Nachhaltige ETFs Der Inhalt zählt, nicht die Verpackung

So mancher ETF ist nur scheinbar nachhaltig. Doch wie können Privatanleger erkennen, wie grün er wirklich ist? Andreas Görler, Anlagestratege bei Pruschke & Kalm GmbH, zeigt, worauf es zu achten gilt.

08.09.2021 - 11:4509.09.21 - 09:18
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Nur auf den ersten Blick grün
Nur auf den ersten Blick grün: Viele ETFs scheinen nachhaltig zu sein. Anleger sollten aber genauer hinschauen© IMAGO / Panthermedia

Mancher ETF erscheint nachhaltiger als er eigentlich ist. Tatsächlich kommen von den vorhandenen Nachhaltigkeitsansätzen meist Ausschlusskriterien und das „Best-in-Class“-Prinzip zum Einsatz. Nach meiner Auffassung sind das die „leichtesten Kriterien“. Meist wird ein vorhandener Index um Unternehmen verringert, die beispielsweise mit den Bereichen Waffenproduktion, Alkohol- und Tabakherstellung oder Glücksspiel in Verbindung gebracht werden. Echte Nachhaltigkeit bieten die meisten ETFs damit noch nicht.

Aus meiner Sicht muss man bei allen großen ETF-Anbietern etwas kritischer herangehen. Ein Beispiel: Beim iShares ETF Dow Jones Global Sustainability Screened (ISIN: IE00B57X3V84) sollen Unternehmen enthalten sein, die im Bereich Nachhaltigkeit weltweit führend sind. In dem Index finden sich allerdings mehrere Mineralöl-, Atom-, Automobilkonzerne und Goldminenbetreiber. Es genügt dann eben, dass diese Firmen beispielsweise weniger CO2 verursachen als andere Firmen aus der jeweiligen Branche.

Anleger sollten sich daher das Datenblatt (Factsheet) ansehen. Hier sind zumindest schon mal die zehn größten Positionen erkennbar. Zudem muss der grundsätzliche Investitionsansatz erläutert werden. Weiterhin sollte es sich um ETFs mit physischer Replikation handeln, da bei synthetischen ETFs nur eine Nachbildung eines Indizes erfolgt, bei dem die entsprechenden Wertpapiere gar nicht erworben werden.

Mehr Auswahlkriterien bei aktivem Management

Ich ziehe stets aktive Investments vor, weil mir vor allem die Selektionskriterien Engagement, Impact-Investing und Stimmrechtsausübung wichtig sind. Außerdem kann ich hier direkten Kontakt zum Fondsmanagement erhalten und mich über den Investitionsansatz oder Portfolioveränderungen informieren. Ebenso ziehe ich Fondsgesellschaften vor, die über einen Nachhaltigkeitsbeirat verfügen, der noch eine zusätzliche Überprüfung des Anlageuniversums vornimmt beziehungsweise das vorhandene Portfolio überprüft.

Mir ist es auch wichtig, dass Unternehmen jederzeit aus dem Portfolio entfernt werden können, die gegen Nachhaltigkeitskriterien verstoßen und nicht erst zu einem festgelegten Anpassungszeitraum ausdifferenziert werden.

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Diesen und weitere Vermögensverwalter, Meinungen und Anlagestrategien findest du auf www.v-check.de