Stolls Fondsecke Bella Italia als Beimischung

Italien sendet seit einigen Monaten positive Signale. Jahrelang verschrien als Sorgenkind der EU, überrascht die Republik südlich der Alpen mit guten Wachstumsaussichten. Die Regierung in Rom rechnet damit, dass die Wirtschaft des Landes im laufenden Jahr um 6 Prozent wächst. Unser Gastautor Sven Stoll stellt zwei Italienfonds und eine Alternative vor.

22.10.2021, aktualisiert 26.10.2021 - 11:0426.10.21 - 11:04
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Borsa Italiana in Mailand mit der umstrittenen Skulptur „L.O.V.E“ des Künstlers Maurizio Cattelan
Borsa Italiana in Mailand mit der umstrittenen Skulptur „L.O.V.E“ des Künstlers Maurizio Cattelan: Der italienische Leitindex FTSE MIB ist seinem deutschen Pendant Dax auf Sicht eines Jahres bereits enteilt und verteuerte sich um 40 Prozent © Imago Images / Italy Photo Press

Wer an Italien denkt, denkt meist an die Adria, wunderschöne Weinberge und an ein Abendessen mit Pasta, Vino und Amore. Das Land zählt zu den beliebtesten Touristenregionen der Welt. Investor:innen schauen dagegen – fast schon traditionell – argwöhnisch in Europas Süden.

Die Borsa Italiana ist die einzige Börse des Landes und befindet sich in Mailand an der Piazza Affari. Ein neues Allzeithoch haben Marktteilnehmer:innen hier schon lange nicht mehr gesehen. Börsentäglich wird im Palazzo Mezzanotte, in dem die Börse untergebracht ist, der MIB berechnet. Der italienische Leitindex umfasst die 40 wichtigsten italienischen Unternehmen. Im Zuge der Dotcom-Blase stieg der Index am 6. März 2000 mit 51.093 Punkten auf seinen höchsten jemals erreichten Stand.

Aktuell steht das Börsenbarometer bei 26.489 Punkten. Die Gründe für das schlechte Abschneiden: Korruption und Misswirtschaft, hohe Staatsschulden, ständig wechselnde Regierungen und Reformstau. Eher nichts für Anleger:innen, die bei ihren Entscheidungen Wert auf Verlässlichkeit legen.

Reformen bringen Italien auf Wachstumskurs

Doch der Wind hat sich gedreht. Die Wirtschaft kommt in Schwung. So liegt das langjährige Sorgenkind in der ökonomischen Wachstums-Disziplin plötzlich auf Platz zwei im OECD-Raum. Zwar hinter Großbritannien, aber vor den USA und Deutschland.

Das in Europa am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Land erhält den größten Teil des Wiederaufbaufonds der EU. 191,5 Milliarden Euro werden nach Rom fließen. Italien hat dafür Reformen versprochen. Als Garant dafür, dass die auch umgesetzt werden, gilt Premierminister Mario Draghi, der seit dem 13. Februar die Regierung anführt. Der Wirtschaftswissenschaftler und ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank räumt auf: Die Vereinfachung von Verwaltungsprozessen, Infrastrukturprojekte, die Reform der Justiz- und Insolvenzordnung oder die Beschleunigung der Impfkampagne sind nur einige Punkte, die „Super“ Mario Draghi anpackt oder bereits umsetzt.

„Man spürt hier eine Begeisterung und eine Lust, nicht nur neu zu starten, sondern die produktiven Energien zu entfesseln“, sagt Draghi, der den Reformmarathon im Eiltempo umsetzen muss, um nach und nach an die EU-Milliarden zu gelangen. Positiv auch: Die Inflation im Land ist kein so großes Thema wie derzeit in Deutschland. Laut EU liegt sie aufs Jahr betrachtet bei 1,4 Prozent, während sie in Deutschland auf fast 3 Prozent klettern wird.

Mit Fonds und ETFs vom italienischen Aufschwung profitieren

Die Börse reagiert bereits positiv auf die Aufbruchssignale: Der italienische Leitindex FTSE MIB ist seinem deutschen Pendant Dax auf Sicht eines Jahres bereits enteilt und verteuerte sich um 40 Prozent (Dax: 20 Prozent).

Anleger, die an einen weiteren Aufschwung glauben, stehen hierzulande rund 20 Fonds und ETFs für italienische Aktien zur Verfügung. Indexfolger bieten die Anbieter iShares (ISIN: IE00B1XNH568), DWS (ISIN: LU0274212538) und Amundi (ISIN: LU1681037518) an.

Unter den aktiv gemanagten Fonds überzeugt der Oyster Italian Opportunities (ISIN: LU0069164738) im schwankungsfreudigen Marktumfeld der Mailänder Börse mit einem guten Verhältnis aus Rendite und Risiko. Die Volatilität des Fonds ist beständig niedriger als die des Sektor-Durchschnitts. Verantwortlich für den Fonds der Schweizer SYZ-Bank ist Sandro Occhilupo vom Vermögensverwalter Decalia mit Sitz in Genf. Der Manager investiert flexibel und stilunabhängig ins gesamte Spektrum italienischer Aktien und berücksichtigt auch Werte aus dem Nebenwerte-Segment. Occhilupo spielt bei der Suche nach geeigneten Aktien zunächst gesamtwirtschaftliche Szenarien auf globaler und lokaler Ebene durch und wählt seine Einzeltitel dann nach dem Bottom-up-Prinzip aus. Entscheidend bei der Titelauswahl sind Wettbewerbsvorteile und gute Unternehmensführung.

