Niedrigzins Auf Anleihemärkten lauern Gefahren

Die Niedrigzinsen wirken sich auf alle Anlageklassen aus – und bringen Anleger in gefährliche Situationen. Das gilt besonders für die Anleihemärkte.

08.11.2016 - 14:4208.11.16 - 18:52
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Der Appetit der Anleger auf Anleihen ist ungebrochen und die letzten Emissionen zeichnen sich durch beeindruckende Volumen aus. So gab der Lebensmittelkonzern Danone vor einigen Tagen Anleihen im Wert von sechs Milliarden Euro mit Laufzeiten von zwei bis zwölf Jahren aus. Das ist ein komfortabler Puffer, der den Finanzdirektor des Lebensmittelkonzerns in aller Ruhe schlafen lässt: Den Käufern seiner Anleihen zahlt er vier Jahre lang Zinsen von 0,17 Prozent und 1,20 Prozent für die nächsten zwölf Jahre. Das ist ordentlich.

Staaten stehen dem in nichts nach: Österreich nutzt die für Kreditnehmer günstige Niedrigzinsphase und gibt Anleihen mit einer Laufzeit von 70 Jahren und einem Zinssatz von 1,55 Prozent aus. Diese Suche nach Rendite verbunden mit geringem Risiko ist inzwischen zur Routine geworden. Doch Experten schlagen Alarm: Sie identifizieren Risiken für Anleger.

Vergessen wir nicht, dass Negativ- oder Nullzinsen anormal sind und immer gefährlichere Verhaltensweisen herbeiführen, je mehr wir uns daran gewöhnen. Dahinter steckt nämlich ein bedrohlicher Mechanismus: Mögliche Auslöser von Börsenblasen werden einfach verdrängt. Ganz nach dem Motto: „Ich weiß, dass der Preis dieser Anlage absurd ist, aber das wird so weitergehen, deswegen mache ich mit.“ Das ist eine Haltung, die an die besten Zeiten der Internet-Blase erinnert, nur ohne die Begeisterung des Börsenrauschs.

Notenbanken rudern zurück

Diese Extremsituation bei Anleihen unterscheidet sich vor allem dadurch, dass es sich hierbei um eine von den Zentralbanken gesteuerte Aktion handelt. Aber können derartige Exzesse wirklich gesteuert werden? Eines ist jedenfalls sicher: Die Notenbanken haben beschlossen, die Beteiligten durch Parolen mit wohl gewählten Worten und bewusstem Timing an eine neue Realität heranzuführen. So ließ die Europäische Zentralbank vor kurzem das Wort „Tapering“ durchsickern. Damit ist die Verringerung der Geldspritzen und Wertpapierankäufe durch die Zentralbanken gemeint. Im Klartext: Zweifellos ist man mit der Geldpolitik über das Ziel hinausgeschossen und es ist Zeit, wieder zu vernünftigeren Zinsniveaus zurückzukehren.

Die Konsequenzen einer Zinserhöhung haben für das Anleihen-Management maßgebliche Bedeutung. Wir haben die Duration in unseren Portfolios stark reduziert. Aber Achtung: Konsequenzen werden sich auch für die anderen Anlageklassen ergeben, denn die meisten werden anhand von Abzinsungsmodellen bewertet, die extrem empfindlich auf Schwankungen an den Anleihenmärkten reagieren.

Die jüngste brutale Entkoppelung des Growth-Stils (der durch eine Zinsanhebung negativ beeinflusst wird) im Verhältnis zum Value-Stil (der hierauf weniger sensibel reagiert oder – im Falle von Banken und Versicherungen – sogar positiv beeinflusst wird) ist eine gute Veranschaulichung dieser Rotation, die mit einer Anpassung der Erwartungen im Zusammenhang steht. Die von den Börsen übersetzte Botschaft der Zentralbanken ist ein Signal, auf das wir hören sollten.