Ausblick 2020 Befinden wir uns in einem spätzyklischen Umfeld?

Eine Auswahl an GAM-Fondsmanagern beurteilt, ob die Märkte in einer späten Zyklusphase angelangt sind, und wie sie die Folgen für ihre jeweilige Anlageklasse einschätzen.

11.12.2019, aktualisiert 20.05.2020 - 10:3120.05.20 - 10:31
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Streikfolgen in Paris
Streikfolgen in Paris: Europa, Japan und China dürften sich noch nicht in einer spätzyklischen Phase befinden© Getty Images

Adrian Owens, Investment Director, globale Makroanlagen und Währungsanleihen: „Die Konjunktur in den USA und in Großbritannien würde ich durchaus als ,spätzyklisch' bezeichnen. Für Europa, Japan oder China trifft dies meines Erachtens weniger zu. Die USA und Großbritannien dürften deutlich auf das Zyklusende zusteuern, wobei jedoch der Brexit und die Handelsspannungen das Bild verzerren. Vielleicht ist es sinnvoller, die Lage als ,Spätphase der quantitativen Lockerung' zu betrachten. Ich glaube, die Zentralbanken erkennen gerade, dass die verzerrende Wirkung der quantitativen Lockerung nun allmählich an Bedeutung gewinnt. Deshalb rechne ich in naher Zukunft damit, dass es weniger Lockerungsmaßnahmen geben und stattdessen die Haushaltspolitik in den Fokus rücken wird. In einem solchen Umfeld dürften sich mehr Chancen eröffnen, die die Märkte weiter antreiben.“ 

Swetha Ramachandran, Investmentmanagerin für Luxusaktien: „Für den Luxussektor ist die Frage, ob wir uns in einem spätzyklischen Umfeld befinden, weniger relevant, da hier zwei ausgleichende Kräfte wirken: zum einen die strukturelle Komponente, also die Dominanz des steigenden Konsums einer wachsenden Mittelschicht in Asien, und zum anderen die kurzfristigen Konjunkturschwankungen. Wie bisherige Erfahrungen gezeigt haben, ist erstere der ausschlaggebende Faktor für Luxusaktien. Daher besteht kein Grund zur Sorge – was aber nicht bedeutet, dass die Luxusbranche immun gegen den Konjunkturzyklus ist. 2009 war beispielsweise ein kurzer heftiger Ausreißer zu beobachten, von dem sich der Sektor allerdings schnell wieder erholte. Aktuell ist es besonders wichtig, die Bewertungen nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Gewinne bleiben unserer Meinung nach gut gestützt, doch wir müssen darauf achten, dass die Preise für diese Erträge angemessen bleiben.“

Gianmarco Mondani, Investment Director, europäische long-short Aktienstrategien: „Es ist kein Geheimnis, dass sämtliche Konjunkturdaten, die man zu Rate ziehen kann, auf eine weltweite Verlangsamung hindeuten, was sich auch in den Gewinnprognosen niederschlägt. So wird das europäische Durchschnittsunternehmen 2019 wohl ein Wachstum von etwa 2 Prozent erreichen. Zu Beginn des Jahres wurden noch 10 Prozent prognostiziert. Unter diesen Bedingungen ist es entscheidend, sich auf die richtigen Unternehmen zu konzentrieren, die langfristig ein positives Wachstum verzeichnen können, auch wenn das Wachstum des durchschnittlichen Marktteilnehmers stagniert.“

Christophe Eggmann, Investment Director, Gesundheitsaktien: „Der Ausdruck ,spätzyklisch' bezieht sich vor allem auf den Geschäftszyklus. Im Gesundheitswesen sieht das etwas anders aus. Hier kommt es vielmehr auf den Produktzyklus an, der von der Wissenschaft, Arzneimittel-Entwicklungen und neuen Technologien bestimmt wird. Derzeit beobachten wir eine nie dagewesene Innovationsflut, und ich gehe davon aus, dass in den kommenden Jahren noch weitaus mehr Produkte auf den Markt gebracht werden. Hinsichtlich der Produkte würde ich daher sagen, dass wir etwa in der Mitte des aktuellen Zyklus angekommen sind.“

Paul McNamara, Investment Director, Schwellenländeranleihen: „Ich glaube, dieser Eindruck herrscht allseits vor. Die Expansion dauert nun schon seit 2009 an – das ist definitiv die längste in meiner ganzen Laufbahn und wohl auch in der all meiner Kollegen. Nachdem sich die Zinsstrukturkurve umgekehrt hat, sprechen immer mehr Anzeichen dafür, dass wir uns in einem spätzyklischen Umfeld befinden.“

Lars Jaeger, Investment Director, GAM Systematic, Alternative Risk Premia: „Als systematische Manager richten wir unseren Ausblick oder unsere Perspektive nicht daran aus, ob wir am Anfang oder am Ende eines Zyklus stehen. Wir investieren entsprechend unserer Indikatoren und quantitativen Systeme, die nicht unbedingt an ein Zyklusmanagement gebunden sind.“