Cash-Reserven von Banken und Fondsanbietern steigen Pralle Kasse

In den vergangenen zwei Jahren haben die deutschen Kreditinstitute 10 Milliarden Euro in ihren Tresoren zusätzlich gelagert, um Negativzinsen zu vermeiden. „Diese Entwicklung wird weitergehen“, so Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Auch Multi-Asset-Anbieter wissen: Cash ist King. Zumindest phasenweise.

24.07.2017, aktualisiert 27.07.2017 - 10:3627.07.17 - 10:36
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Jährliches Notenbanker-Treffen in Sintra, Portugal: Wegen einer 'deutlichen Unterauslastung der Wirtschaft und einer schwachen Geldmengen- und  Kreditentwicklung' versucht die EZB seit 2015 die Inflationsdynamik mit neuen Maßnahmen zu befeuern
Jährliches Notenbanker-Treffen in Sintra, Portugal: Wegen einer 'deutlichen Unterauslastung der Wirtschaft und einer schwachen Geldmengen- und Kreditentwicklung' versucht die EZB seit 2015 die Inflationsdynamik mit neuen Maßnahmen zu befeuern© EZB

Die Banken beschicken ihre Tresorräume mit immer höher bepackten Paletten voller Bargeld. Die Befeuerung der Brennkammern des Wirtschaftslebens nimmt offenbar geradezu industrielle Züge an, ist den Ausführungen von Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ zu entnehmen. Bekanntlich halten die deutschen Kreditinstitute hohe Geldbestände in bar in ihren Tresoren, um Negativzinsen zu vermeiden. Würden sie das Geld als Sichteinlage auf den Konten der Europäischen Zentralbank (EZB) belassen, sind 0,4 Prozent Zinsen zu zahlen. Wird das Geld bar im Tresor gehortet, fallen keine Zinsen an.

Anstieg der Barreserven geht weiter

„Innerhalb der letzten zwei Jahre haben die deutschen Kreditinstitute zehn Milliarden Euro in ihren Tresoren zusätzlich gelagert, um Negativzinsen zu entgehen. Ich erwarte, dass diese Entwicklung weitergehen wird“, so Thiele, der seit 2010 Vorstand der Deutschen Bundesbank ist und dort für die Themen Bargeld, Zahlungsverkehr und die Goldreserven in der Pflicht steht.

Die Entwicklung dürfte zumindest solange weitergehen, bis die Wirtschaft in der Eurozone stärker als bislang Fahrt aufnimmt. Mit den Strafzinsen, mit der die EZB seit Sommer 2014 Geschäftsbanken belegt, wenn diese Geld über Nacht bei ihr parken, sollen Banken dazu gedrängt werden, mehr Kredite auszureichen und die Wirtschaft auf Trab zu bringen. Diese Strategie scheint aufzugehen, wenn auch sehr langsam: Aktuell kalkuliert der Internationale Währungsfonds (IWF) für Deutschland mit einem BIP-Wachstum von 1,8 Prozent (bisher 1,6 Prozent) im laufenden Jahr und 1,6 Prozent (bisher 1,5 Prozent) im kommenden Jahr.