Anleihe-Experte Markus Peters (AB) über Zentralbank-Kurse und rettende Polster „Draghis Kaufprogramm? – Schlecht für viele Anleger!“

Können Anleger heute mit Anleihen überhaupt noch gutes Geld verdienen? Und welche Rolle spielt die Europäische Zentralbank dabei? Markus Peters, Senior Portfoliomanager Fixed Income Investments bei AB, liefert im Gespräch mit multiasset.com Antworten – und enthüllt ein Erfolgsgeheimnis.

12.05.2016 - 16:0513.05.16 - 09:32
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Markus Peters, Senior Portfoliomanager Fixed Income Investments bei AB
Markus Peters, Senior Portfoliomanager Fixed Income Investments bei AB© AB

Herr Peters, Sie analysieren täglich Anleihekurse. Geben Sie unseren Lesern doch einen guten Rat: Wo sollten sie im Moment investieren?

Markus Peters: Die richtige Mischung ist entscheidend. Mit Hochzinsanleihen gehen Anleger ein höheres Risiko als mit AAA- oder BBB-Anleihen ein. Dafür werden sie mit einer höheren Rendite belohnt. Rentenpapiere mit guter Bonität verringern wiederum das Ausfallrisiko im Portfolio. Daher bietet es sich an, eine Mischung aus beiden Bereichen des Anleihemarktes zu finden. Kombiniert man Hochzinspapiere mit besseren Bonitäten, so sind die laufenden Renditen dann ungefähr 150 bis 180 Basispunkte höher als in Portfolios, die nur mit bonitätsstarken Werten bestückt sind.

Diesen Tipp nehmen sich doch bestimmt viele Anleger zu Herzen...

Peters: Nein, das ist leider nicht der Fall. Vor allem Anleger, die ihr Geld in defensive oder balancierte Multi-Asset-Fonds stecken, erleben oft böse Überraschungen. Wer glaubt, mit einem Mischfonds, der zu 30 Prozent mit Aktien und zu 60 Prozent mit Hochzinsanleihen, Wandelanleihen und Emerging-Market-Rentenpapieren bestückt ist, konservativ zu investieren, irrt sich gewaltig. Diese Assets korrelieren stark. Das heißt: Wenn die Aktienkurse abstürzen, fallen auch Hochzinsanleihen, Wandelanleihen und Schwellenmarkt-Papiere.

Also sollten unbedingt Staatsanleihen aus Industrieländern ins Portfolio?

Peters: Daran führt kein Weg vorbei.

Auf welche Titel setzen Sie im Moment?

Peters: Wir kaufen britische, australische und US-amerikanische Staatsanleihen, die neben einer hohen Bonität auch vergleichsweise hohe Renditen gegenüber Bundesanleihen bieten. Dadurch besitzen sie eine gute Qualität, von der Nachfrage nach sicheren Häfen in unsicheren Zeiten zu profitieren. Damit sind wir gut gepolstert.

Deutsche Staatsanleihen spielen in AB-Anleihefonds keine Rolle?

Peters: Derzeit liegt der Fokus woanders. Deutsche Staatsanleihen mit einem Zinssatz von 0,3 Prozent können vielleicht noch auf 0,15 Prozent fallen, wenn die Aktienkurse um zehn Prozent abstürzen. Das heißt, das Preisaufwertungspotenzial ist begrenzt und dadurch schaffen sie kein Gegengewicht im Portfolio. US-amerikanische Rentenpapiere, die von vornherein mit 1,9 Prozent verzinst sind, fallen im Bärenmarkt vielleicht auf ein Prozent. Der damit verbundene Preisanstieg gibt uns in schlechten Marktphasen eine gute Abfederung.