Anziehende Inflation Deutsche Marktbeobachter fordern Ende der Nullzins-Ära

Angesichts des sich abzeichnenden Inflationsschubes fordern deutsche Marktbeobachter Mario Draghi immer vehementer dazu auf, seiner ultralockeren Geldpolitik ein Ende zu setzen. Dabei sollten sie nicht vergessen, wie gut es ihnen eigentlich geht.

09.01.2017 - 16:3209.01.17 - 17:40
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Seit in der ersten Kalenderwoche 2017 ein Anziehen der Inflation in Europas größter Volkswirtschaft bekannt wurde, mehren sich die Kommentare, EZB-Präsident Mario Draghi möge seine ultralockere Geldpolitik beenden. Von Behauptungen, die Sparer werden enteignet bis hin zur Forderung der Bild-Zeitung „Rauf mit den Zinsen“ war alles dabei. Draghi bekommt den Zorn der verärgerten Deutschen zu spüren, weil der Hüter der Preisstabilität sie allem Anschein nach im Stich lasse.

„Die Debatte wird lauter, gerade in Deutschland, wo die Menschen gelernt haben die Inflation zu fürchten“, meint Stefan Kipar, Ökonom bei der BayernLB. „Man darf dabei aber nicht vergessen, dass die EZB ihre Geldpolitik für die gesamte Eurozone auslegt und das selbst in Deutschland der zugrunde liegende Preisdruck moderat bleibt und die Inflation im kommenden Jahr unter zwei Prozent bleiben sollte.“

Deutsche Wirtschaft kommt in Fahrt

Während die Deutschen noch ins neue Jahr starten, werden sie auf der Grundlage jüngst gemeldeter Zahlen daran erinnert, wie stark die deutsche Wirtschaft sich momentan darstellt, nicht zuletzt durch die EZB-Geldpolitik: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland fiel vergangenen Dezember stärker als erwartet, mit einer Arbeitslosenquote am Tief bei 6 Prozent. Der Rekord-Anstieg bei der Inflation von 0,7 Prozent auf 1,7 Prozent deutet ebenfalls auf eine boomende Konjunktur hin. Denn während hauptsächlich steigende Energiekosten die Inflation trieben, verteuerten sich auch Lebensmittel und Konsumgüter.

Zu den vielen überraschend solide ausgefallenen Indikatoren kamen Anfang Januar Daten zu den Auftragseingängen in Deutschlands Industriesektor hinzu: Sie signalisieren eine rege Nachfrage nach Gütern der Industrieproduktion. Die Zahlen aus der boomenden Industrie im Verbund mit den anderen überragenden Konjunkturdaten lockten Clemens Fuest, Präsident des Münchener Ifo-Instituts, umgehend aus der Reserve: Noch in der ersten Stunde nach Veröffentlichung der frischen Industriedaten forderte Fuest die EZB auf, im März das Bond-Ankaufprogramm nicht zu verlängern. Der EZB-Rat hatte vergangenen Dezember beschlossen, das Programm noch bis mindestens Ende 2017 fortzuführen.