area2invest-Gründer im Interview „Das Marktpotenzial liegt bei 30 Billionen US-Dollar“

Plattformen für Security Token Offerings, kurz STOs, drängen auf den Markt. area2invest ist ein Marktplatz, der sowohl traditionelle Wertpapier- als auch Security-Token-Emissionen anbietet. Im Interview erläutert Gründer und CEO Max J. Heinzle, warum STOs die Zukunft gehört und was diese Entwicklung für Anleger und Emittenten bedeutet.

06.12.2019, aktualisiert 20.05.2020 - 11:0620.05.20 - 11:06
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Eingangsbereich eines Finanztechnologie-Standorts
Eingangsbereich eines Finanztechnologie-Standorts: Das Potenzial der Tokenisierung ist bei Vermögenswerten besonders groß, die bisher nicht auf dem Kapitalmarkt erhältlich beziehungsweise handelbar waren© Getty Images

der fonds: Herr Heinzle, das Liechtensteiner Fintech 21.finance AG entwickelt als Betreiberin der Plattform area2invest (www.area2invest.com) einen Marktplatz für wertpapierbasierte und tokenisierte Finanzprodukte. Was ist unter tokenisierten Kapitalanlagen zu verstehen?

Max J. Heinzle: Im Kern sind Security Tokens digitale, auf einer Blockchain gespeicherte Vermögenswerte mit Investmentfokus, die den Regularien der jeweiligen Finanzmarktgesetze entsprechen und einer Aufsicht unterstehen. Der Vorteil ist, dass durch die zugrunde liegenden intelligenten Verträge, sogenannte Smart Contracts, eine Desintermediation und Automatisierung der Prozesse ermöglicht wird – ergo die Transaktionskosten sinken. Tokenisiert werden können einerseits traditionelle Finanzprodukte wie beispielsweise Anleihen oder Fonds. Andererseits ist das Potenzial der Tokenisierung gerade bei Vermögenswerten besonders groß, die bisher nicht auf dem Kapitalmarkt erhältlich beziehungsweise handelbar waren. Wir sprechen hier von einem Marktpotenzial von rund 30 Billionen US-Dollar.

Anleger und Emittenten müssen zunächst einmal Vertrauen in die neue Technologie gewinnen. Wie kommt der Marktplatz für tokenisierte Finanzprodukte voran?

Heinzle: Momentan befinden wir uns in einem Private Launch, in dem wir wertpapierbasierte Finanzprodukte für Kunden der Liechtensteiner Bank Frick anbieten. Der Hintergrund: Im September hat die 21.finance AG im Zuge einer Kapitalerhöhung Bank Frick als neue strategische Partnerin gewonnen. Wir stehen seit Mitte des Jahres als gebundener Vermittler unter dem Haftungsdach unserer Partnerin. Aktuell befinden wir uns außerdem im Zulassungsverfahren für eine Vermögensverwaltungslizenz. Angebotsseitig bauen wir derzeit eine Transaktionspipeline für tokenisierte Emissionen auf, die wir für das Jahr 2020 vorgesehen haben. Das Interesse an tokenisierten Finanzprodukten ist sehr groß. Noch steckt der Markt in den Anfängen, auch wenn das Potenzial enorm ist und die Mehrwerte der Blockchain-Technologie klar auf der Hand liegen.

Wie kam der Kontakt zur Bank Frick zustande?

Heinzle: Bank Frick ist eine Pionierin im Bereich von Blockchain-Banking-Services. Als letztes Jahr in Liechtenstein das sogenannte Blockchain-Gesetz (Token and TT Service Provider Act – TVTG) zur Vorlage gebracht wurde, habe ich Edi Wögerer, den CEO der Bank Frick um einen Termin gebeten und ihn von der Idee überzeugt, die Anlageangebote der Bank mit Hilfe der Blockchain-Technologie auf area2invest grenzüberschreitend verschiedenen Anlegergruppen zugänglich zu machen. Das erste Blockchain-Gesetz der Welt wird zum 1. Januar 2020 in Kraft treten und das Fürstentum als Anlaufstelle für das Geschäft mit Tokens etablieren.

Wie bilden Sie digitale Finanzprodukte auf der Blockchain ab?

Heinzle: Einfach gesagt ist es so, dass mit der Tokenisierung Rechte an Vermögenswerten gebündelt und in einem Token abgebildet werden. Dazu erstellen wir auf ausgewählten Blockchains Smart Contracts. Wir schaffen damit einen völlig neuen Zugang für kapitalsuchende Unternehmen wie Start-ups, kleine und mittelständische Unternehmen, Asset- und Fondsmanager.

Die Blockchain macht es möglich, dass verschiedene Assetklassen tokenisiert und die dahinterliegenden Prozesse, die bislang von Banken und anderen Finanzmarktteilnehmern übernommen werden, digitalisiert und automatisiert werden können, etwa die Übernahme der Zahlstellenfunktion, Kapitalrückzahlungen oder auch die Stimmrechtsausübung.