Anleihe-Knappheit Draghi prüft QE-Programm

Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, will angesichts der Anleihe-Knappheit an den Märkten die Wirksamkeit seines quantitativen Lockerungsprogramms prüfen.

09.09.2016 - 10:5009.09.16 - 16:31
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Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), will zeitnah prüfen, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit der EZB bei ihrem Programm der quantitativen Lockerung nicht die Anleihen für Käufe ausgehen. Die Notwendigkeit neuer Stimuli spielt Draghi jedoch herunter.

„Die Veränderungen an den Märkten rechtfertigen kein weiteres Handeln“, sagt der EZB-Präsident. “Wir müssen nur sicherstellen, dass das Programm und die im März getroffenen Entscheidungen angesichts der neuen Konstellation der Marktzinsen umgesetzt werden können.“ Der Rat habe die zuständigen Ausschüsse mit der Prüfung von Optionen beauftragt, um eine reibungslose Umsetzung des Kaufprogramms zu gewährleisten.

Die EZB verfehlt seit mehr als drei Jahren ihr Ziel, die Inflationsrate im Euroraum bei knapp zwei Prozent zu halten. Im August lag die Inflation nur bei 0,2 Prozent.

Draghi senkt Wachstumsausblick für 2017 und 2018

Die Notenbank bestätigte ihren Inflationsausblick für 2018 mit 1,6 Prozent, senkte aber den Ausblick für 2017 leicht von 1,3 Prozent auf 1,2 Prozent. Außerdem hat sie ihre Prognosen für das Euroraum-Wachstum für 2017 und 2018 von 1,7 Prozent auf 1,6 Prozent gesenkt. Die Schätzung für das laufende Jahr hat sie von 1,6 Prozent auf 1,7 Prozent angehoben.

„Wir erwarten weiterhin, dass das reale Bruttoinlandsprodukt moderat, aber stabil wachsen wird. Die Konjunkturerholung im Euroraum dürfte durch die verhaltene Auslandsnachfrage gedämpft werden, was teilweise auf die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem britischen Referendum über den Austritt aus der EU zurückzuführen ist.”

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank

Draghi verfolgt angesichts des verhaltenen Wachstums im Euroraum seit Längerem eine Niedrigzinspolitik. Bei seiner September-Sitzung in Frankfurt hat er den Hauptrefinanzierungssatz bei Null, den Einlagensatz bei minus 0,4 Prozent und die Aktiva-Käufe bei etwa 80 Milliarden Euro monatlich bis März 2017 belassen.