Zyklische Konsumgüter übergewichtet

20 Prozent des Fonds sind reserviert, um opportunistisch in Spezialsituationen oder in Unternehmen in Restrukturierungsprozessen zu investieren, um das volle Alpha-Potenzial auszuschöpfen. Kein Wunder, dass der Manager immer wieder erheblich von der Benchmark abweicht. Aktuell sind Finanztitel unter- und zyklische Konsumgüter übergewichtet. Größte Position ist Stellantis (5,4 Prozent). Der Autokonzern, der aus der Fusion von Fiat Chrysler und PSA Peugeot hervorgegangen ist, hat seine Kosten so schnell gesenkt, dass er schon ein halbes Jahr nach dem Start als fusioniertes Unternehmen fast 6 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftete und hochprofitabel ist. Weitere große Positionen sind das Finanzinstitut Intesa San Paolo (5,1 Prozent) und der Autobauer Ferrari (4,3 Prozent).

In den vergangenen zehn Jahren gewann das mit 30 Millionen Euro recht kleine Portfolio 120 Prozent an Wert. Seit der Auflage im September 1996 sind es 555 Prozent.

Bereits 1990 wurde der Klassiker Fidelity Italy Fund (ISIN: LU0048584766) aufgelegt. Sein Plus seither: Knapp 1000 Prozent. Fondsmanager Alberto Chiandetti steuert den Fonds der amerikanischen Gesellschaft seit 2008. Auch er weicht immer wieder deutlich vom Vergleichsindex ab. Aktuell kauft er Finanztitel wie die Unicredit oder Exor, Reifenhersteller Pirelli oder Infrastrukturbetreiber Atlantia Spa. Seit Jahresbeginn hat der Fonds bereits um 27 Prozent zugelegt.

Fonds mit antizyklischem Investmentansatz

Investor:innen, die nur bedingt in Italien engagiert sein wollen, finden im Fidecum Contrarian Value Euroland (ISIN: LU0370217092) eine mögliche Alternative. Auf italienische Aktien entfallen im Fonds immerhin 20 Prozent des Fondsvolumens. Wie es im Fonds-Namen bereits anklingt: Manager Hans Peter Schupp investiert die ihm zur Verfügung stehenden Gelder (60 Millionen Euro) konträr und antizyklisch zur jeweils vorherrschenden Meinung. Von daher rührt auch der hohe Anteil italienischer Titel, die lange Zeit unbeliebt und dadurch günstig waren.

Basis der antizyklischen Idee ist, dass die Börse oft übermäßig stark reagiert. So werden etwa in Krisenzeiten auch die Aktien guter Unternehmen auf den Markt geworfen. Diese Chance nutzen antizyklische Anleger:innen dann zum Kauf. Da es an der Börse ein ständiges Auf und Ab gibt, kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo der Kurs wieder nach oben geht.

Dreh hin zu Value-Aktien?

Dennoch ist seit nunmehr 13 Jahren eine signifikante Underperformance des Value-Stils zu beobachten. Das ist auch an Schupps Fonds nicht spurlos vorübergegangen. Trotz eines Plus von 116 Prozent gehört der Fonds zu den schwächeren der vergangenen Dekade. Der Vergleich über ein Jahr deutet allerdings auf ein Ende der Underperformance hin. Hier zieht das Portfolio mit einem Wertzuwachs von 72 Prozent an der gesamten Konkurrenz vorbei.

Auch der Manager zeigt sich beim Portal Fundview optimistisch: „Wichtig ist, dass wir unserem Stil treu bleiben. Wir können es uns nicht leisten, unseren konträren Investment-Stil mit Fokus auf Value zu verwässern. Wir müssen diesem Ansatz treu bleiben, das ist extrem wichtig. Auch und vor allem in schwierigen Phasen wie derzeit. Denn wir wollen ein Value-Baustein für das Gesamt-Portfolio sein. Deswegen hoffen wir natürlich, dass wir ähnlich wie nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 einen langfristigen Dreh hin zu Value-Aktien sehen werden. Ob das passiert, wissen wir nicht. Aber die Bewertungen nähern sich langsam weiter an.“

Zuletzt profitierte das Portfolio der Fondsmanufaktur aus Bad Homburg von seinen Anteilen an der italienischen Raffinerie Saras (+20,1 Prozent). Große Positionen sind neben dem italienischen Energiekonzern Eni Spa, die Deutsche Bank und Renault.

Italien-Fonds: Beimischung statt Basis

Mein Fazit: Italien-Aktienfonds eignen sich bei entsprechender Risikotoleranz gut als Beimischung. Weil sich die Wirtschaftsdaten verbessern, könnte sich der italienische Aktienmarkt weiter erholen. Voraussetzung für ein Investment ist allerdings, dass man als Anleger:in bereits breit aufgestellt ist. Denn: Als Basis sind italienische Aktien dann doch zu riskant.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen.