Pandemie-Bekämpfung China geht gestärkt aus der Krise hervor

Die Corona-Pandemie hat China als erstes Land getroffen – jetzt führt China die Rückkehr zur Normalität an. Andreas Busch, leitender Analyst bei Bantleon, hat sich das Land und seine einzelnen Branchen angeschaut.

04.11.2020, aktualisiert 10.11.2020 - 09:3510.11.20 - 09:35
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Pferderennen in Hongkong
Pferderennen in Hongkong: China führt zum zweiten Mal nach 2008/2009 die globale Konjunkturerholung an© imago images / Galoppfoto

Nachdem die chinesische Wirtschaft Anfang dieses Jahres als erstes Land der Welt von der Coronavirus-Pandemie in die Knie gezwungen worden war, feiert sie nun ein eindrucksvolles Comeback. Erst waren es die staatlichen Infrastruktur-Investitionen, die das Wachstum angeschoben haben. Jetzt kommt die Wiederbelebung des privaten Konsums hinzu. Nicht zuletzt brummt auch das Exportgeschäft wieder.

Im weltweiten Vergleich wird China folglich beim Wirtschaftswachstum 2020 mit Abstand am besten dastehen. Die erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie hat dem Reich der Mitte einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschafft. Das Land kann damit seine Position im internationalen BIP-Vergleich zusätzlich verbessern. Zu Recht wachsen daher in den USA und Europa die Sorgen vor einer zunehmenden Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Supermacht China.

Eindrucksvolles Comeback im Sommerhalbjahr

Die chinesische Wirtschaft brummt wieder. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt Anfang dieses Jahres um 10 Prozent eingebrochen war, setzte schon im 2. Quartal mit +11,7 Prozent eine massive Gegenbewegung ein (jeweils gegenüber dem Vorquartal). Die Zahlen für das 3. Quartal weisen nun ein weiteres Plus von 2,7 Prozent aus. Zusammengenommen wurde damit im Sommerhalbjahr nicht nur der Absturz vom Jahresanfang komplett wettgemacht. Vielmehr ist die chinesische Wirtschaft auch auf gutem Wege, zum alten Wachstumspfad zurückzukehren (vgl. Abb. 1).

So außergewöhnlich tief der wirtschaftliche Einbruch infolge der Coronavirus-Krise auch ausfiel – nirgendwo sonst ist die anschließende Erholung so spektakulär verlaufen. Im weltweiten Vergleich wird China daher in diesem Jahr nahezu das einzige Land sein, das ein positives Wirtschaftswachstum verzeichnet (wir gehen von rund 2 Prozent aus – in den USA dürften es knapp -4 Prozent und in der Eurozone rund -7 Prozent sein, vgl. Abb. 2).

Zweifelsohne sind die politisch gefärbten Wirtschaftsdaten aus dem Reich der Mitte mit einer großen Portion Vorsicht zu genießen. Anhand zum Beispiel der deutschen Ausfuhrstatistik können sie aber einer Plausibilitätsprüfung unterzogen werden. Und die Entwicklung der deutschen Exporte nach China bestätigen das Bild einer V-förmigen Erholung sowie einer schnellen Rückkehr zur Normalität.

Ursächlich für die dynamische Belebung waren zunächst staatliche Konjunkturprogramme, welche die Infrastruktur-Investitionen ankurbelten und damit der Wirtschaft im 2. Quartal einen kräftigen Schub versetzten (vgl. Abb. 3).

Damit sich diese Impulse entfalten konnten, war es aber entscheidend, dass die chinesische Regierung die Pandemie zuvor durch umfangreiches Testen und die konsequente Quarantäne infizierter Personen unter Kontrolle gebracht hatte. Zusammen mit einigen asiatischen Nachbarn schneidet China diesbezüglich im internationalen Vergleich mit großem Abstand am besten ab (vgl. Abb. 4), was die Voraussetzungen für ein schnelles Hochfahren der Industrieproduktion schuf.

Die Eindämmung der Pandemie ermöglichte darüber hinaus eine Normalisierung des Alltagslebens. In vielen Bereichen zeigt sich, dass die Aktivität inzwischen wieder nahe an das Vorkrisenniveau heranreicht. Das gilt beispielsweise für den Luftverkehr. Das inländische Passagieraufkommen, das zwischenzeitlich komplett eingebrochen war, hat sich mittlerweile bis auf 15 Prozent an die Vorjahreswerte herangekämpft (vgl. Abb. 5). Im Tourismussektor insgesamt stieg die Auslastung im Herbst immerhin auf 80 Prozent an – Werte, von denen die Industrienationen nur träumen können.

Noch weiter ging die Erholung bei den Kinos. Die Umsatzentwicklung hat sich hier nahezu vollständig den Vorjahren angenähert (vgl. Abb. 6).

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