Börse in Rekordlaune„Dax-Stand zum Jahresende über 16.000 Zählern“

Geht die Rally an den Finanzmärkten auch im zweiten Halbjahr weiter? Manfred Schlumberger sieht an den Finanzmärkten noch Luft nach oben. Den stärksten Nachholbedarf und die höchste Dynamik gibt es nach Meinung des Leiters Portfoliomanagement bei StarCapital in Europa.

17.06.2021 - 14:30 Uhr17.06.21 14:30
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Frankfurter Börse
Frankfurter Börse: Der Dax zeigt sich im internationalen Vergleich genau wie die US-Börsen bärenstark© IMAGO / F. Berger

„Aufgrund der Mischung aus guten Fundamentaldaten und der lockeren Geldpolitik der Notenbanken sollten die Börsen mittelfristig noch Luft nach oben haben“, sagt Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement bei StarCapital.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie machen viele Nationen seit Monaten große Fortschritte. Wie bereits im vergangenen Frühsommer gehen die Infektionszahlen in vielen Ländern kontinuierlich zurück. Sinkende Inzidenzen und weitreichende Lockerungen lassen auf einen ähnlich unbeschwerten Sommer wie 2020 hoffen. „Den entscheidenden Unterschied im Vergleich zum Vorjahr machen dieses Mal jedoch die Fortschritte in der Impfkampagne, bei der vor allem auch Deutschland nach einem schleppenden Start zu Jahresbeginn immer kräftiger aufs Gaspedal drückt“, erklärt Schlumberger. Knapp die Hälfte der deutschen Bevölkerung hat inzwischen die erste Impfung erhalten.

An der Börse und in der Wirtschaft wird bereits vorgefeiert

Während die Aktienindizes auf neuen Allzeithochs notieren, präsentieren sich die Konjunkturdaten seit Monaten stabil. „Die Einkaufsmanagerindizes deuten auf ein starkes Wirtschaftswachstum in den kommenden sechs Monaten hin“, erläutert Schlumberger. „Auch wenn es zuletzt zu einer leichten Abschwächung des Trends infolge der Lieferschwierigkeiten in manchen Bereichen gekommen ist“, ergänzt der Experte.

Während sich die Industrie schon seit Monaten im Aufschwung befindet, dürfte Schlumberger zufolge nun vor allem der Dienstleistungssektor vor einem Boom stehen. „Die Leute verfügen derzeit einfach über viel Geld“, verweist der Portfoliomanager in diesem Zusammenhang auf die stark gestiegenen Sparquoten sowohl in Deutschland als auch in den USA. Geld, in den vergangenen Monaten zum einen in den Aktienmarkt geflossen ist, zu einem anderen Teil nun aber auch für den privaten Konsum bereitsteht. Unternehmungen, die über längere Zeit nicht oder nur eingeschränkt möglich waren, wie etwa Urlaub, Konzert- oder Gastronomiebesuche, dürften in den kommenden sechs bis zwölf Monaten überdurchschnittlich gefragt sein.

Nachfrageboom mit Beigeschmack

Der erwartete Nachfrageboom sorgt dabei allerdings nicht nur für positive Effekte. „Die Kehrseite der Medaille ist ein kaum vermeidbarer Preisanstieg“, mahnt Schlumberger. Überall dort, wo eine große Nachfrage auf ein (noch) begrenztes Angebot stößt, dürfte dies von den Anbietern zu Preisanhebungen genutzt werden.

„Gerade bei den Mietwagenpreisen, bei Flug- und Pauschalreisen, aber auch in Restaurants und Kneipen werden wir bereits in diesem Sommer Preisanpassungen nach oben beobachten können“, ist sich der Finanzmarktstratege sicher. Angesichts der steigenden Inflationsdaten macht er sich bislang aber noch keine Sorgen. „Ein Tapering, also eine vorsichtige Straffung der zuletzt ultralockeren Geldpolitik, durch die Notenbanken ist frühestens im kommenden Jahr geplant. Zinserhöhungen sind für die nächsten zwei bis drei Jahre also kein Thema.“ Zuletzt hatte die Europäische Zentralbank beim Volumen der Anleihekäufe auch die Federal Reserve überholt.

Neue „Generation Aktie“

Blickt man auf die Geldströme am Kapitalmarkt können vor allem seit Herbst des vergangenen Jahres starke Zuflüsse in den Aktienmarkt beobachtet werden. „Insbesondere jüngere Anleger scheinen die Börse neu für sich entdeckt zu haben“, kommentiert Schlumberger. Der Aktionärsstatistik des Deutsche Aktieninstituts zufolge engagierten sich im Corona-Jahr beinahe so viele Menschen an der Börse wie zuletzt um die Jahrtausendwende. Knapp 12,4 Millionen Deutsche waren am Aktienmarkt engagiert. Das entspricht 17,5 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren.

Fast 600.000 junge Erwachsene unter 30 Jahren wagten sich auf das Börsen-Parkett, was einem Zuwachs von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auch wenn diese Altersgruppe die Börse nach Einschätzung von Schlumberger „eher wie ein Spielcasino betrachtet“ und viele nervöse Hände dabei sein dürften, ist das eine überaus erfreuliche Entwicklung.

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