Chinas Wachstumskurve „Pulver am Immobilienmarkt ist noch nicht verschossen“

Chinas Wachstum ist nach einem turbulenten Jahresauftakt zum stabilisierenden Faktor für die Weltwirtschaft geworden. Bo Bejstrup Christensen, Chefanalyst bei Danske Invest, erläutert warum diese Entwicklung nicht von langer Dauer sein wird und welche Faktoren dafür ausschlaggebend sind.

20.04.2016, aktualisiert 21.04.2016 - 17:0821.04.16 - 17:08
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Das wirtschaftliche Wachstum im Reich der Mitte wird künstlich gestützt und in erster Linie von den Stimulusmaßnahmen der chinesischen Regierung am inländischen Immobilienmarkt getrieben. Dort hat sie in den letzten vier Monaten unter anderem die Anzahlungsanforderungen an Immobilienkäufer gesenkt. Diese Maßnahme hatte in den ersten Monaten des Jahres die Verkaufsaktivitäten am Immobilienmarkt deutlich gesteigert – und die Wachstumsimpulse zeigen immer noch Wirkung.

Immobilienmarkt: Immer noch Anreize vorhanden

Doch nicht alle Banken haben bislang die neuen niedrigeren Anzahlungsanforderungen umgesetzt. Daher ist wahrscheinlich das Pulver am Immobilienmarkt noch nicht verschossen und die Nachfrage wird noch einige Zeit stabil bleiben. Während Erstkäufer letzten September bei ihrem Immobilienkauf 30 Prozent anzahlen mussten, sind die Anzahlungen zuerst auf 25 Prozent und im Februar weiter auf 20 Prozent gesunken.

Es gibt auch andere positive Faktoren in der chinesischen Wirtschaft. Die Preise für Basismetalle wie Stahl und Eisen sind aufgrund der zunehmenden Kaufaktivitäten am Immobilienmarkt gestiegen, was sich auf die Bautätigkeiten im Land durchschlägt.

Darüber hinaus hat die chinesische Währung gegenüber dem Dollar aufgewertet und sich seit den turbulenten Tagen zu Jahresbeginn gefestigt. Ich gehe aus, dass dies auch in den kommenden Monaten so bleiben wird. Nicht zuletzt wegen der nach wie vor hohen chinesischen Devisenreserven, dem historisch hohen Handelsbilanzüberschuss und diversen Begrenzungen bei den Spekulationsmöglichkeiten im Hinblick auf Währungsschwankungen.

Demografiewandel: Arbeitsfähige und mobile Altersgruppe stagniert

Wenn wir aber etwas weiter in die Zukunft blicken, wird der Aufschwung im Immobilienmarkt irgendwann seine Wirkung verlieren. Denn: Niedrigere Anzahlungsanforderungen verschieben die Nachfrage letztlich von morgen auf heute. Deshalb handelt es sich hierbei lediglich um eine mittelfristige Ankurbelung.