Schlimmer als Kohlendioxid Der verdrängte Klimasünder

Wenn es um die Bekämpfung des Klimawandels geht, steht die Verringerung der Kohlendioxidemissionen an erster Stelle. Methan hingegen wird häufig vernachlässigt. Dabei hat das Gas im Vergleich eine mehr als 80-mal stärkere Treibhauswirkung. Umso gefährlicher, dass immer mehr davon in die Atmosphäre gelangt.

Eine Kuh weidet auf einer Wiese in den Alpen
Eine Kuh weidet auf einer Wiese in den Alpen: Kohlendioxidemissionen stehen im Mittelpunkt der Klimadiskussion, obwohl Methan eigentlich noch schädlicher ist© IMAGO / Kickner

Eine aktuelle Bewertung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und der Koalition für Klima und saubere Luft (CCAC) ergab, dass die Verringerung der Methanemissionen aus der Landwirtschaft einer der Schlüssel im Kampf gegen den Klimawandel ist.

Woher kommt Methan?

Methan ist sehr viel schädlicher für das Klima als Kohlenstoffdioxid (CO2), das meist im Zentrum des Anlegerinteresses steht. Knapp 40 Prozent der weltweiten Methanemissionen kommen vorwiegend aus der Landwirtschaft, vor allem die Viehzucht und der Reisanbau gelten als größte Quellen.

Das Dilemma: Die Emissionen aus beiden Quellen werden im Zuge des Bevölkerungswachstums, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Landflucht weiter steigen. Die Vereinten Nationen erwarten für das Jahr 2050 knapp zehn Milliarden Menschen auf dem Globus.

Schlimmer als Kohlendioxid

Es dauert etwa 12,4 Jahre, bis Methan auf natürliche Weise zerfällt. Bei CO2 sind es 120 Jahre. Doch in diesem Zeitraum übertrifft Methan die Treibhauswirkung von Kohlendioxid um ein Vielfaches – über 20 Jahre betrachtet wirkt Methan etwa 87-mal stärker als Kohlendioxid. Damit sorgen bereits kleine Mengen für einen großen Treibhauseffekt.

Nach Angaben des UN-Umweltprogramms (UNEP) macht Methan inzwischen knapp 30 Prozent der Treibhausgase aus. Seit der Industrialisierung hat sich die Menge in der Atmosphäre mehr als verdoppelt. Das geht aus der jüngsten Studie der Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten hervor. Während die CO2-Emissionen im Zuge der Pandemie zurückgingen, stieg der Anteil von Methan.

Wie können wir die Methanemissionen verringern?

Laut James Lomax, UNEP-Berater für Nahrungsmittelsysteme und Landwirtschaft, muss die Welt anfangen, die Ansätze für den landwirtschaftlichen Anbau und die Viehzucht zu überdenken. Dazu gehören der Einsatz neuer Technologien, die Umstellung der Ernährung und die Nutzung alternativer Proteinquellen. „Das ist der Schlüssel, wenn die Menschheit die Treibhausgasemissionen verringern und die globale Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzen will.“

Wissenschaftler forschen derzeit an alternativen Futtermitteln, um den Methanausstoß von Kühen zu verringern. Ebenso empfehlen Experten bei Grundnahrungsmitteln wie Reis alternative Befeuchtungs- und Trocknungsmethoden anzuwenden, die die Emissionen halbieren könnten. Denn: Damit Reis wächst, werden Felder überflutetet. Das Wasser macht den Boden sauerstoffarm und schafft Bedingungen für Mikroorganismen, die Methan produzieren. Stattdessen sollten die Felder während der Vegetationsperiode zwei- bis dreimal bewässert und entwässert werden, wodurch die Methanproduktion ohne Beeinträchtigung des Ertrags begrenzt würde. Dieses Verfahren dürfte zudem ein Drittel weniger Wasser benötigen und wäre damit wirtschaftlicher.

Wie viel Methan können wir wirklich einsparen?

Mit bereits heute verfügbaren Maßnahmen können die menschengemachten Emissionen des klimaschädlichen Treibhausgases Methan bis 2030 um bis zu 45 Prozent verringert werden. Das könnte die globale Erwärmung bis 2045 um fast 0,3 Grad Celsius verringern und somit einen entscheidenden Beitrag zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels leisten.

Ebenso könnten durch die anschließende Verringerung des bodennahen Ozons jedes Jahr 260.000 vorzeitige Todesfälle, 775.000 Asthma-bedingte Krankenhausaufenthalte, 73 Milliarden Stunden Arbeitsausfall durch extreme Hitze und 25 Millionen Tonnen Ernteverluste vermieden werden.

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