Bertelsmann-StudieStau bei Infrastruktur-Projekten bremst deutsches Wachstum

Deutschland ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wirtschaftlich gut aufgestellt – dennoch steht das Land vor großen Herausforderungen. Wenn Bund, Länder und Kommunen nicht umgehend mehr Kapital in Infrastruktur stecken, könnte das Bruttoinlandsprodukt rapide sinken.

07.02.2017 - 11:14 Uhr07.02.17 11:14
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Stau auf einer Berliner Autobahn: Deutschland muss in den nächsten Jahren viel Geld in Infrastruktur investieren, um das Wirtschaftswachstum nicht zu gefährden
Stau auf einer Berliner Autobahn: Deutschland muss in den nächsten Jahren viel Geld in Infrastruktur investieren, um das Wirtschaftswachstum nicht zu gefährden© Getty Images

Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung und der Prognos AG gerät Deutschlands Wirtschaft ins Hintertreffen, wenn der Staat nicht umgehend mehr Kapital in Infrastrukturprojekte steckt. Stagniert das Investitionsniveau, steigt das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) laut der Studie bis 2025 jährlich nur um 1,4 Prozent.

Erhöht der deutsche Staat sein Investitionsvolumen hingegen auf das OECD-Niveau, beliefe sich das Wachstum auf jährlich 1,6 Prozent. Den Bertelsmann-Forschern zufolge würden höhere staatliche Ausgaben im Infrastrukturbereich auch die Produktivität deutscher Unternehmen und das Anlagevolumen privater Investoren in dem Sektor steigern.

Deutschland geht es an die Substanz

„Gerade mit Blick auf zukünftiges Wachstum und den Wohlstand kommender Generationen zehrt die Bundesrepublik mehr und mehr von ihrer Substanz.”

Forscher der Bertelsmann Stiftung und der Prognos AG

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) berechnete für den Zeitraum von 1999 bis 2012 eine durchschnittliche Investitionslücke für die Bundesrepublik von jährlich drei Prozent BIP und damit 75 Milliarden Euro pro Jahr. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wies in einer Analyse für die Jahre 2003 bis 2012 ein Defizit von insgesamt über 600 Milliarden Euro aus. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) beziffert den kommunalen Anlagerückstand im Jahr 2015 auf 136 Milliarden Euro.

Angesichts dieser Zahlen setzte der ehemalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine Kommission zur „Stärkung von Investitionen in Deutschland“ ein. Ihre Mitglieder kommen in einer Stellungnahme zu folgender Einschätzung: „Trotz der zusätzlichen Ausgaben für öffentliche Investitionen bleibt die private und öffentliche Investitionsschwäche weiterhin bestehen.“ Die Experten schlagen vor, den deutschen Staat offiziell zu verpflichten, im Infrastruktur-Sektor ein bestimmtes Investitionsniveau einzuhalten. Die Finanzierung ist aus ihrer Sicht gesichert: Sie verweisen auf den aktuellen Überschuss in der Staatskasse.