E-MobilitätBatterietechnik – neue Energie für das Depot

Der Kampf gegen den Klimawandel hat das Zeitalter der Batterien eingeläutet. Anleger sollten nicht nur Aktien von Elektroautoherstellern ins Depot buchen, sondern ebenfalls die Anbieter von Batterietechnik ins Visier nehmen, sagt Aanand Venkatramanan, Leiter ETF-Strategien bei Legal & General Investment Management (LGIM).

18.06.2021 - 16:30 Uhr18.06.21 16:30
|
|
|
Motor Show Brüssel (2020)
Motor Show Brüssel (2020): Die Batterie eines Stromers macht etwa 25 bis 40 Prozent der Fahrzeugkosten aus© IMAGO / Sebastian Geisle

„Der Markt für E-Autos lockt mit hohen Wachstumsraten“, sagt Aanand Venkatramanan, Leiter ETF-Strategie bei Legal & General Investment Management (LGIM).

Im Jahr 2020 wurden weltweit mehr als 3,1 Millionen Elektrofahrzeuge verkauft – wobei der Löwenanteil von 45 Prozent auf Europa entfällt. Es folgen China und die USA. Der Anteil der Stromer an allen verkauften Autos ist von weltweit 2,6 Prozent im Jahr 2019 auf 4,2 Prozent 2020 gestiegen. „Für Anleger ist die Vielzahl von Geschäftsmodellen, Produkten und Dienstleistungen allerdings nicht leicht zu durchschauen“, warnt Venkatramanan.

Denn: E-Autos haben schneller Marktanteile gewonnen als erwartet. Nicht zuletzt dank besserer Energiespeicher, Ladezyklen und Sicherheitsstandards, bei gleichzeitiger Verringerung von Kosten und Gewicht. Dabei ist vor allem die Batterie die kostspieligste und kritischste Komponente eines E-Autos. Sie macht etwa 25 bis 40 Prozent der Fahrzeugkosten aus.

Elektrofahrzeugindustrie schafft Arbeitsplätze

Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) sind die durchschnittlichen Lithium-Batteriepreise zwischen 2010 und 2019 um mehr als 87 Prozent gesunken. Die Experten erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzt und die Preise für Lithium-Batterien bis 2023 auf 100 US-Dollar/kWh sinken könnten. Der Europäischer Verband der Elektroinstallateure (AIE) rechnet damit, dass in der Elektrofahrzeugindustrie doppelt so viele Arbeitsplätze geschaffen werden, wie durch das Ende von Verbrennern verloren gehen.

Anlagechancen entlang der Wertschöpfungskette von Stromern

Es ist wenig überraschend, dass die hohen Wachstumsraten im Markt für E-Autos das Interesse vieler Investoren geweckt haben. Doch wie können Anleger am besten in das Thema einsteigen? „Es ist wichtig, sich auch auf die Unternehmen zu konzentrieren, die wettbewerbsfähige Batterien herstellen würden, und sich nicht auf die Nutzer von Batterien oder die Anbieter von Sekundärdienstleistungen zu beschränken“, erklärt Venkatramanan.

Die Wertschöpfungskette von Stromern besteht aus verschiedenen Segmenten: Von der Herstellung von Batterien über Ladestationen, Antriebssysteme, Komponenten bis hin zu elektrischer Hardware. „Viele dieser Segmente sind weniger disruptiv als die Batterietechnologie selbst“, sagt Venkatramanan. Einige Hersteller könnten einfach ihre bestehenden Komponenten an die Anforderungen von E-Fahrzeugen anpassen, ohne innovative Technologien einzusetzen. Beispielsweise könnten Infotainment-Systeme sowohl in Stromer als auch in Verbrennern genutzt werden. „Für Anleger ist daher entscheidend, zwischen Neben- und Hauptakteuren in der Branche zu unterscheiden“, so Venkatramanan.

Wenige Batteriehersteller – trotz hoher Nachfrage

In China gibt es beispielsweise mehr als 400 registrierte Hersteller von E-Autos und ein noch größeres Ökosystem an Produzenten von Autoteilen und -komponenten. Doch die meisten dieser Unternehmen verlassen sich auf eine sehr geringe Anzahl von Batterieherstellern – eine Marktstruktur, die sich kaum vom Rest der Welt abhebt.

Das Analysehaus Clean Horizon hat herausgefunden, dass es nur etwa 70 Unternehmen weltweit gibt, die wettbewerbsfähige Batterietechnologie herstellen. Laut dem Datenanalyse und Beratungsunternehmen GlobalData, sind lediglich 115 Lithium-Batterie-Fabriken weltweit geplant.

Dabei ist die Nachfrage groß. Der Markt für Stromer wächst rasant. „Dennoch ist es wichtig zu unterscheiden, welche Unternehmen tatsächlich disruptive Technologien herstellen und damit eine führende Position im Markt einnehmen und welche Akteure nur auf der grünen Welle mitschwimmen“, gibt Venkatramanan zu Bedenken. „Das gilt insbesondere für Batteriehersteller.“