Nachhaltige Investments Banken könnten der Schlüssel zur Klimawende sein

Kreditinstitute gehören zu den wichtigsten Akteuren im Kampf gegen den Klimawandel. Damit die Ökologisierung der Wirtschaft gelingt, sollten sich Investoren jedoch nicht ausschließlich auf Banken verlassen, mahnen Stephanie Maier, globale Leiterin Nachhaltigkeit bei GAM Investments, und Romain Miginiac, Head of Research bei Atlanticomnium.

20.10.2021, aktualisiert 26.10.2021 - 11:0426.10.21 - 11:04
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Skyline von Frankfurt
Skyline von Frankfurt: Finanzakteure spielen eine entscheidende Rolle bei der Verwirklichung des Netto-Null-Ziels© Imago Images / Marcel Lorenz

Banken finanzieren heute mehr als 90 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie 80 Prozent der Großunternehmen in Europa. Damit spielen die Geldhäuser auch eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung der größten Krise unserer Zeit: Der Klimakrise.

Dabei geht es nicht nur um ihre direkten Finanzierungsaktivitäten – allein im Energiesektor haben die 35 größten Banken zwischen 2017 und 2019 knapp 3 Billionen US-Dollar an Finanzmitteln bereitgestellt. „Damit nehmen Banken eine zentrale Rolle im Wirtschaftssystem ein und werden zu Schlüsselfiguren im Kampf gegen die Klimakrise“, sagen Stephanie Maier, Impact-Investment-Chefin beim Schweizer Vermögensverwaltungsunternehmen GAM Investments, und Romain Miginiac, Forschungsleiter beim Unternehmensanleihe-Manager Atlanticomnium.

Den Kreditinstituten kommt ein wichtiger Multiplikatoreffekt zu, weil sie in Kundengesprächen verstärkt auf Klimarisiken hinweisen und Umweltkriterien bei ihrer Kreditvergabe berücksichtigen können. „Wird dieser Ansatz konsequent verfolgt, könne die Finanzbranche einen erheblichen Beitrag dazu leisten, die Wirtschaft bis 2050 in Richtung Netto-Nullwachstum bei den Emissionen zu führen“, erklären die beiden Experten.

Nicht nur auf Banken verlassen

„Grüne Anleihen sind eines der wichtigsten Instrumente, um Kapital in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft umzuleiten“, betonten die Experten. Die weltweite Emission von Green Bonds nimmt weiter zu – allein 2020 wurden weltweit fast 300 Milliarden US-Dollar an Green Bonds neu emittiert. In Europa gehören Banken hierbei zu den aktivsten Akteuren.

In der ersten Hälfte des Jahres 2021 haben grüne Anleihen mit Investitionen in Höhe von 33 Milliarden US-Dollar einen Rekordwert erreicht. Die Regulierung des Bankensektors unterstützt diesen Trend. Seit der globalen Finanzkrise 2007/08 haben die Regulierungsbehörden eine beeindruckende Erfolgsbilanz bei der Umgestaltung des Bankensektors vorzuweisen. Da das Klimarisiko mittlerweile ganz oben auf der Regulierungsagenda steht, ist der Trend für die nächsten zehn Jahre klar, einschließlich wahrscheinlicher Maßnahmen zur Verbesserung der Offenlegung und Einführung von Klima-Stresstests. Diese sind vielleicht der größte Faktor, da sie mit der Zeit die Kapitalplanung der Banken beeinflussen werden, höchstwahrscheinlich entweder durch Kapitalzuschläge für nicht klimagerechte Finanzierungen oder durch Kapitalaufschläge für unzureichendes Klimarisikomanagement.

„Auch wenn die Banken eine Hauptrolle bei der Ökologisierung der Wirtschaft spielen, kommt auch anderen Finanzakteuren eine wichtige Rolle zu“, so die Experten. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass sich die Anleger in grünen Anleihen engagieren, um hohe Standards zu gewährleisten und solche zu vermeiden, die keinen echten Nachhaltigkeitszweck verfolgen. Das erfordert eine gründliche Analyse auf der Ebene der Emittenten, der Anleihen und der Projekte.