Wer sich mit dem Thema Geldanlage auseinandersetzt, kann einige hartnäckige Irrtümer in Bezug auf die Geldanlage aus dem Weg räumen – das ist umso wichtiger, da diese Irrtümer Frauen im Laufe eines Lebens ein Vermögen kosten können.

Irrtum 1: Frauen interessieren sich nicht für Geldanlage

In einer paneuropäischen Studie zum Spar- und Anlageverhalten von Frauen, die J.P. Morgan Asset Management unter mehr als 3.000 Frauen in acht Ländern durchgeführt hat, zeigte sich deutlich, dass mehr als 50 Prozent der befragten Frauen bereits investieren oder es zumindest in Betracht ziehen. „Zwar nutzen aktuell weniger als 30 Prozent der deutschen Frauen die Chancen des Kapitalmarktes, aber es ist falsch zu sagen, dass sie sich grundsätzlich nicht für die Geldanlage interessieren“, erläutert Pia Bradtmöller.

Irrtum 2: Anlegen ist nur etwas für Reiche

Etwa 30 Prozent der deutschen Frauen geben an, dass sie nicht in Wertpapieren anlegen, weil sie keine großen Beträge zur Verfügung haben. Sie glauben also, sie müssten bereits ein Vermögen besitzen, um am Kapitalmarkt zu investieren. Zudem würden 32 Prozent der befragten europäischen Frauen erst dann investieren, wenn sie genug Geld als „eiserne Reserve“ zur Verfügung haben.

„Es ist sinnvoll und wichtig, Rücklagen gebildet zu haben, bevor man anfängt, sein Erspartes am Kapitalmarkt anzulegen“, bestätigt Bradtmöller. Doch sie führt auch weiter aus, dass ein solcher „Notgroschen“ die Lebenshaltungskosten für drei bis sechs Monate abdecken sollte – aber auch nicht mehr. Das heißt, sobald diese Summe angespart ist, gibt es keinen Hinderungsgrund mehr, das Thema Wertpapiere anzugehen.

Irrtum 3: Ich habe den richtigen Zeitpunkt verpasst

Ein häufiger Irrtum bei der Geldanlage ist zu glauben, der Anlagehorizont sei nicht mehr groß genug für ein Investment. Knapp 10 Prozent der befragten Frauen in Deutschland glauben, dass sie zu alt sind, um zu investieren.

„Die Erfahrung zeigt, dass es kein falsches Alter gibt, um mit dem Anlegen anzufangen“, betont die Expertin. „Wer jung ist, profitiert langfristig von einem starken Zinseszinseffekt – das sollte für jeden ein guter Grund sein, so schnell wie möglich anzufangen, auch wenn es zunächst nur kleine Beträgen sind. Und wer bereits älter ist, hat dafür vielleicht etwas mehr Geld zur Verfügung.“

In der europäischen Umfrage zum Thema Frauen und Geldanlage gaben 35 Prozent der befragten Frauen an, erst zwischen 30 und 40 Jahren mit dem Anlegen begonnen zu haben. Und auch später lohnt es sich noch – denn die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau heute 80 Jahre alt wird, liegt bei 76 Prozent. „Das bedeutet, dass selbst Frauen, die 60 Jahre oder älter sind, noch einen langfristigen Anlagehorizont von deutlich mehr als zehn Jahren haben. Die beste Zeit zum Geld anlegen ist deshalb „genau jetzt“, meint Bradtmöllers.

Irrtum 4: Anlegen ist kompliziert

Mangelndes Wissen in Bezug auf Geldanlage und Kapitalmärkte hält Frauen wie Männer gleichermaßen davon ab, ihr Geld anzulegen. Sowohl 37 Prozent der Frauen als auch der Männer sagen, sie würden beginnen zu investieren, wenn sie das Thema Geldanlage besser verstehen würden.

„Leider wird die Komplexität der Geldanlage häufig überschätzt. Natürlich ist die Strukturierung eines großen Vermögens nicht trivial – dafür sollte eine professionelle Finanzberatung in Anspruch genommen werden. Aber der erste Schritt an die Börse ist einfacher als gedacht: Mit einem Fondssparplan lassen sich ganz bequem regelmäßig auch kleine Beträge anlegen und so erste Erfahrungen mit Wertpapieren sammeln“,  so Bradtmöller.
 

So einfach ist Anlegen – mit dem Fondssparplan

Der einfachste Weg an die Börse scheint vielen Personen allerdings noch unbekannt zu sein, denn nur knapp über 4 Prozent der befragten deutschen Frauen und Männer nutzen bisher einen solchen Sparplan zum regelmäßigen Vermögensaufbau.

Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Monatlich wird automatisch eine gleichbleibende Summe angelegt. Doch statt sie auf dem Sparbuch quasi unverzinst liegen zu lassen, werden davon Anteile eines Fonds gekauft, der beispielsweise breit gestreut in unterschiedliche Anlageklassen investiert und damit das Risiko verringert. Bei vielen Banken und Sparkassen geht das bereits ab 25 Euro monatlich.

„Ein logischer erster Schritt zum Investieren wäre also, einen Fondssparplan einzurichten, sobald die Rücklagen zusammengespart sind“, erklärt Bradtmöller. Das Prinzip des Sparplans scheint, wenn explizit darauf angesprochen, für viele Personen durchaus überzeugend zu sein: Etwa 23 Prozent geben an, dass sie sich vorstellen könnten, in Wertpapiere anzulegen, wenn es die Möglichkeit gäbe, regelmäßig einen nicht zu hohen Betrag zu investieren.

„Viele der Anlegerirrtümer lassen sich sehr schnell aufklären. Und mit einem Sparplan gibt es sogar die gewünschte einfache Lösung, um den ersten Schritt an die Börse zu wagen und die eigene  finanzielle Zukunft zu gestalten“, so Bradtmöllers Fazit.