Barings zu den Zwischenwahlen-Auswirkungen für InvestorenPolitischer Stillstand garantiert keine Marktberuhigung

Wie geht es nach den Midterm-Wahlen in den USA jetzt weiter? Christopher Smart, Head of Global Macroeconomic and Geopolitical Research bei Barings, sieht ein Tauziehen in den USA voraus, das Anleger einige Nerven kosten wird.

13.11.2018 - 11:39 Uhr13.11.18 11:39
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US-Patrouillenboot in asiatischen Gewässern
US-Patrouillenboot in asiatischen Gewässern: Auf verschiedenen Schauplätzen sind zukünftige Konflikte vorprogrammiert© Getty Images

Angesichts der hoch emotionalen Veranstaltungen zum Ende des Wahlkampfs und der hohen Wahlbeteiligung an den amerikanischen Zwischenwahlen war zu erwarten, dass die Märkte fast jedes Wahlergebnis begrüßen würden, das die zunehmende Unsicherheit beendet. Die gängige Meinung ist, dass ein gespaltener Kongress zu politischem Stillstand führen wird, was es den Anlegern ermöglicht, sich wieder auf den Risikoausgleich zwischen einem kräftigen BIP-Wachstum und steigenden Zinsen zu konzentrieren.

Das wäre jedoch zu kurz gedacht. Die gegenwärtige Mittelbereitstellung für die US-Regierung läuft am 7. Dezember aus, doch werden sich beide Seiten voraussichtlich auf eine Verlängerung um einige Monate verständigen und während dieser Zeit die Gegenseite genau taxieren – vor einer schärferen Konfrontation zu Beginn nächsten Jahres. Am 1. März endet die vorübergehende Aussetzung der Schuldenobergrenze. Vor dem Hintergrund der jüngsten Steuerreform wird der neue Kongress die Obergrenze deutlich anheben müssen, bevor dem Finanzministerium die temporären Mittel zur Erfüllung seiner Verpflichtungen ausgehen.

Gibt es für eine der Parteien eine bessere Möglichkeit, Zugeständnisse von der anderen Seite dadurch zu erzwingen, dass das Vertrauen und die Kreditwürdigkeit der USA in Gefahr gebracht werden?

Frühjahr mit hoher Marktvolatiltät steht bevor

Die Anleger sollten sich auf ein Frühjahr mit größerer politischer Unsicherheit und Marktvolatilität einstellen und die entsprechenden Termine bereits im Kalender vormerken. Wenn durch Handelskriege die Kosten für eine begrenzte Anzahl von US-Unternehmen ansteigen, dürfte ein länger anhaltendes Patt bezüglich der Finanzierung der US-Regierung die Risiken für die Anleger – die wegen der spätzyklischen Gegenwinde bereits nervös sind – erheblich erhöhen.

Auf kurze Sicht, während der Kongress die Wahlergebnisse verarbeitet und Führungspositionen neu besetzt, werden die Märkte eine kurze Phase der Konzentration auf die Fundamentaldaten erleben. Die Anleger werden ihr Augenmerk vor allem auf die Unternehmensgewinne richten und nach Anzeichen suchen, wie Unternehmen ihre Steuerersparnisse für Kapitalmaßnahmen einsetzen, um die Rentabilität zu verbessern. Sie werden zudem abwägen, ob gesundes Lohnwachstum die Konsumnachfrage stimuliert oder die Inflationserwartungen schürt.

Historische Daten legen nahe, dass es in den Jahren nach Zwischenwahlen zu einem starken Anstieg am US-Aktienmarkt kommt. Manchmal legen die Anleger vor einer wichtigen Wahl Gelder beiseite, und die derzeitige starke Konjunktur könnte zu einer solchen Entwicklung führen.