Klimaschutz Den Worten folgen immer mehr Taten

Regierungen erkennen, dass den Klimaschutzzielen jetzt konkrete Maßnahmen folgen müssen. Das hat Alexis Deladerrière, Leiter International Developed Markets Equity bei Goldman Sachs Asset Management, beobachtet. Nicht nur deshalb dürften sich für Investoren Chancen bieten.

14.09.2021 - 13:4515.09.21 - 13:34
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Grizzlybären auf Lachsjagd
Grizzlybären auf Lachsjagd: Für ambitionierte Ziele ist entschlossenes Handeln notwendig© IMAGO / imagebroker

Die Politik kann ein starker Motor bei der Bekämpfung des Klimawandels sein. Sie kann Kapital in Branchen mit Innovationsbedarf lenken und Druck auf Unternehmen und Verbraucher ausüben, um sie zu umweltfreundlicheren Handeln zu bewegen. Regierungen erkennen allmählich: Klimaverpflichtungen von gestern erfordern heute Maßnahmen.

Europas Klimawende – der Weg in die Zukunft

Im Dezember 2019 stellte die Europäische Kommission den europäischen „Green Deal“ vor. Dabei handelt es sich um ein umfassendes Konzept, um bis 2050 CO2-neutral zu werden. Um das zu erreichen, sollen die Ziele zur Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2030 auf 50 bis 55 Prozent gegenüber 1990 angehoben werden. Die Gesetzgeber schätzten damals, dass jährlich etwa 260 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen erforderlich sein würden, nur um den Meilenstein für 2030 zu erreichen. Warum ist das für uns wichtig?

Mit dem Ausbruch von Covid-19 wurde die „einzigartige Chance“ greifbarer denn je: Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nutzte mit ihren Mitarbeitern die Wirtschafts- und Gesundheitskrise, um eine grüne Erholung auf den Weg zu bringen. Die EU hielt an ihrem Kurs fest und behielt den Kampf gegen den Klimawandel als ihr oberstes politisches Ziel.

Im März 2020, kurz nach dem Ausbruch der Pandemie und den dadurch verursachten schlimmsten weltweiten Konjunktureinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg, begann die Kommission bereits, den Deal in EU-Recht zu integrieren. Sie präsentierte dem Europaparlament sowie dem Europarat einen Klimaschutzrahmen zum Erreichen der CO2-Neutralität.

Ende Mai gab die Kommission ihre Strategie für die Unterstützung der konjunkturellen Erholung bekannt, dessen Grundstein der Europäische Green Deal ist. Mit dem 750-Milliarden-Euro-Plan „NextGenerationEU“ versucht von der Leyen, die Wirtschaftskraft einer digitalen und grünen Wende auf dem Kontinent zu nutzen, um Arbeitsplätze zu schaffen und das Wachstum anzukurbeln. Schließlich ist es der Branche der erneuerbaren Energien gelungen, allein 2017 etwa 1,5 Millionen Arbeitsplätze weltweit zu schaffen. Man schätzt, dass jeder Euro, der für erneuerbare Energie ausgegeben wird, einen positiven Multiplikatoreffekt von zusätzlichen 0,8 Euro auf das Bruttoinlandsprodukt hat.

Im Juli dieses Jahres veröffentlichte die Kommission ihren aktualisierten Fahrplan. Das Maßnahmenpaket hat das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent zu verringern. Um „fit für 55“ zu werden, versucht der Staatenverbund, mindestens eine Billion Euro an nachhaltigen Investitionen zu mobilisieren. Es sollen:

  1. Der CO2-Markt durch eine Überarbeitung des Emissionshandelssystems gestrafft werden.
  2. Der Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix bis 2030 auf 40 Prozent steigen.
  3. Die Emissionen von Pkw bis 2030 um 55 Prozent gesenkt und in den kommenden zehn Jahren 35 Millionen Gebäude saniert werden.

