Megatrend Urbanisierung Bis an die Belastungsgrenze – und weit darüber hinaus

In vielen Städten weltweit ist die Einwohnerzahl in den vergangenen Jahren stark gestiegen und dürfte künftig weiter zunehmen. Die Infrastruktur der Metropolen kann mit dem Bevölkerungswachstum oft nicht Schritt halten – mit schwerwiegenden Folgen für Mensch und Umwelt. Anleger können dazu beitragen, die Herausforderungen zu meistern.

18.11.2020, aktualisiert 23.09.2021 - 12:0223.09.21 - 12:02
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Stadtrand von Lagos
Stadtrand von Lagos: Die mit 14 Millionen Einwohnern größte Stadt Nigerias wächst rasant – 2050 könnten dort mehr als 32 Millionen Menschen leben. Das birgt enorme Herausforderungen© imago images / imagebroker

Ein beschauliches Städtchen war Lagos noch nie: Bereits 1971 lebten mehr als eine Million Menschen in der damals schon größten Stadt Nigerias. Seitdem ist die Einwohnerzahl geradezu explodiert. In den 1990er-Jahren knackte sie die Marke von fünf Millionen, heute leben in Lagos geschätzt 14 Millionen Menschen – und die Metropole wächst weiter: Bis zum Jahr 2050 werden es Prognosen zufolge mehr als 32 Millionen sein.

Lagos gehört zu den am schnellsten wachsenden Städten weltweit und ist damit ein Extrembeispiel für einen globalen Megatrend: Fortschreitende Urbanisierung. Insbesondere in den Schwellen- und Entwicklungsländern zieht es die Menschen auf der Suche nach Arbeit und Wohlstand vom Land in die urbanen Regionen. Aktuell leben laut Vereinten Nationen (UN) rund 56 Prozent der Weltbevölkerung in Städten, bis 2050 könnten es fast 70 Prozent sein.

Unkontrolliertes Wachstum schafft Probleme für Mensch und Umwelt

Das rasante Bevölkerungswachstum stellt viele Städte vor enorme Herausforderungen und bringt die Infrastruktur an den Rand des Kollaps oder sogar darüber hinaus – mit schwerwiegenden Folgen. Oft wachsen die Städte unkontrolliert, an den Rändern entstehen informelle Siedlungen, in denen viele Menschen auf engstem Raum unter miserablen Bedingungen zusammenleben. Medizinische Versorgung, sauberes Trinkwasser, Strom, Müllabfuhr und Verkehrsinfrastruktur sind oft kaum bis gar nicht vorhanden – von Freizeit-, Erholungs- und Pflegeeinrichtungen ganz zu schweigen. In einigen Stadtteilen der liberianischen Hauptstadt Monrovia haben zum Beispiel nur ein Drittel der Menschen Zugang zu sauberen Toiletten, wöchentlich werden 20 bis 30 Cholera-Fälle gemeldet.

Mit der anhaltenden Landflucht dürften sich diese sozialen Probleme vielerorts weiter verschärfen: 2018 lebten nach Angaben des UN-Programms für menschliche Siedlungen Habitat mehr als eine Milliarde Menschen weltweit in Slums – Tendenz steigend.

Neben sozialen Verwerfungen bringt das rasante Städtewachstum ökologische und gesundheitliche Probleme mit sich. Das enorme Flächenwachstum geht zu Lasten der Land- und Waldwirtschaft sowie der Biodiversität. Unzureichendes Abwasser- und Müllmanagement bergen ebenso Risiken wie die Nutzung fossiler Brennstoffe, die zu enormer Luftverschmutzung führt – zumal klimaregulierende Grünflächen oft Mangelware sind.

Mit relativ geringen Investitionen viele Menschen versorgen

Megacitys haben allerdings nicht nur Nachteile: Oft sind sie das wirtschaftliche Rückgrat und der Konjunkturtreiber ihres Landes. Dort konzentrieren sich Kapital und Menschen. Und gerade die dichte Besiedlung kann ein Vorteil sein: Es lassen sich zu vergleichsweise geringen Pro-Kopf-Kosten Güter und Dienstleistungen bereitstellen. Aus diesem Grund kann die Urbanisierung Investoren Anlagechancen bieten.