Renditeanstieg bei Bundesanleihen Anleiherenditen kurzzeitig gestiegen – Zinsen auf Sparguthaben aber nicht in Sicht

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist Mitte vergangener Woche kurz in den positiven Bereich gerutscht. Das gab es seit Jahren nicht mehr. Die von uns befragten Asset Manager nehmen allerdings jede Hoffnung, dass ein großes Zins-Comeback naht.

27.01.2022 - 09:3027.01.22 - 09:39
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20 Jahre Euro
20 Jahre Euro: Bis es auf Sparguthaben wieder Zinsen gibt, dürften noch ein paar Jahre vergehen – auch wenn Bundesanleihen zuletzt mal wieder kurz positiv rentierten © Imago Images / Hannes P. Albert

Erstmal seit Mai 2019: Am 19. Januar 2022 lagen die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen kurzzeitig wieder im positiven Bereich. Die Freude währte aber nur kurz: „In den folgenden Tagen sind sie aufgrund der Schwäche der Aktienmärkte wieder ins Negative gerutscht“, sagt Guido Barthels, Portfolio Manager bei TBF Global Asset Management.

„Renditen am Zinsmarkt sind Ausdruck der Erwartungen der Anleger bezüglich des Wirtschaftswachstums und der Inflation“, erklärt Marian Henn, Partner bei Allington Investors. Während sich das Wirtschaftswachstum eher schlechter als erwartet entwickelt hat, „kam es bei den Güterpreisen wegen gestörter Lieferketten in den vergangenen sechs Monaten zum stärksten Anstieg der letzten 30 Jahre“. Aus Henns Sicht sind die gestiegenen Renditen daher ein Ausdruck der Angst der Marktteilnehmer vor der Inflation. Die gute Nachricht dabei: „Wir haben damit noch keine typische Inflation, die aufgrund einer heiß laufenden Konjunktur und einer daraus folgenden Lohn-Preis-Spirale entstanden ist“. Ob es noch dazu kommt, bleibe abzuwarten.

Sebastian Gebhardt, Vermögensverwalter der I.C.M. Independent Capital Management Mannheim, ist der Meinung, dass die steigende Inflation und das Umsteuern der Notenbanken für die kurzfristig positiven Renditen bei den länger laufenden Bundesanleihen gesorgt haben: „Die Bank of England und die Norges Bank haben ihren Zinserhöhungszyklus bereits Ende des Jahres 2021 eingeleitet und die Federal Reserve könnte ihren im März 2022 starten.“

Bis es wieder Sparzinsen gibt könnten Jahre vergehen

Bei den positiven Renditen liegt die Betonung allerdings auf kurzfristig. Die Zinsen auf Sparguthaben werden sich dadurch wohl auf absehbare Zeit nicht ändern, „solange die EZB den Einlagezins für Banken bei -0,5 Prozent hält“, wie Barthels sagt. Er rechnet erst zur Jahresmitte mit Reaktionen der Zentralbank, die eventuell zum Ende des laufenden Jahres zu einer Zinserhöhung auf 0 Prozent führen könnten. Das allein würde aber nicht ausreichen, um für positive Sparzinsen zu sorgen. „Bis dahin werden sicher eher Jahre vergehen, auch wenn wir eventuell bereits die Zinswende gesehen haben.“

Auch Henn sieht weiterhin keine Anzeichen für Zinsen auf Sparguthaben. „Im Gegensatz zu dem deutlichen Renditeanstieg im Bereich der 10-jährigen Bundesanleihen liegen die kurzfristigen Renditen weiter solide mit -0,66 Prozent im negativen Bereich“. Das wird aus seiner Sicht „so lange der Fall sein, bis die EZB über erste Zinserhöhungen auf deutlich über 0 Prozent nachdenkt“.

Gebhardt ergänzt: „Selbst wenn die EZB die Zinsen anheben sollte, werden die Geldhäuser die Zinserhöhung erfahrungsgemäß erst zeitlich verzögert an die Kunden weitergeben.“

EZB könnte zur mehr Zinsschritten gezwungen sein

Barthels hat zumindest noch eine gute Nachricht im Gepäck. Er geht davon aus, dass „wir den Tiefpunkt bei Renditen und Zinsen hinter uns gelassen haben“. Gleichzeitig befürchtet er, dass „die momentanen Inflationsraten hartnäckiger auf hohem Niveau verbleiben könnten, als die EZB in ihren Mitteilungen suggeriert“. Die Zentralbank könnte also deutlich mehr Zinsschritte gehen müssen als aktuell erwartet.

Gebhardt geht außerdem davon aus, „dass die EZB wegen der sehr hohen Staatsschulden weiter an der Nullzinspolitik festhalten wird“. Zwar lasse sie das Corona-Notkaufprogramm für Anleihen im März 2022 auslaufen. Dafür stockt sie im zweiten Quartal 2022 ihre Anleihenkäufe im Asset Purchase Programm von derzeit monatlich 20 Milliarden Euro auf 40 Milliarden Euro auf. „Solange die Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt, werden Staaten und Unternehmen weiterhin keine hohen Zinsen zahlen müssen.“

Anleihen scheinen im aktuellen Zinsumfeld uninteressant

„Anleger sollten in der aktuellen Situation keinesfalls in festverzinsliche Wertpapiere investieren und bestehende Positionen im Hinblick auf ein Szenario mit Inflation und steigenden Zinsen überdenken“, sagt Henn. „Schrittfehler der Notenbanken gepaart mit nervösen Märkten, die sich an das neue Umfeld anpassen müssen, können zu empfindlichen Kursverlusten führen“.

„Anleger müssen generell starke Nerven haben, weil die Volatilität in allen Anlageklassen steigen dürfte“, sagt Gebhardt. „Phasen mit erhöhter Unsicherheit werden uns das ganze Jahr über begleiten, so dass sich auch immer wieder neue Chancen in den Anlageklassen zeigen werden.“ Bei den aktuell hohen Inflationszahlen und dem Ausblick weiterhin keine Zinsen auf Sparguthaben zu bekommen, ist es „selbstverständlich nicht ratsam, Geld dort langfristig anzulegen“.