Deeskalation zwischen USA und ChinaSchwellenländeraktien profitieren von Annäherung

In den kommenden Wochen ist eine zunehmende Deeskalation der Beziehung zwischen den USA und China zu erwarten, sagt Sébastien Galy. Der Senior-Makrostratege von Nordea Asset Management erklärt, welche Gründe für eine Entspannung sprechen und welche Auswirkungen das für Investoren hat.

22.06.2021 - 17:45 Uhr22.06.21 17:45
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Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping mit US-Präsident Joe Biden (rechts)
Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping mit US-Präsident Joe Biden (rechts): Eine Einigung zwischen den beiden Handelsmächten ist für die USA dringlicher als für China© IMAGO / ZUMA Wire

Das jüngste G7-Treffen hat dazu beigetragen, die Zusammenarbeit innerhalb des Westens zu verbessern, ohne diesen, entgegen dem Wunsch der USA, als strategischen Gegner Chinas und Russlands zu positionieren. Während die USA zur Einheitsfront aufrufen und in der NATO gegen China Stellung beziehen, haben sie zugleich formelle Handelsverhandlungen mit China aufgenommen. Das deutet auf eine Deeskalation der Spannungen hin – ein Prozess, der noch einige Wochen andauern und sich weiter intensivieren dürfte. „Dafür spricht, dass eine Deeskalation im Interesse beider Seiten wäre“, erklärt Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management.

Chinas Position

Chinas Wirtschaft läuft zwar gut und dürfte das auch weiterhin tun, langfristig besteht allerdings das Problem, dass sich das konjunkturelle Wachstum mit dem Altern der Bevölkerung langsam abschwächt. „Aus diesem Grund muss Chinas Wirtschaft produktiver und agiler werden“, sagt Galy. Erste Schritte in diese Richtung bestanden bereits darin, sich von der dominierenden Position großer IT-Giganten wie Apple und Facebook zu lösen. Darüber hinaus benötigt China einen besseren Zugang zu den weltweiten Märkten. Die bisherigen Handelssanktionen der USA haben einige Sektoren der chinesischen Wirtschaft hart getroffen.

China könnte seinen guten Willen zeigen, indem es seine Währung aufwerten lässt. Das hätte den zusätzlichen Vorteil, den Inflationsdruck durch steigende Rohstoffpreise zu verringern. Das Reich der Mitte kann sich das nur langsam leisten, da die Wirtschaft bislang auf Exporte mit niedrigen Gewinnspannen ausgerichtet ist und entsprechend von zu niedrigen Wechselkursen profitiert. „Eine stärkere Währung wäre jedoch eine klare Botschaft, dass das Handelsungleichgewicht zu den USA nicht nur ein Nebeneffekt einer günstigen Währung ist“, so Galy.

Die Position der USA

Die US-Wirtschaft läuft gut, dürfte sich jedoch ebenfalls verlangsamen. Auch sie muss sich reformieren und wettbewerbsfähiger werden. Die USA könnten aus mehreren Gründen daran interessiert sein, einige ihrer Handelsbarrieren gegenüber China abzubauen:

  • Chinas Wirtschaft könnte sich damit für US-Exporte öffnen.
  • Für US-Geringverdiener, die dazu neigen, billige chinesische Importe zu kaufen, dürfte sich der Inflationsdruck verringern.
  • Und schließlich würde der Druck auf die US-Notenbank Fed verringert, die Geldpolitik zu straffen.

„Eine Einigung zwischen den beiden Handelsmächten ist für die USA dringlicher als für China“, erklärt Galy. Dennoch bleibt die Frage, wer sich in diesem Prozess zuerst bewegen wird. „Aus politischer Sicht könnte der nächste Schritt von China ausgehen“, sagt Galy. Kurzfristig bleibe die Lage schwierig und der Deeskalationsprozess dürfte nur langsam vonstattengehen.

Was bedeutet das für Investoren?

„Angesichts der Chance, dass beide Parteien in dieser Konfrontation weiter deeskalierend wirken, setzen wir auf Schwellenländeraktien, insbesondere solche mit Fokus auf dem asiatisch-pazifischen Raum“, erklärt Galy.