Bär ohne Eigenschaften „Fakten sprechen nicht für Rezession“

Aktuell sind die Aktienmärkte so bewertet, wie es in einer Rezession zu erwarten wäre. Warum eigentlich? Georg Graf von Wallwitz, Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH, hinterfragt die Gründe für die Kursverluste und plädiert für eine rationale Betrachtung der Fundamentaldaten.

16.02.2016 - 12:2417.02.16 - 11:08
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Georg Graf von Wallwitz, Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH
Georg Graf von Wallwitz, Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH© Eyb & Wallwitz

Der Zusammenhang zwischen Börse und Meinungen ist eng. Manchmal zu eng. Nämlich dann, wenn Anleger händeringend eine Geschichte suchen, um zu rechtfertigen, was sie tun. Das ist insbesondere der Fall, wenn die Aktienmärkte, wie seit Anfang der dritten Februarwoche, in einem offiziellen Bärenmarkt sind. Der Kursverfall ist schwer zu begreifen, denn keine Begründung bleibt ihm dauerhaft erhalten.

  • Zu Jahresanfang sind die Aktienmärkte gefallen, aus Furcht, China könnte den Renminbi unkontrolliert abwerten. Dann stellte sich heraus, dass die Abwertung recht gering war.
  • Dann kam die Furcht auf, die Ölpreise könnten ins Nichts fallen und die Aktienmärkte stürzten weiter ab. Allerdings stellte sich heraus, dass dies für den Konsumenten gar nicht schlecht war und dass die Ölpreise seit Mitte Januar nicht mehr fielen.
  • Dann kam die Furcht auf, die USA könnten in eine Rezession geraten und die Aktienmärkte stürzten weiter ab. Allerdings stellte sich heraus, dass es der Wirtschaft in der entwickelten Welt einigermaßen gut ging und dass die amerikanische Zentralbank sich keineswegs genötigt sah, die Zinsen zu senken.
  • Dann kam die Furcht auf, den Zentralbanken könnten die Mittel ausgehen, sich gegen eine Deflationsspirale zu stemmen und die Aktienmärkte stürzten weiter ab.
  • Dann kam die Furcht auf, das Bankensystem könnte mit den niedrigen Zinsen nicht umgehen und die Aktienmärkte stürzten weiter ab. Allerdings stellte sich heraus, dass es den Banken weder gut noch schlecht geht, ihnen aber heute ein erheblich größerer Kapitalpuffer zur Verfügung steht, als vor wenigen Jahren. So hat die Commerzbank die Dividendenzahlungen an die Aktionäre wieder aufgenommen und der Chef von JPMorgan hat den Absturz genutzt, um für 26 Millionen Dollar Aktien des eigenen Instituts zu kaufen.