Höhere Ausschüttungen erwartet Anleger dürfen auf steigende Dividenden hoffen

Dividenden können einen wesentlichen Beitrag zum Anlageerfolg leisten. 2020 haben viele europäische Unternehmen ihre Ausschüttungen an die Aktionäre gekürzt oder sogar gestrichen. Für dieses Jahr rechnet Allianz Global Investors mit einer Erholung – aber nicht auf Vorkrisenniveau.

29.01.2021, aktualisiert 05.02.2021 - 16:2405.02.21 - 16:24
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Arbeiter erklimmen einen Strommast
Arbeiter erklimmen einen Strommast: Versorgungsunternehmen konnten ihre Dividende trotz Corona-Krise steigern – insgesamt fielen die Ausschüttungen in Europa 2020 aber geringer aus als im Vorjahr© IMAGO / blickwinkel

Nach einem deutlichen Rückgang im vergangenen Jahr dürften die Dividendenzahlungen in Europa 2021 wieder steigen. Allianz Global Investors (AllianzGI) prognostiziert, dass die Unternehmen im breiten MSCI Europe dieses Jahr 330 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten werden. 2020 waren es 290 Milliarden Euro – und damit rund 20 Prozent weniger als im Vorjahr (360 Milliarden Euro).

Zwar stammen die Ausschüttungen typischerweise aus den Gewinnen des Vorjahres, aus Vorsichtsgründen kürzten 2020 jedoch viele Unternehmen ihre Dividende oder setzten sie ganz aus, schreibt AllianzGI in seiner Dividendenstudie 2021. Teilweise durften Firmen auch keine Ausschüttungen tätigen, da sie Hilfsgelder wegen der Corona-Krise erhalten hatten. Insgesamt leisteten nur knapp drei von vier europäischen Firmen Dividendenzahlungen – in den Vorjahren waren es noch mehr als 90 Prozent.

Deutliche Unterschiede zwischen den Branchen

„Ähnlich wie beim Konjunkturbild erwarten wir auch für die Dividendenausschüttungen 2021 keine V-förmige Entwicklung, sondern nur eine teilweise Erholung vom vorhergehenden Fall“, erläutert Jörg de Vries-Hippen, CIO Equity Europe bei Allianz Global Investors. „Das Niveau von vor der Corona-Krise dürfte frühestens 2022 wieder erreicht werden.“

Dabei gebe es laut de Vries-Hippen deutliche Unterschiede zwischen den Branchen: „Der Gesundheitssektor und Versorger konnten zum Beispiel während der Krise ihre Ausschüttungen steigern und dürften diesen Kurs fortsetzen. Andere Branchen hingegen waren 2020 stärker gebeutelt. Zyklische Konsum- und Industriegüterunternehmen etwa dürften ihre Dividendenzahlungen nur im Gefolge einer allgemeinen Konjunkturerholung anheben können, und Sektoren wie Energie oder Finanzdienstleister werden wohl noch länger hinter den vorherigen Hochs zurückbleiben.“

Trotz des Einbruchs trugen Dividenden in Europa auch 2020 substanziell zur Rendite von Aktien bei, so AllianzGI. Infolge der Verringerung der Ausschüttungen sei die Dividendenrendite in Europa zwar im Vergleich zum Vorjahr um etwa einen Prozentpunkt auf rund 2,75 Prozent im zweiten Halbjahr gesunken. Dies liege aber immer noch deutlich über den Nominalrenditen vieler Rentenmarktpapiere. 10-jährige Bundesanleihen zum Beispiel wiesen übers gesamte vergangene Jahr eine leicht negative Rendite aus.

Noch klarer zeigt sich die Bedeutung von Dividenden in der Langfristbetrachtung. Dr. Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse und Autor der Allianz Global Investors Dividendenstudie 2021, sagt: „Dividenden verleihen vielen Portfolien Stabilität, vor allem in Jahren mit negativer Kursentwicklung, da sie dann Kursverluste ganz oder teilweise kompensieren können.

Hinzu kommt, dass aufgrund der Dividendenpolitik vieler Unternehmen die Ausschüttungen weniger stark schwanken als die Konzerngewinne, was den gesamten Aktienertrag ebenfalls verstetigt.“ In Europa ist die Dividendenkultur im Vergleich zu den USA und Asien besonders stark ausgeprägt. Im Zeitraum 1975 bis Ende 2020 waren hier ungefähr 35 Prozent der gesamten Aktienerträge auf Dividenden zurückzuführen. „Für Anleger bleiben Dividenden daher von zentraler Bedeutung“, so Naumers Fazit.

Mit Dividendenfonds können Anleger gezielt in eine ganze Reihe von Unternehmen investieren, die sich durch vergleichsweise hohe und stabile Ausschüttungen auszeichnen. Es gibt sie sowohl mit weltweitem Fokus als auch mit Schwerpunkt auf einzelne Regionen.