Begrenztes Angebot, steigende Nachfrage Der nachhaltige Wandel treibt die Rohstoffpreise

Elektromobilität und erneuerbare Energien: Die Abkehr von fossilen Brennstoffen erhöht den Bedarf an Rohstoffen wie Lithium und Kupfer. Von dem damit verbundenen Preispotenzial dürften insbesondere die Schwellenländer profitieren, sagt James Johnstone, Co-Head im Emerging and Frontier Markets Team von Redwheel.

23.03.2022 - 10:3823.03.22 - 11:01
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Elektromotorrad
Elektromotorrad: Aufgrund der immer schneller voranschreitenden Elektrifizierung des Verkehrs könnte die Lithiumnachfrage jährlich um bis zu 25 Prozent steigen© Imago Images / Cavan Images

Viele Länder weltweit verfolgen ehrgeizige Ziele für die Verringerung ihres CO2-Ausstoßes und streben Netto-Null-Emissionen an. Der Weg dahin könnte die Voraussetzungen für einen Rohstoff-Superzyklus schaffen, der ganz erhebliche Auswirkungen auf die Schwellenländer und Frontier-Märkte hat.

Davon geht James Johnstone, Co-Head im Emerging and Frontier Markets Team von Redwheel, aus. „Diese weit verbreiteten Verpflichtungen zur Erreichung der Klimaneutralität werden voraussichtlich die Bemühungen um zunehmende Elektrifizierung und mehr erneuerbare Energien verstärken und die entsprechenden Branchen über mehrere Jahrzehnte hinweg unterstützen.“ Auch die Hersteller von dafür notwendigen Materialien wie Kupfer und Lithium werden von diesem Trend profitieren.

Mobilitätswende erhöht Rohstoffbedarf

Derzeit vollzieht sich ein rasanter Wandel im weltweiten Verkehrssektor. Elektrofahrzeuge ersetzen zunehmend Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Und sie erfordern andere Materialien für Bau und Betrieb. Das führt zu einer Reihe neuer Nutznießer in der Lieferkette.

„Wir bei Redwheel glauben, dass im vorgelagerten Segment der Wertschöpfungskette erhebliche Wachstumschancen bestehen. Die Nachfrage nach Rohstoffen wie Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer und Platingruppenmetallen dürfte exponentiell steigen, wenn die Verbreitung von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben weltweit zunimmt“, so Johnstone. Das Angebot bei vielen dieser Rohstoffe sei begrenzt, was mittel- bis langfristig zu höheren und stabileren Preisen führen dürfte.

Der Bedarf für Elektrofahrzeuge ist der Haupttreiber der künftigen Lithiumnachfrage. Johnstone ist der Meinung: „Mittelfristig dürfte diese jährlich um 20 bis 25 Prozent steigen. Wir gehen davon aus, dass die Lithiumpreise in den nächsten zehn Jahren durch die starke Nachfrage und das zurückbleibende Angebot, das zu Defiziten führt, gestützt werden.“

Von diesem Trend profitieren könnte SQM. Das Unternehmen betreibt eine der weltweit größten Lithiumminen in Chile. Bis zum Ende des Jahrzehnts dürfte es ein robustes Produktionswachstum verzeichnen. SQM verfügt über eine solide Bilanz, um dieses Wachstum zu finanzieren und hat eine erhebliche Hebelwirkung auf die Lithiumpreise.

Weiteres Preispotenzial bei Kupfer

Optimistisch ist Johnstone auch für Kupfer. „Es ist als Schlüsselmetall ebenfalls einer der Nutznießer der Elektrifizierung der Weltwirtschaft, sei es bei der Produktion von Elektrofahrzeugen oder der Elektrifizierung ganzer Industrien. Außerdem ist es entscheidend für den Auf- und Ausbau erneuerbarer Energien“, erklärt Johnstone. „E-Autos benötigen siebenmal mehr Kupfer pro Fahrzeug als solche mit Verbrennungsmotor, während die Windenergie fünfmal so kupferintensiv ist wie Wärmekraftwerke.“

Auf der Angebotsseite bestehen indes Herausforderungen. „Die Ausbeute schwindet, denn die Erzgehalte sind erheblich gesunken und unsere Untersuchungen deuten darauf hin, dass neue Kupferminen auf der grünen Wiese nur rentabel sind, wenn die Preise dauerhaft bei über 3,50 US-Dollar pro Pfund Kupfer liegen“, so Johnstone. Das knappe Angebot in Verbindung mit einem langfristigen Nachfragewachstum deutet auf positive Aussichten für das Basismetall in den kommenden Jahren hin.

„Auf die Schwellenländer entfallen mehr als 60 Prozent des weltweiten Kupferabbaus. Wir gehen daher davon aus, dass mehrere Schwellenländer von der robusten Entwicklung bei Kupfer langfristig profitieren werden“, zeigt Johnstone sich optimistisch. First Quantum Minerals etwa betreibt in Sambia eine der größten Kupferminen der Welt.