Alternativen gesucht China und die Schwellenländer verlieren an Attraktivität

Das Wachstum in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften hat sich zuletzt abgekühlt. Carsten Gerlinger, Managing Director und Head of Asset Management bei Moventum Asset Management, hat daraufhin Umschichtungen vorgenommen.

28.09.2021 - 14:3028.09.21 - 15:48
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Roter Platz in Moskau
Roter Platz in Moskau: Der russische Aktienmarkt zeigt sich von den wirtschaftlichen Herausforderungen im Land unbeeindruckt© IMAGO / agefotostock

„Die jüngsten Regulierungsmaßnahmen der chinesischen Regierung sind sicherlich nicht unbegründet und können in Zukunft positiv auf Stabilität und Transparenz des Finanzsystems in China wirken“, sagt Carsten Gerlinger, Managing Director und Head of Asset Management bei Moventum Asset Management. Trotzdem hätten sie Anleger verunsichert und zum Verkauf getrieben.

Die Schieflage des angeschlagenen Immobilienkonzerns China Evergrande Group sei ebenfalls nicht förderlich gewesen. „Positiv ist zu sehen, dass die Zinszahlung auf eine Anleihe angekündigt wurde. Ob sie tatsächlich erfolgen wird, muss man abwarten. Das Unternehmen hat nun 30 Tage Zeit, diese Zahlung zu leisten“, sagt Gerlinger.

Zusätzlich zeigen die jüngsten Daten, dass sich das Wirtschaftswachstum Chinas abkühlt. „Die gesamte Region Asien wird aktuell von der Delta-Welle erfasst. Das schwächt die Konjunktur“, so Gerlinger. In Südostasien ist die Stimmung aufgrund der Pandemie mittlerweile deutlich schlechter geworden. „Viele Staaten wurden von der vierten Covid-Welle auf dem falschen Fuß erwischt.“ 

Derzeit seien die Märkte nach Einschätzung Gerlingers nicht attraktiv, auch wenn Asien mit China an der Spitze auf lange Sicht eine Wachstumsregion mit starkem Wirtschaftswachstum bleiben wird. Und immerhin: Die wirtschaftliche Verfassung der Länder sei dort immer noch deutlich besser als in anderen Schwellenländern.

Schwellenländer in der Bredouille

Grundsätzlich profitieren rohstofflastige Staaten von einem weltweiten konjunkturellen Aufschwung, wie er aktuell zu beobachten ist, sagt Gerlinger mit Blick auf Lateinamerika. Wie es weitergeht, hänge aber auch stark von den weiteren Entwicklungen hinsichtlich der Pandemie ab. „Die Impfquoten sind vielerorts noch deutlich zu niedrig. Auch, weil nicht genügend Impfstoff zur Verfügung steht.“

Der Experte gibt außerdem zu bedenken: „Im bisherigen Verlauf der Pandemie haben sich viele Regierungen nicht gerade mit Ruhm bekleckert.“ Brasilien mit dem Präsidenten Bolsonaro sei ein Beispiel, aber auch in Argentinien und Peru stünden die Regierungen wegen ihrer Corona-Politik unter Druck. Entsprechend konnten auch die südamerikanischen Aktienmärkte zuletzt nicht überzeugen.

Osteuropa, allen voran Russland, kämpfe ebenfalls mit Problemen. Obwohl reich an Rohstoffen, steht das Land wegen seiner außenpolitischen Ambitionen unter Druck. Der Westen hat Russland mit Sanktionen belegt, nachdem die Regierung die Krim annektiert hatte. Daher sei die wirtschaftliche Lage deutlich schlechter, als sie angesichts der hohen Rohstoffpreise sein müsste, findet Gerlinger. Russische Aktien zeigten sich davon allerdings im laufenden Jahr unbeeindruckt.

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Europa und USA als Alternative

Wie lang die Unsicherheiten rund um China andauern wird, sei ungewiss. Es könne aufgrund der starken Kursverluste auch zu einer temporären Gegenbewegung am Aktienmarkt kommen. Insgesamt verlieren die Schwellenländer aber aus Gerlingers Sicht aufgrund der positiven Wirtschaftsaussichten in Europa und den USA an Attraktivität. Das gelte insbesondere für Asien.

„Deshalb halbieren wir unter Risikogesichtspunkten die Gewichtung in den Emerging Markets“, sagt Gerlinger. „Wir sehen mehr Sicherheit und Klarheit in Bezug auf die Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen Lage in Europa und in den USA. Folglich wird die entsprechend frei werdende Gewichtung aus den Schwellenländern auf Europa und die USA verteilt.“

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