Vier Antworten für Healthcare-AnlegerBei aller Innovation – auf die Substanz kommt’s an

Globale Gesundheitsaktien sind in den vergangenen Monaten hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Woran das liegt, erklärt Portfoliomanager Vinay Thapar von AllianceBernstein. Er sieht in der Branche trotz allem weiterhin großes Potenzial für Anleger.

18.06.2021 - 15:42 Uhr18.06.21 15:42
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Sprechstunde per Videochat
Sprechstunde per Videochat: Technologie wird in der Medizin zukünftig eine noch größere Rolle spielen, um Krankheiten so früh wie möglich entdecken und behandeln zu können © IMAGO / Westend61

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie stehen Gesundheitstitel noch stärker im Fokus der Anleger als bereits zuvor. Aber: Nach dem Börsencrash im April 2020 haben sich Gesundheitsaktien weltweit schwächer entwickelt als der breite Markt. Vinay Thapar vom Asset Manager AllianceBernstein (AB), Portfoliomanager für US-Wachstumsaktien und das AB International Healthcare Portfolio, beurteilt die Perspektiven aber weiterhin positiv.

Thapar hat drei Faktoren für die Fehlerträge von Gesundheitsaktien identifiziert: „Erstens war der Sektor von einer Rotation in konjunktursensiblere Branchen betroffen, da sich die Anleger für eine wirtschaftliche Wiederbelebung nach Covid-19 positionierten“, erläutert der Portfoliomanager. „Zweitens wurden unrentable kleinere Biotech-Unternehmen in diesem Jahr nach hohen, aber volatilen Gewinnen 2020 abverkauft. Und drittens haben steigende Zinsen die Gewinne von Wachstumsaktien im Allgemeinen gedrückt.“

Nach Meinung seines Teams untergraben diese Trends jedoch nicht das langfristige Potenzial innovativer Gesundheitsunternehmen mit soliden Geschäftsgrundlagen. Um interessante Anlagemöglichkeiten innerhalb des Sektors zu identifizieren, können Investoren sich an den folgenden vier Fragen orientieren.

Wie hat die Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen die Gesundheitsbranche verändert?

Der Erfolg der mRNA-Technologie hat das Repertoire der Arzneimittelhersteller um eine wichtige Komponente erweitert. „Wir können uns wahrscheinlich auf neue mRNA-getriebene Impfstoffe gegen Grippe freuen – und möglicherweise auch gegen Malaria, HIV und bestimmte Krebsarten“, erwartet Thapar. Und auch die Medikamentenentwicklung hat sich beschleunigt. Die Zeit bis zur Markteinführung eines Medikaments könnte sich vom derzeitigen Standard von sieben bis zehn Jahren um etwa ein bis zwei Jahre verkürzen.

Was bedeutet die Politik der Biden-Regierung für den US-Gesundheitsmarkt?

Bislang gibt es keine Anzeichen für größere Initiativen der US-Regierung im Gesundheitswesen, weder bei der Preisgestaltung von Medikamenten oder noch bei der Krankenversicherung. Selbst innerhalb der Demokratischen Partei gibt es erheblichen Widerstand gegen eine größere Reform der Medikamentenpreise. Auch die Bemühungen, die Patente auf Covid-19-Impfstoffe auszusetzen, stecken fest. „Insgesamt erwarten wir also keine extremen politischen Veränderungen, was das politische Risiko für Anleger reduziert“, erklärt Thapar.

Identifiziert ein ESG-Fokus Risiken oder Chancen für Unternehmen im Gesundheitswesen?

„Wir sind der Meinung, dass Unternehmen, die die Qualität der Gesundheitsversorgung verbessern, einen positiven Einfluss auf das gesamte System haben“, sagt der Portfoliomanager. Dadurch sind sie in einer Zeit steigender Gesundheitskosten und verstärkter staatlicher Eingriffe gut positioniert. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie ein wertorientierter ESG-Ansatz, der sich auf den Patientennutzen konzentriert, auch bessere Geschäftsergebnisse für Unternehmen schaffen kann – und die Erträge für Anleger stützt.

Welche neuen Trends sollten Anleger beachten?

Die Diagnostik ist ein spannendes Segment. Insbesondere seitens der Regierungen wird es verstärkte Anstrengungen geben, um präventive Diagnostikmöglichkeiten zu entwickeln. Auch wird die medizinische Versorgung näher an den Wohnort rücken. Je mehr Menschen ambulant behandelt werden können und je früher man eingreifen kann, desto besser ist es für den Patienten und für die Gesellschaft. Technologie wird ebenfalls breiter eingesetzt werden, zum Beispiel, um Patienten mit besonders großen Risiken zu identifizieren. Dies kann helfen, die Reihenfolge der Versorgung zu bestimmen. Und auch Verfahren zur Datenanalyse werden immer häufiger eingesetzt, um Ergebnisse auf innovative Weise zu verbessern.

„Die Entwicklung aufregender Medikamente und neuer Technologien allein sind unserer Meinung nach allerdings kein guter Wegweiser für den Anlageerfolg“, erläutert der Portfoliomanager. „Stattdessen ist die Konzentration auf die Fundamentaldaten – Bilanzen, Wettbewerbsvorteile, Cashflows und Profitabilität – der beste Weg, um innovative Gesundheitsunternehmen zu finden, die gut positioniert sind, um den Anlegern in einer sich schnell entwickelnden Welt langfristige Erträge zu liefern.“