Vorsicht vor Impact Washing Auf die Wirkung kommt es an

Blau, grün, sozial: Impact Bonds liegen im Trend. Nicht immer können sie jedoch ihr Versprechen halten, warnt Joshua Kendall, Head of Responsible Investment Research and Stewardship bei Insight Investment.

29.09.2021 - 15:1029.09.21 - 15:14
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Spitzmaulnashörner in Tansania
Spitzmaulnashörner in Tansania: Zum Schutz der Tiere hat die Weltbank 2021 Rhino-Anleihen im Volumen von 45 Millionen US-Dollar aufgelegt© IMAGO / imagebroker

Impact Investing ist keine Nischenlösung, sondern eine Möglichkeit für Anleger, mit Investments positive Auswirkungen auf Umwelt oder Gesellschaft zu erreichen. Dieser Ansatz erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Während 2015 rund 50 Milliarden US-Dollar an Impact Bonds ausgegeben wurden, stieg das jährliche Emissionsvolumen bis 2020 auf mehr als 500 Milliarden US-Dollar. Und das Volumen im ersten Halbjahr 2021 hat das gesamte Jahr 2020 übertroffen. Sowohl Push- als auch Pull-Faktoren haben hierbei eine Rolle gespielt:

  • Einstellungen ändern sich: In dem Maße, wie sich die Gesellschaft verändert, um den Werten und Prioritäten der jungen Generation gerecht zu werden, suchen auch die Anleger nach Unternehmen, die ökologische und gesellschaftliche Entwicklungen berücksichtigen.
  • Unternehmen zeigen Engagement: Immer mehr Unternehmen erkennen die Bedeutung, lokale Organisationen und die Umwelt zu unterstützen. Firmen, multinationale Konzerne und Staaten können mit Impact Bonds ihr Engagement beispielsweise für das Pariser Abkommen und die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung demonstrieren.
  • Regulatorischer Druck steigt: In einigen Sektoren, zum Beispiel bei den Energieversorgungsunternehmen, bedroht die Regulierung die aktuellen Geschäftsmodelle. Ohne Veränderungen könnten einige Unternehmen, vor einer ungewissen Zukunft stehen.
  • Einfache Emission möglich: Es ist inzwischen unkompliziert, eine Impact-Anleihe zu begeben. Es gibt mehr Beratungsmöglichkeiten, zum Beispiel von der International Capital Market Association. Und die Nachfrage steigt weiter.

Bislang haben grüne Anleihen, die Projekte für eine emissionsfreie Wirtschaft finanzieren oder die Anpassung an den Klimawandel verbessern, den Markt für Impact Bonds dominiert. 2007 begab die Europäische Investitionsbank ihre erstes impact-orientiertes Papier. Seit fünf Jahren holen nachhaltige Anleihen und Social Bonds, mit denen soziale Projekte finanziert werden, zügig auf. Sustainable Bonds finanzieren eine Kombination aus grünen und sozialen Projekten.

Zu den kleineren Märkten gehören blaue Anleihen, die sich auf Meeres- und Ozeanprojekte konzentrieren, Anleihen, die sich für die Gleichstellung der Geschlechter einsetzen, sowie Transition Bonds, die Unternehmen beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft unterstützen. Ebenso gibt es einige Exoten: So hat die Weltbank 2021 Rhino-Anleihen mit einem Emissionsvolumen von 45 Millionen US-Dollar aufgelegt, bei denen die Rendite der Anleger von der steigenden Anzahl der Spitzmaulnashörner in freier Wildbahn abhängt.

Die Gefahr des Impact Washings

Während die Akzeptanz von Impact Bonds allgemein als etwas Positives für die Gesellschaft angesehen wird, müssen sich Anleger bewusst sein, was sie kaufen. Die Standards für die Offenlegung können durchaus lax sein. Und das begünstigt das Impact Washing massiv, indem Emittenten sich Impact-fokussiert geben, aber nur geringe positive Wirkung nachweisen können. Das wiederum erschwert die Vergleichbarkeit der Emissionen.

Ebenso ist das fehlende einheitliche Reporting hinderlich bei der Prüfung, ob die Anleihegelder wie ursprünglich vermarktet verwendet werden oder ob der Name nur Schall und Rauch ist. Die International Capital Market Association hat versucht, das Problem mit einer Reihe freiwilliger Grundsätze anzugehen. Sie legt für grüne Anleihen Transparenz- und Offenlegungsstandards fest, um die „Integrität bei der Marktentwicklung für grüne Anleihen“ zu fördern. Die Social Bond Principles und die Sustainability-Linked Bond Principles verfolgen ähnliche Ziele.

Das Marktwachstum für Impact Bonds bietet Anlegern, die sich mit den Herausforderungen des Klimawandels und der Ungleichheit auseinandersetzen wollen, eine immer größere Auswahl. Die Wirksamkeit und Aussagekraft der einzelnen Impact Bonds sind jedoch unterschiedlich. Investoren sollten die einzelnen Emissionen genau analysieren, um eine richtige, nachhaltige Entscheidung zu treffen.