Anlagethema Wasser „Die Digitalisierung der Wasserbranche bietet großes Renditepotenzial“

Der Wassersektor gewinnt unter Investoren immer stärker an Bedeutung. Catherine Cahill beschäftigt sich bereits seit mehr als einem Jahrzehnt mit diesem Anlagethema. Im Interview spricht die Managerin des KBI Water Fund über die Besonderheiten der Branche, Chancen in den Schwellenländern und die Trends der kommenden Jahre.

Catherine Cahill
Catherine Cahill: „China dürfte in den nächsten Jahren mehr als die USA und Europa zusammen für Wasser ausgeben“© Amundi Asset Management

Frau Cahill, den KBI Water Fund (ISIN: IE00B2Q0L939) gibt es bereits seit dem Jahr 2008. Damals stand nachhaltiges thematisches Investieren kaum im Anlegerfokus. Wie kamen Sie zu diesem Thema?

Catherine Cahill: Das stimmt, wir waren unserer Zeit voraus. Aber: Wir konzentrieren uns auf Themen, mit denen sich langfristig Renditen erwirtschaften lassen – und das galt für Wasser damals bereits. Wasser ist schlichtweg notwendig und auch nicht zu ersetzen. Außerdem steigt die Nachfrage sowohl seitens der Unternehmen als auch der Verbraucher weltweit, nicht zuletzt angesichts des Bevölkerungswachstums. Damit verbunden sind steigende Ausgaben für entsprechende Infrastrukturen und Technologien. Daran hat sich bis heute nichts geändert – im Gegenteil. Wir investieren in Unternehmen, die Lösungen für wichtige Wasserprobleme anbieten. Dabei ist unser Ziel, eine attraktive Rendite zu erzielen – was uns seit Einführung der Strategie auch gelang.

Nun waren gezielte Investments in Wasser damals eine Nische. Das sind sie heute aber nicht mehr?

Cahill: Nein, auch aufgrund des Nachhaltigkeitstrends interessieren sich immer mehr Investoren für das Thema. Außerdem wird aktuell weltweit viel Geld für Infrastruktur ausgegeben. Davon profitiert auch der Bereich Wasser. Unsere Strategie ermöglicht es Investoren, einen liquiden Zugang zu dieser Art von Infrastrukturinvestitionen zu erhalten.

Macht es Ihre Arbeit herausfordernder, dass die Wasserbranche jetzt stärker im Rampenlicht steht?

Cahill: Es gibt immer mehr Investmentgesellschaften, die Strategien für Wasserfonds entwickeln. Aus meiner Sicht haben wir aber ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal: Wir konzentrieren uns eher auf kleine bis mittelgroße Unternehmen. Diese konzentrieren sich meist auf Nischenmärkte und sind oft unterbewertet, da sie von relativ wenigen Analysten begleitet werden. Wir sind mit 15 bis 20 Prozent des Portfolios in Small-Cap-Unternehmen investiert. Insgesamt gilt: Ein potenzieller Kandidat muss 50 Prozent seiner Einnahmen aus wasserbezogenen Aktivitäten generieren. Wir sind also sehr streng, was die Aufnahme in die Strategie angeht. Unser Portfolio kann bis zu 70 Prozent aus reinen Wasserunternehmen bestehen. Das ist eine beachtliche Zahl im Vergleich zu unseren Mitbewerbern. Zudem berücksichtigen wir Unternehmen aus Schwellenländern.

Was spricht für Wasserinvestments in den Schwellenländern?

Cahill: Dort schlummern aus unserer Sicht zahlreiche Möglichkeiten: Aufgrund der schnell wachsenden Bevölkerung ist der Aufbau entsprechender Infrastruktur enorm wichtig. Das lässt sich schon an verschiedenen Konjunkturpaketen mit entsprechendem Schwerpunkt sehen.

Können Sie uns ein Beispiel geben?

Cahill: Brasilien hat im vergangenen Jahr ein Programm vorgestellt, dass mehrere Milliarden US-Dollar für den Zugang zu Wasser vorsieht. In Indien tut sich ebenfalls einiges: Eine Initiative der Zentralregierung zielt darauf ab, jedem ländlichen Haushalt in Indien bis 2024 Zugang zu Leitungswasser zu verschaffen. China dürfte in den nächsten Jahren mehr als die USA und Europa zusammen für Wasser ausgeben, wie sich aus dem aktuellen Fünf-Jahres-Plan ablesen lässt.

Lassen Sie uns über ESG sprechen: Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen hier erfüllen, um in das Portfolio aufgenommen zu werden?

