Comeback der Schwellenländer-Anleihen „Keine Nachrichten sind gute Nachrichten“

Emerging-Markets-Anleihen haben ein starkes erstes Quartal hingelegt. Entscheidend für den Erfolg sind zurzeit vor allem äußere Faktoren wie Rohstoffpreise und die Entwicklung in China. Robert Reichle, Manager des Berenberg Emerging Markets Bond Selection, erläutert, warum er weiterhin eine positive Entwicklung dieser Anlageklasse erwartet.

04.04.2016 - 16:4304.04.16 - 17:35
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Robert Reichle, Manager des Berenberg Emerging Markets Bond Selection, analysiert das Comeback der Schwellenländer-Anleihen.
Robert Reichle, Manager des Berenberg Emerging Markets Bond Selection, analysiert das Comeback der Schwellenländer-Anleihen.© Johannes Arlt

Nach einem eher durchwachsenen Jahr 2015 haben Schwellenländeranleihen jetzt ein sehr gutes erstes Quartal 2016 abgeliefert. Getrieben war dies vor allem durch technische Faktoren.

„Ende vergangenen Jahres gab es sehr viel schlechte Presse für die Emerging Markets. Das ist oft ein Zeichen, dass das Tal der Tränen durchschritten ist, und ein genauerer Blick wieder lohnt“, so Berenberg-Fondsmanager Robert Reichle. Im ersten Quartal fehlten diese schlechten Nachrichten. Das reichte schon. Zurzeit gilt: Keine Nachrichten sind gute Nachrichten.

Hinzu kam Unterstützung auf fundamentaler Ebene. Vor allem die sich erholenden Rohstoffpreise haben zu dem Kursaufschwung beigetragen. Er hält die Angst vor Zinsrisiken im Markt für vergleichsweise niedrig und sieht andere Themen im Vordergrund. „Investoren schauen stärker auf die Rohstoffpreise, die Entwicklung in China und auch auf die Kapitalflüsse“, so der Fondsmanager. Auffällig sei, dass länderspezifische Aspekte in den Hintergrund getreten sind und die marktbeherrschenden Themen für die Anlageklasse äußere Einflussfaktoren sind.

Blackbox China

China spielt nach wie vor eine wichtige Rolle für die Entwicklung in den übrigen Schwellenländern. Die Datenlage in China ist jedoch intransparent. Gleichzeitig hat das Land einen großen Einfluss auf die globale Realwirtschaft und darüber hinaus eine starke Symbolwirkung als Vorreiter der aufstrebenden Länder.

„Das Land erscheint wie eine große Blackbox. Man kann nicht hineinsehen, aber Anleger kommen auch nicht drumherum, sich mit dem Land zu beschäftigen.“

Robert Reichle, Manager des Berenberg Emerging Markets Bond Selection

Zudem hat es Einfluss auf die Faktoren, die die Anleihemärkte in den Schwellenländern zurzeit bestimmen. Das gilt für die Rohstoffpreise und durch seinen großen Bestand an US-Staatsanleihen auch für die Zinsentwicklung in den USA. Ebenfalls wirken sich starke Kapitalabflüsse aus China in der Regel negativ auf die Kapitalflüsse der Schwellenländer aus.