Auto-Aktien Deutsche Autobauer auf der Überholspur?

Lange sind die deutschen Autobauer dem E-Auto-Pionier Tesla hinterhergefahren. Doch jetzt geben sie Vollgas: VW, BMW und Daimler können mit neuen Modellen und Strategien aufholen. Wir haben mit drei Experten über Automobil-Investments gesprochen und sie gefragt, worauf Anleger jetzt achten sollten.

31.08.2021, aktualisiert 02.09.2021 - 09:0402.09.21 - 09:04
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Hoch hinaus
Hoch hinaus: „Die Deutschen holen allmählich auf“, sagt Jürgen Pieper, Auto-Analyst bei Metzler Capital Markets, der bei VW die konsequenteste E-Strategie der heimischen Autobauer erkennt © IMAGO / regios24

Die deutsche Automobilbranche blickt auf ein schwieriges Jahr zurück. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten Produktionsfabriken schließen und Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden. Dadurch sind die Umsatzzahlen eingebrochen. Der Aktienkurs des E-Auto-Pioniers Tesla jagte währenddessen von einem Rekord zum nächsten. Doch mit dem Abflachen der Krise erholte sich auch langsam die frühzyklische Branche in Deutschland.

Ebenso spielt den deutschen Autobauern die nachhaltige Ausrichtung der Politik in Sachen Verkehrswende in die Karten. „Die Deutschen holen allmählich auf, am klarsten VW, die Tesla schon im Nacken sitzen, und von den heimischen Autobauern auch die konsequenteste E-Strategie haben“, sagt Jürgen Pieper, Auto-Analyst bei Metzler Capital Markets. „Die Krisenzeit deutscher Autobauer scheint vorbei, in entsprechende Aktien zu investieren, könnte sich als durchaus lukrativ herausstellen“, so Pieper. Denn: „Noch immer stehen die operativen Performances von Tesla und den traditionellen Herstellern in einem überwältigenden Missverhältnis, das sich nicht in den Bewertungen widerspiegelt“, ergänzt Jan Burgard, CEO der Berylls Group.

Software gewinnt im Bereich der E-Mobilität an Bedeutung

Damit die E-Mobilität auch wirklich Fuß fassen kann, ist die verbaute Software von entscheidender Bedeutung. Traditionelle Autobauer wie Volkswagen hatten hier in der Vergangenheit häufiger mit Problemen zu kämpfen – beispielsweise bei der Markteinführung des ID.3. Doch nicht nur die Unternehmen selbst, sondern auch deren Zulieferer sind vom Wandel betroffen. „Viele von ihnen müssen sich radikal umstellen. Ein Problem ist, dass viele Zulieferer noch lange Zeit traditionelle Komponenten liefern müssen, sich also häufig gar nicht so schnell umstellen können“, betont Pieper.

Burgard beobachten auch von Seiten der Hersteller ein hohes Maß an Abhängigkeit: „Zu sehr war man auf Arbeitsteilung mit den klassischen Zulieferern aus, die eigenen Kernkompetenzen drehten sich häufig um den Antrieb. Die prozessuale Umstellung wird dementsprechend eine Mammutaufgabe.“

Problematisch ist die Umstellung natürlich insbesondere für die Unternehmen, die sich vollständig auf den Verbrennungsmotor fokussiert haben oder es noch sind. „Exzellente Unternehmen werden allerdings auch hier noch eine lange Zeit überlebensfähig sein, denn der weltweite Run auf E-Mobilität findet sehr regionenspezifisch statt“, so Burgard.

Chinesische Hersteller nicht zu unterschätzen

Doch auch wenn viele Investoren beim Thema E-Mobilität zuerst an Tesla oder die deutschen Autobauer denken, sollten auch die chinesischen Unternehmen nicht unterschätzt werden. An der New Yorker Börse konnten sie bereits begeistern. Das liegt auch daran, dass die Regierung in Peking sich dazu bereiterklärt hat, das Thema E-Mobilität voranzutreiben. Mittlerweile ist der Elektroautobauer Nio so bereits mehr wert als BMW oder Daimler. „Auf dem heimischen Binnenmarkt feiern BYD, SGMW, Nio und Xiaopeng Motors große Erfolge“, erklärt Burgard. „Viele von ihnen wollen den nächsten Schritt wagen und auf dem europäischen Markt Fuß fassen.“

Das muss nicht schlecht sein, denn „mehr Wettbewerb bedeutet höheres Innovationspotenzial“, erklärt Peter Schömig, Geschäftsführer der Investmentgesellschaft LeanVal. Auch in Sachen Investments könnten sich chinesische Autobauer als durchaus lukrativ erweisen. „Doch richtig offen und transparent erscheint uns der chinesische Aktienmarkt nicht“, warnt Pieper. Dem stimmt auch Schömig zu: „Vor dem Hintergrund der neusten Entwicklung, hier meinen wir die deutlichen Eingriffe der Regierung, müssen Investoren grundsätzlich ein höheres Risiko in Kauf nehmen.“

Ausblick

Doch wo liegt das größte Potenzial? „Wir sehen es derzeit im Bereich der Energiespeicher“, so Schömig. Insbesondere, da hier die größte Entwicklungsnotwendigkeit im Hinblick auf Kapazität, Ladezyklen- und Ladezeit besteht. „Insbesondere kleinere innovative Zulieferer sind jetzt gefragt. Das ist allerdings zeitgleich mit Risiken verbunden.“ Nicht zuletzt, da die Unternehmenslandschaft einem ständigen Wandel ausgesetzt ist, wie es in den vergangenen Jahren zu beobachten war.

Ebenso sollten Investoren bedenken, dass gerade „viele neue Spieler den Markt überschwemmen – zahlreiche davon sind mit Hilfe von SPACs auf den Markt gekommen“, erklärt Burgard. Daher gilt: „Für die Diversifikation eines Portfolios bietet sich zwar durchaus Auswahl. Doch Anleger sollten genauer hinschauen“, so Schömig.

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Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen.