Junge Anlageklasse Nachhaltige Anleihen zur freien Verwendung

Neben grünen Anleihen stehen nachhaltig orientierten Anlegern Sustainability-Linked Bonds zur Auswahl. Was es mit dieser relativ jungen Anlageklasse auf sich hat, erläutert Thilo Wolf, Deutschland-Chef bei BNY Mellon Investment Management.

10.08.2021 - 11:4510.08.21 - 17:51
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Windkraftanlage vor dem RWE Kraftwerk Neurath, Deutschland
Windkraftanlage vor dem RWE Kraftwerk Neurath, Deutschland: Nachhaltigkeitsgebundene Anleihen sind an bestimmte Ziele gekoppelt © IMAGO / Rupert Oberhäuser

Die Finanzmärkte haben mit den unterschiedlichen fiskalpolitischen Maßnahmen der Regierungen bei der Bekämpfung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie eine Art Regimewechsel vollzogen. Anders als durch die lockere Geldpolitik der Zentralbanken dürften sich fiskalische Anreize als direkteres und wirksameres Mittel zur Schaffung von Wachstum erweisen – auch wenn viele Projekte eine lange Vorlaufzeit haben könnten. Das steigende Bewusstsein für den Klimanotstand, das durch wissenschaftliche Forschungen untermauert wird, dient als Katalysator für eine umweltfreundliche Politik.

Die von den nationalen und subnationalen Regierungen bewilligten Finanzmittel zur Förderung eines umweltfreundlichen Wirtschaftsaufschwungs belaufen sich auf 949 Milliarden US-Dollar (Quelle: Bloomberg New Energy Finance, April 2021). Die Initiativen beschränken sich dabei nicht auf die Umweltagenda: Aufgrund von Covid-19 und der Notwendigkeit, „grüne“ Arbeitsplätze zu schaffen und regionale Unterschiede auszugleichen, ist der gesellschaftliche Aspekt deutlich in den Vordergrund gerückt. Diese Entwicklung lenkt die Aufmerksamkeit auf soziale, nachhaltige und die neuen Sustainability-Linked Bonds (SLBs).

Was Sustainability-Linked Bonds ausmacht

Grüne Anleihen wurden bereits 2007 von der Europäischen Investitionsbank und der Weltbank emittiert. Seit Oktober 2020 gibt es auch Sustainability-Linked Bonds. Im Unterschied zu Green Bonds, die ausschließlich für nachhaltige Projekte eingesetzt werden, ist bei SLBs der Verwendungszweck frei. Die Höhe der Finanzierungskosten hängt jedoch davon ab, ob die Emittenten die vorher definierten Nachhaltigkeits- beziehungsweise ESG-Ziele erreicht. Dieses Segment ist aussichtsreich, weil die gestellten Leistungsanforderungen (KPIs) den Kreis der in Frage kommenden Emittenten erweitern und auch diejenigen Unternehmen ansprechen, die ein nachhaltigeres Profil erst entwickeln wollen. Die durchgeführten Projekte der Emittenten werden stärker kontrolliert, um Sanktionen bei Nichteinhaltung der KPIs zu verhindern.

Diese Ausdifferenzierung des Marktes hat handfeste Gründe: In einer kürzlich durchgeführten MSCI-Studie wurde festgestellt, dass hypothetische Portfolios, die aus Emittenten mit höherem ESG-Rating zusammengestellt wurden, stärkere Cashflows, ein geringeres systematisches Risiko und weniger unsystematische Risiken aufweisen als Portfolios, die aus Emittenten mit niedrigerem ESG-Rating zusammengesetzt waren.

Zudem hat das europäische Kreditforschungsteam von J.P. Morgan einen signifikanten Unterschied bei den Finanzierungskosten zwischen Unternehmen mit dem besten und dem schlechtesten ESG-Rating festgestellt. Es ist also kein Zufall, dass die schwächsten Emittenten in der Regel niedrigere ESG-Ratings aufweisen, wie die jüngste Herabstufung des Öl- und Gassektors durch Standard & Poor's aus ESG-Gründen beweist.