Deutsche Asset ManagementMulti-Asset-Manager senken Europa-Positionen auf Rekordniveau

Mischfonds-Manager der Deutschen Asset Management haben einen radikalen Kurs eingeschlagen: Sie verkaufen europäische Aktien und setzen stattdessen auf US-Dollar-Anleihen aus Schwellenländern und als spekulativ eingestufte US-Unternehmen. Die Gründe erfahren Sie hier.

14.02.2017 - 15:16 Uhr14.02.17 15:16
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Christian Hille, Multi-Asset-Fondsmanager bei der Deutschen Asset Management
Christian Hille, Multi-Asset-Fondsmanager bei der Deutschen Asset Management

In Bezug auf Europa ist die Deutsche Asset Management (Deutsche AM) bei Multi-Asset-Fonds vorsichtiger positioniert als je zuvor. Nach Aussage von Fondsmanager Christian Hille machen europäische Aktien aktuell nur ein Drittel der 100 Milliarden schweren Portfolios aus. Der Normalwert belaufe sich auf mindestens 50 Prozent. Das Niedrig-Rendite-Umfeld der Region und die Unsicherheit vor einer Reihe von Wahlen in diesem Jahr haben Hille und seine Kollegen veranlasst, die europäischen Positionen in den Fonds auf den bisher niedrigsten Wert zu reduzieren.

Die anstehenden Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland, bei den auch populistische Kandidaten antreten, heizen Befürchtungen über ein Auseinanderbrechen des Euroraums an. Das Wahl-Risiko ist ein weiterer Grund für globale Investoren, sich von europäischen Aktiva fernzuhalten, die bereits wegen flauen Wachstums und der niedrigsten Anleiherenditen weltweit unattraktiv geworden sind.

„Wahlergebnisse nur schlecht prognostizierbar“

Nach der überraschenden Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und dem Brexit-Referendum im vergangenen Jahr sei es schwierig, anhand von Meinungsumfragen das Ergebnis zu prognostizieren, sagte Hille. Die Europäische Kommission hat am Montag gewarnt, dass die Projektionen für die Konjunkturerholung in der Europäischen Union mit „außergewöhnlich hohen Risiken behaftet sind“.

Das stotternde Wachstum in den 19 Euroraum-Ländern, das langsamer steigen dürfte als von Brüssel vor einem Jahr prognostiziert, spiegelt die Differenz von 210 Basispunkten zwischen den Renditen von US-Staatsanleihen und den Renditen deutscher Bundesanleihen.

Die politischen Risiken in Europa sind aus Sicht von Hille zu wenig in die Kurse eingepreist. Angesichts des Zinsniveaus und des Niveaus der Zinsdifferentiale sei es aktuell attraktiver, in Aktiva außerhalb Europas zu investieren. Hille bevorzugt für seine Multi-Asset-Portfolien aktuell US-Dollar-Anleihen aus Schwellenländern und als spekulativ eingestufte US-Unternehmen.

Die Deutsche AM ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank. Am 30. September 2016 verwaltete das Unternehmen, das Investment-Lösungen für private und institutionelle Anleger anbietet, 706 Milliarden Euro.