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Drache an der Kette

23.08.2017 10:30 Uhr | Von: 

Hohe Verschuldung verschärft die Lage

Joerg Wuttke, abtretender Präsident der EU Chamber of Commerce in Peking, sieht hingegen keine Entspannung und warnt vor den Folgen der verschleppten Wirtschaftsreformen im Land. „Die staatlichen Unternehmen sind extrem hoch verschuldet, und nun sehen wir auch im Sektor der privaten Haushalte, befeuert von den steigenden Immobilienpreisen, eine wachsende Verschuldung. Die totale Verschuldung der chinesischen Volkswirtschaft liegt derzeit bei 267 Prozent des Bruttoinlandprodukts, mit einem rasanten Anstieg in den letzten Jahren.“ Wuttkes Fazit fällt wenig vertrauenerweckend aus. „Sei es in Japan, den USA oder Südostasien: Ein derart großer und rasanter Anstieg der Verschuldung hat in der Geschichte stets zu einer Finanzkrise geführt.“

Die chinesische Führung weiß um die Brisanz der Lage. Vor diesem Hintergrund hat Präsident Xi Jinping jüngst eine Kampagne gegen geschönte Wirtschaftsdaten gestartet, um für mehr Transparenz, Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu sorgen. Die Folge: Die Provinz Liaoning hat für das erste Halbjahr einen Rückgang des nominalen BIP um 19,6 Prozent im Vorjahresvergleich gemeldet. Parteikader dieser Provinz hatten zuvor eingestanden, dass die stets positiven Wirtschaftsdaten aus den Jahren 2011 bis 2014 gefälscht waren.

China als unberechenbarer Faktor in einem globalen Experiment

Thomas Härter, CIO des Vermögensverwalters Aquila, will die Hoffnung nicht aufgeben, dass China seine Wirtschaft am Laufen halten kann – ohne dass es zu Komplikationen kommt, die globale Auswirkungen haben würden. Für ihn stellt sich nicht nur mit Blick auf China, sondern ganz generell die Frage: Schaffen es die Notenbanken auch in den kommenden Jahren angesichts der durch die Finanzkrise gefährlich erhöhten Überschuldung der Welt Kurs zu halten? Insbesondere für Anleger könnte die komplexe Gemengelage irgendwann brenzlig werden.

Den genauen Wendepunkt an den Börsen kennt keiner“, so Härter. „Wir befinden uns mitten im größten wirtschafts- und sozialpolitischen Experiment, das die Menschheit je gesehen hat – abgesehen vielleicht von der Einführung des Sozialismus oder Kommunismus. Man hat noch nie den Fall gehabt, dass die Notenbanken ihre Munitionskammern komplett leer geschossen haben. Wir wissen schlicht nicht, wie es ausgeht.“  

Dass Gefahr im Verzug ist, zeigt die ungeheure Beschleunigung bei den chinesischen Investitionen im Ausland im vergangenen Jahr. In den USA verdreifachten sie sich 2016 im Vergleich zum Vorjahr, während sie sich in Europa verdoppelten, wie die Anwaltsfirma Baker McKenzie vorrechnet. Die chinesischen Investitionen in Deutschland stiegen sogar fast um das Zehnfache: Von umgerechnet 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 10,3 Milliarden Euro in 2016.