Bloomberg-AnalyseMiFID II erschwert Fondsvertrieb in Europa

Mit der neuen EU-Richtlinie MiFID II kommen komplizierte Dokumentationspflichten auf Vermögensverwalter zu. Experten vermuten, dass sie deshalb künftig weniger Produkte vertreiben.

15.05.2017 - 16:55 Uhr15.05.17 16:55
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Finanzdistrikt in Frankfurt: MiFID II könnte Banken dazu bewegen, die Zahl der Fondsmanager zu begrenzen
Finanzdistrikt in Frankfurt: MiFID II könnte Banken dazu bewegen, die Zahl der Fondsmanager zu begrenzen© Getty Images

MiFID II, die von der Europäischen Union angestrebte einheitliche Richtlinie zu Finanzmarkt-Aktivitäten und -Dienstleistungen, wird am 3. Januar 2018 in Kraft treten. Auf Vermögensverwalter kommen damit neue Herausforderungen zu: Vorschriften, die die Finanzmärkte gerechter und transparenter machen sollen, erschweren den Fondsvertrieb in Kontinentaleuropa. Laut den neuen Regeln müssen Asset Manager Transaktionen sehr viel detaillierter dokumentieren.

Dies könnte Banken und Versicherer dazu bewegen, die Zahl der von ihnen eingesetzten Fondsmanager zu begrenzen, glauben Mitarbeiter der britischen Vermögensverwaltung Schroders. Die Vertriebsgesellschaften könnten nach der Devise „statt mit 25 Produktanbietern zu arbeiten, reduzieren wir auf fünf“ vorgehen, meint Sheila Nicoll von Schroders in einem Interview mit Bloomberg.

Nachdem Banken begonnen haben, mehr Produkte Dritter zu vertreiben, ist Europa in den vergangenen zehn Jahren für Vermögensverwalter lukrativ geworden. MiFID II stellt diesen Einnahmestrom in Frage, nicht nur weil Banken nach dem Inkrafttreten der Richtlinie ihre Kundenliste zusammenstreichen könnten, sondern auch weil die Vorschriften Provisionen für den Vertrieb von Produkten anderer Gesellschaften verbieten. In Großbritannien sind derartige Finanzanreize bereits verboten.

Südeuropäische Vermögensverwalter leiden besonders unter MiFID II

Das Geschäft von Vermögensverwaltern in Südeuropa dürfte am schlimmsten von MiFID II betroffen sein, weil dort Banken den Vertrieb dominieren. Das geht aus einem Bericht der Beratungsgesellschaft Cerulli Associates aus Boston hervor.

Im Moment wartet die Vermögensverwaltungsbranche noch auf Orientierungshilfen von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA, wie die Beziehung zwischen Vermögensverwaltern und Vertrieb unter MiFID II geregelt werden wird. Vertreiber in Kontinentaleuropa signalisieren aber bereits, dass sie als Folge der Vorschriften eine geringere Bandbreite an Fonds anbieten werden.