Gemeinsame Umsetzung

Den politischen Entscheidungsträgern ist bewusst: Für ambitionierte Ziele ist entschlossenes Handeln notwendig. Knapp fünf Jahre nach dem Pariser Übereinkommen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, legen vom Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) jüngst veröffentlichte Erkenntnisse nahe, dass das den Regierungen bisher nicht gelungen ist.

Vergangenes Jahr lobten wir die EU-Führung für die Entwicklung eines Konzepts für eine umweltverträgliche Erholung. Damals hofften wir, dass andere Regionen sich anschließen und mittels grüner Initiativen eine schnellere Konjunkturerholung unterstützen würden.

Wir konnten seither deutliche Fortschritte beobachten: Für rund 60 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen gelten auf nationaler Ebene Verpflichtungen zu CO2-Neutralität und für etwa 30 Prozent davon bis 2050. Das zeigt: Die politischen Entscheidungsträger bemühen sich weiter um einen Konsens darüber, was notwendig ist, um ihre festgelegten Klimaziele zu erreichen.  

China und USA sind von höchster Bedeutung

Chinas Ziel, bis 2060 CO2-Neutralität zu erreichen, traf bei seiner Bekanntmachung überall auf positive Resonanz. Die Veröffentlichung von Chinas 14. Fünfjahresplan im März 2021 rief jedoch auch eine gewisse Skepsis hervor. Denn es wurden keine Emissionsgrenzen festgelegt. Somit dürften die Treibhausgasemissionen voraussichtlich bis zu den Höchstwerten später in diesem Jahrzehnt weiter steigen.

In den USA hingegen erstaunen der Umfang und das Tempo der Klimagesetzgebung nach dem Amtsantritt von Joe Biden. Ergebnisse der Verpflichtungen zur Verringerung der Verschmutzung und der entsprechenden Gesetzesvorschläge sind der „American Jobs Plan“ (2,7 Billionen US-Dollar) und die Bereitstellung von 73 Milliarden US-Dollar für saubere Energie im Rahmen des vorgeschlagenen „Infrastructure Investment and Jobs Act“ (1,2 Billionen US-Dollar).

Kurzum: Wir sind in einer Phase angelangt, in der die Regierungen anerkennen, dass die Klimaverpflichtungen von gestern heute Maßnahmen erfordern. Sie sind bereit, viel Kapital in die Umsetzung zu investieren.

Den Fokus behalten – die Wirtschaft ist immer noch wichtig

Durchdachte und sinnvolle politische Maßnahmen können dabei helfen, den Klimawandel effektiver zu bekämpfen. Jetzt, wo die EU-Kommission und andere Regierungen beginnen, ihre Verpflichtungen umzusetzen, werden die gesetzlichen Maßnahmen als Motor für Veränderungen und Unternehmensgewinne von Anlegern immer noch weitgehend unterschätzt.

Wahlen, Gesetze und das regulatorische Umfeld sind von Natur aus jedoch schwer vorherzusagen. Deswegen dürfen sich langfristig orientierte Anleger, deren Hauptaugenmerk soliden Unternehmen gilt, nicht von den Billionen-Euro-Investmentprogrammen hinreißen lassen. Sie müssen sich auf das konzentrieren, was zählt: Die wirtschaftlichen Treiber, die ihren Anlagen zugrunde liegen.

Die Green Economy wird von der Tatsache beflügelt, dass viele Umweltlösungen dank der zugrunde liegenden volkswirtschaftlichen Entwicklungen kluge Anlagen sind. Die Kostenkurven sind drastisch gefallen und haben aufstrebende Technologien in den Mainstream katapultiert. Bestehende Unternehmen in den Bereichen saubere Energie, Ressourceneffizienz, nachhaltiger Konsum, Kreislaufwirtschaft und nachhaltiger Umgang mit Wasser werden durch disruptive Innovationsunternehmen ersetzt, die mit oder ohne staatliche Unterstützung im Verlauf des Marktzyklus erfolgreich sein werden.

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