Cahill: Wir investieren nur in Unternehmen, die nicht gegen den UN Global Compact verstoßen. Außerdem dürfen unsere Portfoliounternehmen nicht mehr als 20 Prozent ihrer Einnahmen aus kohlebezogenen Aktivitäten erwirtschaften oder an der Herstellung von chemischen oder biologischen Waffen beteiligt sein. Von den Ausschlusskriterien abgesehen, suchen wir nach den Unternehmen mit dem besten Risiko-Rendite-Verhältnis im Verhältnis zu den ESG-Eigenschaften.

Wir glauben fest daran, dass wir die nachhaltige Entwicklung bei den Unternehmen, in die wir investieren, positiv beeinflussen können. Daher setzen wir auch auf Unternehmen, deren ESG-Score noch Verbesserungspotenzial hat.

Wie sieht das konkret aus?

Cahill: Der KBI Water Funds verfügt über ein konzentriertes Portfolio mit 40 bis 50 Aktien. Wir kennen diese Unternehmen sehr gut und stehen im ständigen Austausch mit ihnen. Dabei motivieren wir sie, ihre Transparenz zu erhöhen.

Wir sind uns auch bewusst, dass die ESG-Bewertung, insbesondere bei Unternehmen in den Schwellenländern, eine Herausforderung ist. Hier ist die Informationslage oft schwieriger als bei ihren Pendants in der westlichen Welt. Aber auch hier hilft uns der Dialog mit dem Management.

Wo sehen Sie in den Schwellenländern aus ESG-Sicht konkreten Verbesserungsbedarf?

Cahill: Aus Umwelt- und sozialen Gesichtspunkten sind die Unternehmen positiv zu bewerten. Schließlich verbessern sie die Wasserqualität beziehungsweise -versorgung. Bei der Unternehmensführung hingegen schneiden sie oft schwächer ab. Viele sind Staatsbetriebe, die daher keine Mehrheitsaktionäre haben. Oft mangelt es an unabhängigen Vertretern in den Vorständen. Außerdem gibt es nur sehr wenige oder keine Frauen in den Vorständen. Wir engagieren uns daher aktiv bei diesen Unternehmen, um dies im Rahmen einer guten Unternehmensführung zu verbessern. Zudem schauen wir, inwieweit und ob sich überhaupt mögliche negative Aspekte im Bereich der Unternehmensführung mit positiven Aspekten auf Seiten der ökologischen wie sozialen Kriterien ausgleichen lassen und ermutigen die Unternehmen, sich im Bereich der Unternehmensführung insgesamt besser aufzustellen.

Blicken wir in die Zukunft. In welchen Bereichen beziehungsweise bei welchen Technologien sehen Sie das größte Potenzial – sowohl aus Rendite- als auch aus Impact-Sicht?

Cahill: Es wird immer wichtiger, nachhaltige Lösungen für die Wasserversorgung zu entwickeln. Global gesehen ist zum Beispiel die Abwasseraufbereitung ein großes Thema. Aktuell werden weniger als 5 Prozent des weltweit genutzten Wassers wiederverwendet. Wird dieser Anteil gesteigert, sehen wir darin großes Potenzial, um eine nachhaltige Lösung für Wasserversorgungsprobleme zu schaffen. Hier gibt es langfristige Wachstumschancen. Wir investieren beispielsweise in Hersteller von Filter- und Aufbereitungsanlagen sowie in Unternehmen, die diese Anlagen langfristig betreiben.

Eine Herausforderung sind auch PFAS im Wasser, also per- und polyfluorierte Chemikalien. Dabei handelt es sich um eine Stoffgruppe, die mehr als 4.700 verschiedene in der Natur nicht vorkommende Stoffe umfasst. Diese sind extrem langlebig und es wurden bereits gesundheitsschädliche Wirkungen nachgewiesen. Wir haben Firmen in unserem Portfolio, die hierfür Filter- und Aufbereitungs-Lösungen anbieten.

Weitere Anlagechancen sehen wir im Rahmen der Digitalisierung. Die Branche ist manchmal etwas langsam und konservativ bei der Einführung von neuen Technologien. Hier gibt es noch viel Potenzial nach oben. Bei vielen Versorgern fällt erst gerade der Groschen, dass es notwendig ist, auf „Smart Water“ zu setzen und die Wasserinfrastruktur zu digitalisieren, um hier die vielen Vorteile zu nutzen, die es nicht nur für das Versorgungsunternehmen, sondern auch für den Endverbraucher gibt. Es handelt sich also um einen Bereich, der viel zu bieten hat und Anlegern noch reichlich Rendite bringen könnte.