Carmignac-Marktkommentar Die nächste Konjunkturverlangsamung entscheidet

Die angespannte politische Lage in Italien wirkt sich stark auf die Finanzmärkte aus. Auch der Euro gerät unter Druck. Didier Saint-Georges, Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac, rät Anlegern dazu, sich für schwere Zeiten zu wappnen.

25.06.2018, aktualisiert 26.06.2018 - 09:5426.06.18 - 09:54
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Didier Saint-Georges, Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac: „Anleger sollten ihr Risikomanagement von Grund auf überdenken.“
Didier Saint-Georges, Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac: „Anleger sollten ihr Risikomanagement von Grund auf überdenken.“© Carmignac

Die überraschende Regierungsübernahme durch eine Koalition aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega in Italien hat die Finanzmärkte im Mai in Ausnahmezustand versetzt. Nachdem bekannt wurde, dass die Koalition auch Pläne für einen Ausstieg aus dem Euro in der Schublade hat, entstand eine politische Kettenreaktion, wie sie nur in Italien möglich ist. Diese löste einen Rückgang des Euro, der europäischen Aktienmärkte und vor allem der Anleihemärkte der europäischen Peripherieländer aus. Das erneute Schreckgespenst eines Euro-Ausstiegs eines EU-Mitgliedstaats spukte abermals in den Köpfen herum.

Tritt Italien aus der Eurozone aus?

Es ist technisch durchaus möglich, dass ein souveränes Land zu seiner Landeswährung zurückkehrt. Dafür müssen aber mindestens zwei Bedingungen erfüllt sein. Erstens muss es dies wollen. Aktuell ergeben aber sämtliche Meinungsumfragen, dass die Mehrheit der Italiener in der Eurozone bleiben möchte. Eine demokratisch gewählte Regierung hindert zwar nichts daran, Entscheidungen gegen den Volkswillen zu treffen. Aber dieses Szenario wäre gelinde gesagt paradox bei einer Regierung, die sich ausdrücklich auf das „Volk“ beruft. Zweitens muss dieser Schritt überraschend erfolgen. Wenn eine Regierung dieses Vorhaben im Voraus ankündigen würde, gäbe es sofort eine Kapitalflucht und sie wäre ruiniert, bevor sie überhaupt mit der Umsetzung beginnen kann. Diese beiden Zwänge zusammen bedeuten, dass eine italienische Regierung auf „Italexit“-Kurs ausdrücklich und bewusst im Widerspruch zu dem von ihren Wählern erteilten Mandat handeln müsste. Das ist wenig wahrscheinlich.

Heißt das, dass Italien bald wieder umschwenkt? Und werden die Finanzmärkte bald wieder an ihren Aufwärtstrend anknüpfen, der auch der Tatsache zu verdanken ist, dass im Sommer 2012 unter der aufmerksamen Leitung von Mario Draghi die Konvergenz der Kosten für den Schuldendienst der Länder der Eurozone eingeleitet wurde?

Dies ist aus zwei Gründen äußerst fraglich: Zum einen kann die gerade erst bestätigte Regierung von Giuseppe Conte zwar keinen Euro-Ausstiegsplan ankündigen, sie ist aber gewillt, mit der bisherigen Wirtschaftspolitik zu brechen: Die selbstverständliche Haushaltsdisziplin wird in Frage gestellt. Die Finanzmärkte werden eine bewusste weitere Ausweitung der Haushaltsdefizite wohl kaum positiv aufnehmen. Dieses Risiko dürfte sich zunächst aber nicht allzu sehr auswirken, vor allem weil Italien noch einen kleinen Spielraum hat, bevor das Land in Gefahr gerät (es weist zurzeit ein geringeres Haushaltsdefizit als Frankreich auf und kann auf einen Leistungsbilanzüberschuss verweisen).